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Tätigkeitsbericht 2007
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Vergessene Krisen
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Äthiopien – eine vergessene Krise und unsichtbare Betroffene. Ein Gynäkologe aus Deutschland berichtet über seine Erfahrungen bei seinem Einsatz in Aksum, der heiligen Stadt
ÄthiopienIn Äthiopien am Horn von Afrika leben heute ca. 77 Millionen Menschen. Das Land mit seiner traditionsreichen, viele tausend Jahre alten Geschichte ist 3,5fach so groß wie Deutschland. Es ist das höchstgelegene Land Afrikas mit der Hauptstadt in einer Höhe von 2.500 m. Zwei Drittel der äthiopischen Bevölkerung leben noch immer unter menschenunwürdigen Verhältnissen. Sie verhungern oder sterben an eigentlich leicht zu behandelnden Krankheiten. Mit 10% ist die Kindersterblichkeit eine der höchsten der Welt, ebenso die Müttersterblichkeit mit 1%.
Insbesondere auf dem Land gibt es kaum medizinische Versorgung. Ärzte der Welt begegnet dieser katastrophalen Lage mit umfangreichen Programmen für Krankenstationen sowie Fortbildungsmaßnahmen für die lokalen Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern.

Eines der Programme führt Ärzte der Welt in Aksum, im Norden des Landes durch. Aksum liegt 50 Kilometer von der Grenze zu Eritrea entfernt und gilt in der äthiopisch-orthodoxen Kirche als heilige Stadt. Die Betreuung der schwangeren Frauen ist besonders wichtig vor dem Hintergrund, dass 80 - 90% der äthiopischen Frauen beschnitten wurden, 70% unter häuslicher Gewalt leiden und 60% im Alter unter 15 Jahren verheiratet wurden.

Die Patientinnen kommen oft in einem sehr schlechten Zustand hier an, die Frauen oft nach 20-stündigen Wehen, häufig mit einem toten Kind. Außerhalb von Aksum gibt es keine Versorgung. In der ganzen Provinz Tigray mit 4 Millionen Einwohnern arbeiten außerhalb der Hauptstadt Mekele, die 5 Stunden entfernt ist, nur 2 Gynäkologen, ca. 8 Chirurgen und 25 praktische Ärzte!“, berichtet Herr Dr. Iselborn in seinem ersten Bericht aus Äthiopien. Er ist derzeit für drei Monate vor Ort im Einsatz als Gynäkologe. Obwohl Herr Dr. Iselborn bereits früher mehrere Jahre in Afrika als Arzt tätig war, ist er entsetzt über die schockierenden Zustände. ²³

Deshalb steht neben der medizinischen Versorgung die Ausbildung weiterer Dreier-Teams in Notfall-Chirurgie und Notfall-Gynäkologie für entlegene Gebiete im Mittelpunkt der Arbeit von Ärzte der Welt. Die Teams sollen nach der Ausbildung imstande sein Kaiserschnitte, Blinddarm- und Darmoperationen durchzuführen und einfache Verletzungen zu versorgen.

Die Hygiene im Hospital und der pflegerische Einsatz sind unglaublich schlecht. Lediglich der OP-Bereich funktioniert dank der beiden Chirurgen von Ärzte der Welt und vor allem dank des OP-Pflegers gut. Hier ist die Versorgung der Patienten auf einem ungewöhnlich hohen Niveau für Äthiopien“, beschreibt Dr. Iselborn die Situation im Krankenhaus.

 „Doch gibt es leider logistische Probleme, es fehlt an Verbrauchsmaterial, Einrichtung wie OP-Tisch, Sterilisator etc., Stromanschluss und Wasser, so dass eigentlich nur eine Einheit funktioniert. Die Grundausstattung ist durch Ärzte der Welt vorhanden, es fehlt praktisch immer nur ein Teil zur Funktionsfähigkeit.“

An der Verbesserung dieser Situation arbeitet Ärzte der Welt, aber die schlechten Verkehrsverbindungen des Landes stellen immer noch ein Hindernis dar.

 „Ich hoffe, dass ich in den weiteren Monaten hier doch noch Wissen und Fähigkeiten an die neuen Schüler weitergeben kann“, sagt der Mediziner aus Freiburg und macht sich mit dem Fahrrad auf den Weg.

Und an etwas wird Herr Dr. Iselborn sich wohl nur schwer gewöhnen können: täglich Neugeborene tot auf die Welt zu bringen. Bilder, die ihn weiter verfolgen, auch wenn er selbst seit Jahrzehnten als Gynäkologe alles in diesem Bereich erlebt hat

Äthiopien bleibt ein Land der schlechten Nachrichten, so flammt zur Zeit ein Grenzkonflikt mit Somalia im Südosten des Landes neu auf. Auch darauf reagiert Ärzte der Welt mit einem neuen Programm in der Stadt Kebri Dehar, in der entlegenen Somali-Region. Dort unterstützt Ärzte der Welt das Krankenhaus von Kebri Dehar sowie weitere 6 Krankenstationen bei der medizinischen Versorgung, bei der Vorbeugung und Bekämpfung von Epidemien sowie, gemeinsam mit „Action contre la Faim“, bei der Ernährungsversorgung.

Viele vereinte Kräfte sind notwendig für die Menschen in der gefährdeten Region und vor allem für den Frieden.
Unterstützen Sie diese Menschen mit Ihrer Spende.





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