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Äthiopien: Dr. Iselborn berichtet über seinen 3-monatigen Einsatz

Weltfrauentag 2007 Im April kehrte Dr. Iselborn von einem 3-monatigen Aufenthalt in Äthiopien für Ärzte der Welt nach Freiburg zurück. In dem Ärzte der Welt Projekt in Axum wirkte er an der Ausbildung chirurgischer Einsatzteams mit.
Je ein angehender Chirurg, eine zukünftige OP-Schwester und eine baldige Anästhesieschwester bilden ein Team, welches in entlegenen Gesundheitsstationen einfache chirurgische Eingriffe übernehmen soll. Dazu erhalten sie eine 9-monatige Ausbildung durch Ärzte der Welt.

Dr. Iselborn trainierte die GesundheitshelferInnen. Er stellte ihnen sein theoretisches Wissen und vor allem seine praktische Erfahrung zur Verfügung. Gemeinsam arbeiteten sie im OP-Saal des Krankenhauses in Axum. Von der Motivation und der Wissbegierde seiner Schüler war Dr. Iselborn begeistert. „Die Menschen haben eine gute theoretische Ausbildung, auf die ich aufbauen konnte. Aber es mangelte an praktischer Erfahrung. Bei der gemeinsamen Arbeit im OP gab es daher viele Fragen zu beantworten und viele Abläufe zu demonstrieren. Die Zusammenarbeit funktionierte hervorragend.“ Nach nur drei Monaten können die Teilnehmer nun unter Supervision z. B. einfache Kaiserschnitte durchführen.
Wie wichtig die Dezentralisierung ist, zeigt die Tatsache, dass viele Frauen heute 50km und mehr unter Wehen zu Fuß laufen müssen, um zu einem Krankenhaus für eine sichere Geburt zu kommen. Viele überleben einen solchen Marsch nicht, oder bleiben gleich zuhause. Die Gesundheitsstationen in der Nähe können in Zukunft eine Möglichkeit bieten, die Frauen zu versorgen. Sie werden von der Regierung in Zusammenarbeit mit einer UN-Organisation ausgestattet, das Personal wird von Ärzte der Welt ausgebildet.

Die Situation des Gesundheitssystems in Äthiopien ist katastrophal. Nur 300 Ärzte im Jahr beenden ihr Studium, bei 80 Millionen EinwohnerInnen ist das viel zu wenig. Die Verkehrsnetze sind schlecht ausgebaut, daher können weitere Strecken nur zu Fuß zurückgelegt werden. In der Provinz, in der Axum liegt, gibt es für 4. Mio. Menschen nur 10 Chirurgen. „Nur die Härtesten kommen durch“ berichtet Dr. Iselborn, „wer den kilometerlangen Weg zu einem Krankenhaus nicht schafft, vor allem, wenn die nächste Gesundheitsstation eine Leistung nicht anbieten kann, der muss sterben“. Im Krankenhaus selbst sieht man Krankheitsbilder, die in Europa nicht mehr vorkommen. Denn viele Menschen verschleppen die Beschwerden und kommen erst im letzten Moment z.B. mit übergroßen Tumoren zu einem Arzt. Frauen leiden unter zu vielen Schwangerschaften, Geburtskomplikationen, Beschwerden, die durch die Beschneidung hervorgerufen werden und Fisteln.

So ist es kein Wunder, dass die Lebenserwartung der Frauen nur bei 42 Jahren liegt, diejenige der Männer bei 45 Jahren. Die Ausbildung des Personals, in die Ärzte der Welt investiert, ist ein kleiner Schritt zur Verbesserung des Gesundheitssystems und eine kleine Hoffnung für viele Menschen, vor allem für die Frauen.
Dabei hat Äthiopien eine Jahrtausendealte Hochkultur mit einer ausgebildeten Schriftsprache, das Land kann auf einen Entwicklungszeitraum zurückblicken, auf den Europa neidisch sein könnte. Doch ist die Entwicklung irgendwann stagniert und heute, nach dem grausamen Bürgerkrieg, befindet sich Äthiopien in einem desolaten Zustand.

Dr. Iselborn wird am 22. Mai 2007 um 19.30 Uhr an der Universität Freiburg im Hörsaal der Virologie über seine Erfahrungen berichten.





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