Das Gebiet der Insel Borneo teilen sich drei Staaten: Malaysia, das
Sultanat von Brunei und Indonesien. Der Name Punan bezeichnet die ca.
8600 Angehörigen der Volksgruppe, die als Nachfahren der Nomaden
aus dem Landesinneren Borneos zur nicht sesshaften Bevölkerung
gehören. Unter diesen Begriff fallen zahlreiche verschiedene
Gruppen, darunter auch die Punan Tubu (benannt nach dem Fluss, an dem
sie siedeln). Die indonesische Regierung sieht die Lebensweise der
Punan im Wald als primitiv an und versucht die Punan Tubu seit
mittlerweile fast 30 Jahren dazu zu bringen, sich in Malinan, der
nächstgelegenen Stadt, niederzulassen.
Eine Gruppe französischer Forscher des IDR (Institut für
Entwicklungsforschung) hat über einen Zeitraum von drei Jahren
eine Studie durchgeführt, die zeigt, welchen Einfluss die
Sesshaftigkeit auf die Gesundheit und Ernährung der Punan hat: Der
Wechsel von der nomadischen zur sesshaften Lebensweise setzt die
Menschen bisher unbekannten Krankheiten wie Malaria oder Infektionen
aus, gegen die ihre traditionelle Medizin wirkungslos ist.
Die im Urwald verbliebenen Punan sind auf Grund der Abgeschiedenheit
der Dörfer und Lagerplätze entlang des Flusses komplett von
der medizinischen Versorgung abgeschnitten. Die Gegebenheiten
(Stromschnellen, Gebirge) machen Krankentransporte nahezu
unmöglich.
Leben im Wald – Extrem hohe
Kindersterblichkeit
Die Sterblichkeitsrate ist vor allem unter den ganz Jungen und den
Alten sehr hoch, die geschätzte Kindersterblichkeitsrate
gehört zu den höchsten der Welt: 25 % der Kinder erreichen
nicht einmal das Alter von fünf Jahren.
So hat unser Arzt vor Ort beispielsweise bei einer Visite eine
28-jährge Punan-Frau kennen gelernt, die zwölf Kinder zur
Welt gebracht hat, von denen jedoch lediglich fünf überlebt
haben. Ähnliches gilt für ältere Menschen – in seinen
mehr als 300 Sprechstunden hat der Arzt nur zehn Punan über 65
Jahren behandelt.
Fast alle schwangeren Frauen und die Kinder leiden an chronischer
Anämie, zudem sind Atemwegserkrankungen weit verbreitet. Auch
wegen der großen Zahl an Malariaerkrankungen muss die
medizinische Versorgung dringend ausgebaut werden.
Médecins du Monde startet deshalb ein Programm mit dem Ziel, die
Kindersterblichkeit sowie infektiöse Krankheiten einzudämmen.
In Kooperation mit lokalen Partnern werden „mobile Kliniken“
eingerichtet, so dass ein Arzt und ein Krankenpfleger zumindest
dreimal im Jahr auch in den entferntesten Dörfern Sprechstunden
anbieten können.
Parallel dazu bilden unsere Teams Gesundheitspromotoren aus den Reihen
der Punan aus. Die Schulungen beziehen sich insbesondere auf Hygiene
und die häufigsten lebensbedrohlichen Erkrankungen. Eine
Unterweisung in die Grundlagen der Ersten Hilfe gehört
ebenfalls dazu.
In einem zweiten Schritt werden von den MDM-Teams Hebammen ausgebildet,
die danach Schwangere medizinisch betreuen und Entbindungen begleiten
können.
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