Als Reaktion auf die untragbaren Haftbedingungen startet
Médecins du Monde auch im Libanon ein Projekt zur Verbesserung
des Zugangs zu medizinischer Behandlung und Betreuung.
Die Situation von Migranten im
Zentralgefängnis in Roumieh
Gefängnisse im Libanon sind oft bis zu 200 % überbelegt. Auf
Grund der aktuellen Rechtslage, die Haftstrafen für illegale
Migranten vorsieht, stellt diese Bevölkerungsgruppe derzeit mehr
als ein Drittel aller Gefängnisinsassen.
Die illegalen Einwanderer, die aus dem benachbarten Syrien, aus Afrika,
vom Indischen Subkontinent oder aus Südostasien stammen, werden
als billige Arbeitskräfte vor allem in Haushalten, in der
Gastronomie oder auf dem Bau eingesetzt. Oft sind es Männer und
Frauen, die vor Krieg oder diktatorischen Regimen geflüchtet sind
– insbesondere aus dem Sudan, Somalia oder noch bis vor kurzem aus dem
Irak.
Da die Verantwortlichen im Libanon die Genfer
Flüchtlingskonvention aus dem Jahre 1951 nicht unterzeichnet
haben, werden Flüchtlinge, Asylsuchende und illegale Migranten
kriminalisiert.
Migranten werden regelmäßig für mehrere Monate
inhaftiert, während sie auf ihre Verlegung in das allgemeine
Sicherheitsauffanglager warten – die letzte Stufe, bevor sie entweder
freigelassen oder in ihre Herkunftsländer ausgewiesen werden.
Diese Internierung verstößt zwar gegen die Gesetzeslage,
jedoch haben Emigranten, die oft völlig mittellos sind, meist
nicht die Möglichkeit, den nötigen Rechtsbeistand zu erhalten.
Das Zentralgefängnis in Roumieh, in der Nähe von Beirut,
nimmt im Durchschnitt 4.000 bis 5.000 Gefangene auf, obwohl die
Kapazität theoretisch nur für 2.000 Personen ausgelegt ist.
In dieser Strafanstalt werden auch mehr als 70 % aller im Libanon
inhaftierten Migranten untergebracht.
Die medizinische und psychologische Lage ist für die Menschen
extrem belastend. Zusätzlich zu Überbelegung, psychischer
Isolation und Diskriminierung fördert der Mangel an Information
bei den Gefangenen tiefe Verzweiflung.
Eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung, mangelhafte
Ernährung sowie schlechte hygienische Zustände machen die
Gefangenen noch anfälliger für Krankheiten.
Zugang zu medizinischer
Behandlung gewährleisten
Im Zentralgefängnis von Roumieh, untersucht MDM jeden neu
eintreffenden Migranten. Die Teams bieten Informations- und
Schulungsveranstaltungen, sowohl für Insassen als auch für
medizinische Pflegekräfte und Vollzugsbeamte an. Darüber
hinaus unterstützt MDM die Gefängnisleitung bei der
Eindämmung von AIDS und Tuberkulose.
Lokale Nicht-Regierungs-Organisationen werden eingeschaltet, um die
weitere soziale und rechtliche Betreuung der Migranten zu
übernehmen.
Damit die nötige Akzeptanz sichergestellt ist, werden all diese
Aktivitäten in Zusammenarbeit mit der staatlichen
Gefängnisleitung durchgeführt.
Um das Projekt fortsetzen und ausweiten zu können, arbeitet MdM
eng mit Organisationen innerhalb der Gefängnisse und lokalen
Organisationen wie Caritas-Migrants und AJEM (Association for Justice
and Mercy) zusammen.
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