In Äthiopien am Horn von Afrika leben heute ca.
77 Millionen Menschen. Das Land mit seiner traditionsreichen, viele
tausend Jahre alten Geschichte ist 3,5fach so groß wie Deutschland. Es
ist das höchstgelegene Land Afrikas mit der Hauptstadt in einer Höhe
von 2.500 m. Zwei Drittel der äthiopischen Bevölkerung leben noch immer
unter menschenunwürdigen Verhältnissen. Sie verhungern oder
sterben an eigentlich leicht zu behandelnden Krankheiten. Mit 10% ist
die Kindersterblichkeit eine der höchsten der Welt, ebenso die
Müttersterblichkeit mit 1%.
Insbesondere auf dem Land gibt es kaum medizinische Versorgung. Ärzte der Welt
begegnet dieser katastrophalen Lage mit umfangreichen Programmen für
Krankenstationen sowie Fortbildungsmaßnahmen für die lokalen Ärzte,
Pfleger und Krankenschwestern. Eines der Programme führt Ärzte der Welt
in Aksum, im Norden des Landes durch. Aksum liegt 50 Kilometer von der
Grenze zu Eritrea entfernt und gilt in der
äthiopisch-orthodoxen Kirche als heilige Stadt. Die Betreuung der
schwangeren Frauen ist besonders wichtig vor dem Hintergrund, dass 80 -
90% der äthiopischen Frauen beschnitten wurden, 70% unter häuslicher
Gewalt leiden und 60% im Alter unter 15 Jahren verheiratet wurden.
„Die Patientinnen kommen oft in einem sehr
schlechten Zustand hier an, die Frauen oft nach 20-stündigen Wehen,
häufig
mit einem toten Kind. Außerhalb von Aksum gibt es keine Versorgung.
In der ganzen Provinz Tigray mit 4 Millionen Einwohnern arbeiten
außerhalb der Hauptstadt Mekele, die 5 Stunden entfernt ist, nur 2
Gynäkologen, ca. 8 Chirurgen und 25 praktische Ärzte!“,
berichtet Herr Dr. Iselborn in seinem ersten Bericht aus Äthiopien. Er
ist derzeit für drei Monate vor Ort im Einsatz als Gynäkologe. Obwohl
Herr Dr. Iselborn bereits früher mehrere Jahre in Afrika als Arzt tätig
war, ist er entsetzt über die schockierenden Zustände. ²³
Deshalb steht neben der medizinischen Versorgung die
Ausbildung weiterer Dreier-Teams in Notfall-Chirurgie und
Notfall-Gynäkologie für entlegene Gebiete im Mittelpunkt der Arbeit von
Ärzte der Welt.
Die Teams sollen nach der Ausbildung imstande sein Kaiserschnitte,
Blinddarm- und Darmoperationen durchzuführen und einfache Verletzungen
zu versorgen.
„Die Hygiene im Hospital und der pflegerische
Einsatz sind unglaublich schlecht. Lediglich der OP-Bereich
funktioniert dank der beiden Chirurgen von Ärzte der Welt
und vor allem dank des OP-Pflegers gut. Hier ist die Versorgung der
Patienten auf einem ungewöhnlich hohen Niveau für Äthiopien“,
beschreibt Dr. Iselborn die Situation im Krankenhaus.
„Doch gibt es leider logistische Probleme,
es fehlt an Verbrauchsmaterial, Einrichtung wie OP-Tisch, Sterilisator
etc., Stromanschluss und Wasser, so dass eigentlich nur eine Einheit
funktioniert. Die Grundausstattung ist durch Ärzte der Welt
vorhanden, es fehlt praktisch immer nur ein Teil zur Funktionsfähigkeit.“
An der Verbesserung dieser Situation arbeitet Ärzte der Welt,
aber die schlechten Verkehrsverbindungen des Landes stellen immer noch
ein Hindernis dar.
„Ich hoffe,
dass ich in den weiteren Monaten hier doch noch Wissen und Fähigkeiten
an die neuen Schüler weitergeben kann“, sagt der Mediziner
aus Freiburg und macht sich mit dem Fahrrad auf den Weg.
Und an etwas wird Herr Dr. Iselborn sich wohl nur schwer
gewöhnen können: täglich Neugeborene tot auf die Welt zu bringen.
Bilder, die ihn weiter verfolgen, auch wenn er selbst seit Jahrzehnten
als Gynäkologe alles in diesem Bereich erlebt hat
Äthiopien bleibt ein Land der schlechten Nachrichten, so
flammt zur Zeit ein Grenzkonflikt mit Somalia im Südosten des Landes
neu auf. Auch darauf reagiert Ärzte
der Welt mit einem neuen Programm in der Stadt Kebri Dehar,
in der entlegenen Somali-Region. Dort unterstützt Ärzte der Welt
das Krankenhaus von Kebri Dehar sowie weitere 6 Krankenstationen bei
der medizinischen Versorgung, bei der Vorbeugung und Bekämpfung von
Epidemien sowie, gemeinsam mit „Action contre la Faim“, bei der
Ernährungsversorgung.
Viele vereinte Kräfte sind notwendig für die Menschen
in der gefährdeten Region und vor allem für den Frieden.
Unterstützen Sie diese Menschen mit Ihrer Spende.