Ein liberianischer Mitarbeiter von Ärzte der
Welt berichtete erstmals in Europa
über die aktuelle Lage und den zerbrechlichen Frieden nach jahrelangem
Bürgerkrieg
Bei
ihrem Staatsbesuch Anfang Oktober versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr
Unterstützung für den Wiederaufbau Liberias. Doch wie ist die Situation
vor Ort? Abraham Taryor, „Senior Medical Supervisor“ von Ärzte
der Welt in Liberia, kam im Oktober zum ersten Mal nach Europa und berichtete
bei Veranstaltungen in München und Berlin über die aktuelle Situation
in seinem Heimatland.
In einem Interview für das Lora Magazin beim Münchner Sender Radio
Lora am Dienstag, 23. Oktober betonte Abraham Taryor, dass man Menschen in Krisensituationen
nicht als passive Opfer wahrnehmen dürfe. Innerhalb eines bestimmten Rahmens
könnten sie auch aktiv Selbsthilfemaßnahmen ergreifen.
Bei einem Informationsabend im Münchner Eine Welt Haus am Mittwoch, 24.
Oktober gab Dr. Lecia Feszczak eine kurze Einführung zu Liberia und zum
Gesundheitsprojekt von Ärzte
der Welt vor Ort. Anschließend berichtete Abraham Taryor über
Selbsthilfemechanismen, die ein Land entwickelt, wenn keine internationalen
Organisationen vor Ort sind. Gleichzeitig wies er auf die Grenzen des lokalen
Engagements hin. Die verlässliche Bereitstellung von Medikamenten und medizinischer
Versorgung sowie eine funktionierende Logistik wurde in Liberia erst mit Eintreffen
der internationalen Nicht-Regierungsorganisationen gewährleistet. Den lokalen
Akteuren fehlten dazu im Konflikt die finanziellen Mittel. Dr. Lecia Feszczak
moderierte die lebhafte Diskussion mit einem kritisch-interessierten Publikum.
Bei seinem Vortrag auf dem IX. Humanitären Kongress in Berlin am 26./27.
Oktober hob Abraham Taryor hervor, dass bereits einfache Maßnahmen die
gesundheitliche Situation der Bevölkerung erheblich verbessern können.
So ist die Aus- und Weiterbildung lokaler Fachkräfte auch im Rahmen von
Nothilfeeinsätzen möglich und erforderlich. Das ist besonders wichtig,
da lokale Fachkräfte bleiben, auch wenn internationale Organisationen gehen.
Seit Ende des Bürgerkrieges 2003 ist Ärzte
der Welt in der nördlichen Provinz Bong tätig. Zehn medizinische
Zentren hat Ärzte der
Welt zusammen mit lokalen Fachkräften nach dem Bürgerkrieg in
Liberia wiederaufgebaut. Ärzte
der Welt engagiert sich noch einige Jahre in dem Projekt, bevor es dann
an die lokalen Partner übergeben werden kann.