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|     Tätigkeitsbericht 2006 |
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Freiwillige stellen sich vor: Gabriele Krüger ist seit Oktober im Sudan im Einsatz für Ärzte der Welt |
Das
Kalma Camp ist das größte Flüchtlingscamp der Welt. 7 km x 1,5 km
Fläche, bedeckt von provisorischen Unterkünften für fast 100.000
Menschen. Früher gab es einen Wald rund um das Camp, doch der ist
längst abgeholzt worden, um Feuerholz zum Kochen zu bekommen.
Diejenigen, die schon länger dort sind haben sich kleine Hütten mit
Lehmwänden gebaut, die Neuankömmlinge leben oft nur unter Plastikplanen. Die
Lebenssituation im Camp ist schwierig - wenig Nahrungsmittel,
zeitraubende Wasserbesorgung, überlaufende Latrinen. Auch im Sudan ist
es Winter, so dass die Temperaturen in der Nacht oft etwa 0
Grad betragen – der kalte Wind macht den Menschen zu schaffen. Die
Sicherheitslage im Camp ist kritisch, doch außerhalb wird es erst recht
gefährlich, vor allem für Frauen und Kinder. Der Broterwerb, das
Sammeln von Feuerholz oder die Ernte zwingen sie trotz allem zum
Verlassen des Camps. Die Zahl der vergewaltigten Frauen nimmt zu.
In
diesem Elend und unter äußerst schwierigen Bedingungen organisiert
Gabriele Krüger als medizinische Koordinatorin die gesundheitliche
Versorgung der Flüchtlinge. Ärzte
der Welt unterstützt im Kalma Camp eine Klinik. Hier werden
pro Monat bis zu 5.000 Personen behandelt. Im Winter reicht das
Spektrum der zu behandelnden Fälle von Erkältungen über
Durchfallerkrankungen bis hin zu Geburten. Gerade die Betreuung der
Frauen und Kinder ist Ärzte
der Welt ein Anliegen. Es werden Hebammen ausgebildet, wobei
immer auf die Integration von traditionellen Hebammen geachtet wird.
Mütter werden in einem Durchfallzentrum geschult, damit sie lernen, wie
sie einfache Lösungen gegen Durchfall und gegen Dehydrierung
zubereiten können. Dadurch kann das Leben vieler Kinder gerettet
werden. Das Krankenhaus bietet auch Notfallversorgung nach
Unfällen an sowie Beratung in der Familienplanung.
Die
Mitarbeiter eines anderen Projekts kümmern sich im 100 km entfernten
Jebel Mara um die basismedizinische Versorgung. Dort gab es auch schon
vor den kriegerischen Auseinandersetzungen nur eine dürftige Versorgung
- nun ist das System ganz am Ende. Ärzte
der Welt bildet Gesundheitshelfer in basismedizinischem
Wissen aus, unterstützt ein Impfprogramm und versorgt die Region mit
Medikamenten.
Als medizinische Koordinatorin ist
Gabriele Krüger dabei wenig in die Betreuung der Patienten eingespannt.
Sie kümmert sich um die Organisation, plant neue Projekte, regelt die
administrativen Fragen und unterstützt das Team, damit es so gut wie
möglich arbeiten kann. Bei den verschiedenen Projekten, an denen bis zu
11 ausländische MitarbeiterInnen und 150 einheimische MitarbeiterInnen
beteiligt sind, ist dies keine leichte Aufgabe. Frau Krüger
berichtet: „Unsere neusten Pläne sind, dass wir ab Januar noch mehr auf
die Mütter- und Kindergesundheit achten möchten. Die Kinder werden von
einer befreundeten NGO im Rahmen eines Ernährungsprogramms betreut, und
wir werden uns um die medizinischen Fragen kümmern. Für die Mütter
bauen wir ein Gemeinwesenprogramm auf. Wir wollen, dass werdende Mütter
sich nicht um ihre Sicherheit kümmern müssen, wenn sie zur Klinik
kommen, sondern dass sie zu Hause besucht und betreut werden können.
Wir wollen mitten in der Bevölkerung tätig sein, weil es gerade nachts
für Frauen sehr gefährlich ist. Außerdem planen wir, unsere
Impfprogramme zu verstärken. Zum Beispiel sind die Kinder nur
unzureichend gegen Masern geimpft. Ein einziger Fall kann zu einer
Epidemie und zu vielen Toten führen. Um all diese Planungen in
die Tat umzusetzen, muss ich mich mit vielen Menschen absprechen, mit
den Behörden, der UN, anderen NGOs. Wir sind ständig dabei, die Lage
neu einzuschätzen und unsere Planungen darauf aufzubauen.
Daneben gilt es, rechtzeitig Medikamente zu organisieren. Am
wichtigsten ist es jedoch, nach dem Wohl des gesamten Teams zu schauen
und die MitarbeiterInnen gut zu betreuen und anzuleiten.“
Gabriele
Krüger war schon mehrmals im Sudan. In ihren Augen wird die Situation
immer komplexer und schwieriger. Dabei ist sie beeindruckt von der
Stärke und Hoffnung der Menschen. Und Ihr Team, in dem sie sich sehr
wohl fühlt, ist für sie ein wichtiger Faktor, dabei zu bleiben und ihre
Energie in die Versorgung der Menschen zu investieren.
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