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Fachtag „Krank als Migrant ohne Krankenversicherung – Wo gibt es Hilfe?“ in München
Unzufriedenheit über Kürzungen bei den Kassenleistungen und über Beitragserhöhungen prägen die aktuelle Diskussion zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Kontinuierlich steigt die Zahl derer, die sich keine Krankenversicherung mehr leisten können. Ist man zudem Migrant mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus, ist die Situation im Krankheitsfall besonders schwierig. Medizinische Versorgung für alle Menschen ist ein Menschenrecht – darüber waren sich viele Experten einig, die Ärzte der Welt und Refugio München zum ersten Fachtag „Krank als Migrant ohne Krankenversicherung – wo gibt es Hilfe?“ eingeladen hatten.

Grenzen und Möglichkeiten medizinischer Behandlung von Menschen ohne Aufenthaltsstatus und ohne Krankenversicherung sowie von Flüchtlingen wurden mit Vertretern städtischer und staatlicher Stellen diskutiert.

Stadtrat Siegfried Benker eröffnete im Namen von Oberbürgermeister Christian Ude und betonte, dass eine Veranstaltung zu diesem Thema vor fünf Jahren in München unvorstellbar gewesen wäre. Getragen von einem Stadtratsbeschluss aus dem Jahre 2004 hat sich die Landeshauptstadt München aber entschieden, die gesundheitliche Versorgung von Migranten ohne Papiere offen zu thematisieren und zu verbessern. Siegfried Benker hob hervor, dass nach Überzeugung der Landeshauptstadt diese Menschen nicht rechtlos sind, sondern medizinische Versorgung ein unverzichtbares Menschenrecht ist.

Mitarbeiter von Ärzte der Welt, Café 104 und Malteser Migranten Medizin – Organisationen, die medizinische Behandlung für Menschen ohne Krankenversicherung und Migranten ohne Aufenthaltsstatus in München anbieten – berichteten, dass nur dank des ehrenamtlichen Engagements von Ärzten diesen Menschen eine medizinische Gesundheitsversorgung geboten werden kann. Die stationäre Behandlung jedoch bleibt problematisch, wie Elisabeth Wesselmann vom Städtischen Klinikum München GmbH betonte. Die Frage der Kostenübernahme ist nach wie vor ungeklärt. Hierzu appellierten die geladenen Experten an die Stadt, Regelungen und tragbare Lösungen zu finden.

Aufgrund der schwierigen Lebensbedingungen dieser Menschen ist neben der medizinischen Basisbehandlung häufig eine begleitende psycho-soziale Betreuung unerlässlich. Bei Flüchtlingen sowie Menschen ohne Aufenthaltsstatus und ohne Krankenversicherung werden bisher in der Regel nur akute Gesundheitsprobleme behandelt.

Nathalie Simonnot von Ärzte der Welt in Paris berichtete, dass in anderen Ländern der EU wie Frankreich, Spanien oder Belgien eine Krankenversicherung für alle Menschen bereits existiert. Wirtschaftswissenschaftler ermittelten in Frankreich, dass die Kosten für den Staat, alle Menschen zu versichern und dadurch Prävention zu leisten, bedeutend niedriger sind als Notfälle im letzten Moment auffangen zu müssen. Die zentrale Frage des Fachtags, ob der politische Wille besteht, eine derartige Versicherung auch in Deutschland einzuführen, blieb offen.

In Kooperation mit der Petra-Kelly-Stiftung, Bayerisches

Bildungswerk für Ökologie und Demokratie in der Heinrich-

Böll-Stiftung e.V.





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