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Tschetschenien - ein humanitäres Desaster hinter scheinbarer Normalität |
Seit 1995 ist
die Ärzte der Welt in Tschetschenien vor Ort. Seit
2001 unterhalten wir ein Programm, um den Zugang zu medizinischer
Versorgung sicherzustellen und medizinische Einrichtungen zu
unterstützen.
Weniger als ein Jahr nach seiner Wahl an die Führungsspitze
Tschetscheniens wurde der pro-russische Präsident Achmed
Kadyrow ermordet und Alu Alchanow im August 2004 als sein Nachfolger
gewählt. Der seit 2003 im Untergrund lebende frühere,
vom tschetschenischen Volk gewählte Präsident Aslan
Mashadow, der sich in seiner Regierungszeit seit 1997 für den
tschetschenisch-russischen Dialog eingesetzt hatte, wurde am 8.
März 2005 ebenfalls ermordet. Die Gewalt im Land geht weiter,
es kommt regelmäßig zu Aufständen. Seit
2000 sollen im Verlauf der Auseinandersetzungen 2.000-5.000
Tschetschenen verschollen sein. Russland führt statt
militärischer Operationen inzwischen gezielte Verhaftungen
durch. Es kommt zu standrechtlichen Hinrichtungen und Folter, die im
Namen des Kampfes gegen den Terrorismus straffrei bleiben. Im Gegenzug
führt die Guerilla verstreute Gefechte gegen das
Militär, die russische Miliz und die Verwaltung. Das Land
liegt in Folge der Kriegsjahre in Ruinen: zerstörte
Infrastruktur, die Wirtschaft am Boden, äußerst
eingeschränkte Gesundheitsversorgung etc.
Vor Ort bleiben
Als ein der wenigen Nichtregierungsorganisationen
ist Ärzte der Welt seit 1995 dauerhaft vor Ort.
Während sich die Emigranten seit 1998/1999 aus
Gründen der persönlichen Sicherheit
zurückgezogen haben, hat Ärzte der Welt
unsere Mission quasi von der Basisstation in Moskau aus "per
Fernsteuerung" bis 2004 in Inguschetien und bis heute in Tschetschenien
fortführen können. Dies beinhaltete zunächst
die allgemeine medizinische Unterstützung der Vertriebenen in
Inguschetien und Tschetschenien; die Schließung der
Vertriebenen-Camps in Inguschetien hatte dann eine Ausweitung der
Aktivitäten in Tschetschenien zur Folge.
Chirurgische Versorgung
gewährleisten
Eines unserer Programme beinhaltet die Versorgung mit Medikamenten,
Lebensmitteln und OP-Bedarf in sieben Krankenhäusern in
Grosny, Gudermes, Urus-Martan, Argun, Noschai-Jurt und Kurtschaloi.
Unser Ziel ist es, die chirurgische Versorgung vor allem von
Kriegsverletzungen (Polytraumen, Kopf- und Hals-, Brust- und
Bauchverletzungen etc.) sicherzustellen.
Den Zugang zu
medizinischer Erst- und Zweitversorgung sichern
Die Region von Noschai-Jurt im Südosten Tschetscheniens ist
eine der ärmsten des Landes. Es handelt sich um eine
Bergregion mit ungünstigen klimatischen Bedingungen und kargem
Boden. Zudem wird die Landwirtschaft, für die Region von
zentraler Bedeutung, und die Wirtschaft im Allgemeinen durch Landminen,
Bombendrohungen und kriegerische Auseinandersetzungen
beeinträchtigt.
Das Programm von Ärzte der Welt hat zum Ziel, die
medizinische Erst- und Zweitversorgung in der verwüsteten
Region zu verbessern, indem wir drei Krankenhäuser auf dem
Land und elf Gesundheits- und Geburtshilfezentren in abgelegenen
Dörfern einrichten.
Nicht zuletzt sichert Ärzte der Welt die Einhaltung
der Menschenrechte, indem wir regelmäßig
Spezialisten entsenden, die Zeugenberichte aus dem Innern des Landes
durch Gesundheitspersonal, Verletzte und Vertriebene protokollieren.
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