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Aethiopien: Der Krieg ist vorbei – die Not bleibt
Auch nach dem Frieden mit dem Nachbarland Eritrea haben sich die Hoffnungen der äthiopischen Bevölkerung auf ein besseres Leben nicht erfüllt.

Die wirtschaftliche Lage bleibt schlecht, die erneute Dürre bringt den Hunger zurück und nach wie vor fehlt, vor allem in ländlichen Gebieten, fast jegliche medizinische Infrastruktur. Längst versprochene und zugesagte internationale Hilfsprogramme verzögern sich immer weiter und so ist die Unterstützung durch Nicht-Regierungs-Organisationen (NROs) wie Ärzte der Welt – Médecins du Monde oft der einzige Lichtblick.

Bereits seit 1988 ist Ärzte der Welt in Äthiopien aktiv, um die desolate medizinische Situation zu verbessern und durch die enge Zusammenarbeit mit dem äthiopischen Gesundheitsministerium und Partnern vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.

Ob in Debre Birhan im Norden des Landes oder in Adoua in der Region Tigray – immer geht es neben der Notfallarbeit am Operationstisch auch darum, die Strukturen im Gesundheitswesen dauerhaft zu verbessern und zu stärken.

Das geschieht durch Trainingsmaßnahmen für Ärzte und Krankenschwestern ebenso wie durch die Versorgung der Kliniken mit medizinischem und chirurgischem Material. Reihenuntersuchungen zur Ernährungssituation von Kindern unter fünf Jahren dienen als „Frühwarnsystem“ und helfen, rechtzeitig einzugreifen.

In den letzten Jahren gelang es, die Projektarbeit kontinuierlich auszubauen und auf zusätzliche Gebiete auszuweiten. Von zentraler Bedeutung ist dabei das ehrenamtliche Engagement von Ärzten wie dem Münchner Chirurgen Dr. Angerer, der bereits im Jahr 2002 für sechs Wochen in Tigray arbeitete und seinen äthiopischen Kollegen mit Rat zur Seite stehen will.

Äthiopien leidet unter einem eklatanten Mangel an einheimischen Chirurgen und Fachärzten und so lange die Schulungsmaßnahmen noch nicht greifen, sucht und vermittelt Ärzte der Welt erfahrene Spezialisten – derzeit vor allem für die Durchführung schwieriger Bauch-, Magen- und Darmoperationen.

Große Politik und kleine Schritte

Wie wichtig die Flexibilität und politische Unabhängigkeit von NROs wie Ärzte der Welt ist, zeigt sich gerade in Äthiopien. Denn obwohl die eigene Regierung wie auch die Weltgesundheitsorganisation immer wieder auf die Notwendigkeit zur schnellen Hilfe hinweisen, werden gerade Programme zur Bekämpfung von Aids und anderen Krankheiten, bei denen es in besonderem Maße auf Vorsorgemaßnahmen ankommt, zwar immer wieder angekündigt, doch dann auf unbestimmte Zeit verschoben.

Oft sind die Mittel aus internationalen Hilfsfonds bewilligt und kommen trotzdem nicht zum Einsatz. Der aktuelle Lagebericht des französischen Projektleiters von Ärzte der Welt, Gilles Raguin, belegt dies in eindrucksvoller Weise.

Ärzte der Welt betrachtet es als eine wichtige Aufgabe, auf derartige Probleme hinzuweisen und so zu ihrer Lösung beizutragen.




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