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Ärzte der Welt kämpft für eine bessere medizinische Versorgung von Menschen ohne Papiere

Ohne Lebensperspektive wird man nicht gesund -

So erläuterte die Projektkoordinatorin Marion Chenevas den Grundgedanken der Arbeit von Ärzte der Welt in ihrer medizinischen Anlaufstelle open.med im Stadtzentrum Münchens in der Augsburger Straße. Das Thema Illegal in München wurde bei einem Podiumsgespräch im Weltsalon des Tollwood Festivals diskutiert.

„Maria und Josef auf der Herbergssuche in Bethlehem – waren sie die ersten Illegalen?“ – so eröffnete Moderator Christian Franz, Redakteur bei Antenne Bayern, die Diskussion. Doch nicht nur Flüchtlinge zählen zur Gruppe der sogenannten „Illegalisierten“. Menschen können schnell in die Illegalität abrutschen, verdeutlichte Birgit Poppert, Leiterin des Café 104: „Der ältere Verwandte, der seiner Familie ins Ausland folgt, das Au-Pair-Mädchen oder der Student, der sein Visum überzieht oder es nicht mehr verlängern kann, sieht sich schnell mit dieser Situation konfrontiert.“

Vor über 150 Besuchern plädierten die Experten für eine ganzheitliche Betrachtung des Problems. „Alle sollen versichert sein, aber in der Realität haben viele Menschen diese Möglichkeit aus ökonomischen Gründen nicht“, so Dr. Barbara Theml, ehrenamtliche medizinische Projektleiterin von open.med. Die Lebensumstände vieler Patienten in der Anlaufstelle seien häufig erst die Ursache ihrer medizinischen Probleme. Trotz der guten Zusammenarbeit mit städtischen Behörden bedauerte Birgit Poppert, dass eine stationäre Behandlung schwer erkrankter Menschen ohne Papiere jedes Mal sehr mühsam ist. Der Umgang mit Illegalisierten sei leider noch immer eine Grauzone.

Prof. Dr. Philip Anderson, Migrationforscher und Soziologe, sah darin die Herausforderung der Zukunft. Einerseits gälten Menschen ohne Papiere als stille Reserve der Wirtschaft, andererseits versuchten auch Arbeitgeber zu helfen, scheiterten jedoch an der starren Gesetzgebung des Aufenthaltsrechts: „Mit der heutigen Gesetzgebung entsprechen wir der sich wandelnden Gesellschaft nicht.“

open.med-Projektkoordinatorin Marion Chenevas plädierte für eine europaweite Betrachtung des Themas und erläuterte die Forderungen des internationalen Netzwerk von Ärzte der Welt:
Gleicher Zugang zu medizinischer Versorgung für alle in der EU Ansässigen. Entsprechende rechtliche Regelungen sind europaweit zu treffen. Stopp der Abschiebung und Legalisierung des Aufenthaltsstatus zur Behandlung von schwer erkrankten Ausländern, die in ihrem Heimatland keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

Einig waren sich die Experten, dass Menschen ohne Papiere und ohne Krankenversicherung nicht rechtlos sind, sondern medizinische Versorgung ein unverzichtbares Menschenrecht ist.

Eine Veranstaltung von Ärzte der Welt e.V. in Kooperation mit Café 104 und dem Nord-Süd Forum München e.V. (unterstützt vom Kulturreferat der Landeshauptstadt München), finanziell gefördert von InWEnt. Ein besonderes Dankeschön an Tollwood für die Unterstützung.





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