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In Liberia kämpft „ÄRZTE DER WELT“ mit Hilfe des Auswärtigen Amtes um die Rückkehr in die Normalität |
Von Nina Mareen Spranz
MONROVIA -
Seit drei Jahren ist der liberianische Bürgerkrieg offiziell beendet.
Ein Krieg, in dem wenige Erwachsene mit Hilfe von Drogen und anderen
Mitteln Zehntausende Kindersoldaten rekrutierten und willfährig
machten. Diese Kinder lernten zu morden, zu brandschatzen, zu
vergewaltigen. Lesen und schreiben lernten sie nicht, dafür aber, wie
man aus menschlichen Gedärmen Straßensperren baut oder wie man Crack
und Kokain am besten mischt um den größtmöglichen Kick zu bekommen. In
14 Jahren Bürgerkrieg haben die heute 15- bis 20-Jährigen nichts
anderes kennen gelernt als Flucht und Vertreibung, Hunger, Mord und
Totschlag. Dass, was die Ex-Kombattanten, wie sie genannt werden, in
ihren kurzen Leben schon sehen und verarbeiten mussten, reicht für mehr
als ein Menschenleben.
Von den 3 Millionen
Liberianern, die in einem Land dreimal so groß wie die Schweiz leben,
gibt es niemanden, der nicht betroffen ist von einem der brutalsten
Bürgerkriege Afrikas: entweder durch Flucht und Vertreibung –
Schätzungen sprechen von bis zu 1,5 Millionen Flüchtlingen, oder durch
Mord und Totschlag – bis zu 300 000 Menschen verloren ihr Leben. Strom
gibt es seit Ende der 80er Jahre nicht mehr, Wasser floss zuletzt vor
15 Jahren durch die Leitungen. Selbst in der Hauptstadt Monrovia, in
der heute noch etwa eine Million Menschen leben, gibt es fast keine
Infrastruktur. In einem Land reich an Bodenschätzen haben die Einwohner
nach Militärdiktatur und Bürgerkrieg noch immer keine Zukunft vor
Augen: keine Straßen, keine Grundversorgung, wenig medizinische
Betreuung, keine Arbeit.
85 Prozent der Menschen
in Liberia sind arbeitslos, die Lebenserwartung liegt bei 41 Jahren.
Selbst für die Standards der am wenigsten entwickelten Länder ist das
dramatisch. Hier liegt die durchschnittliche Lebensdauer gut zehn Jahre
höher, bei 52 Jahren. Der Frieden im Land ist nach wie vor brüchig. Die
Kindersoldaten sind den allzu schnellen Griff zur Waffe gewohnt, um
ihren Willen durchzusetzen. Sie kennen keine anderen Methoden.
Dauerhafter
Frieden im Land kann nur dann hergestellt werden, wenn zwei Bedingungen
erfüllt sind: die Wiedereingliederung der etwa 35 000 Kämpfer in die
Gesellschaft und die Schaffung einer Infrastruktur und Grundversorgung
der Bevölkerung.
ÄRZTE DER WELT
hat diese beiden Probleme frühzeitig erkannt und ist bereits seit der
Unterzeichnung des Friedensvertrages im August 2003 wieder in Liberia
tätig. Seit dem 15. Juli
2006 konzentrieren sich die Aktivitäten in Kooperation mit dem
deutschen Auswärtigen Amt auf den Auf- und Ausbau des
Gesundheitssystems in Bong County, einer Region zwischen Monrovia und
dem Nachbarstaat Guinea. Das Gebiet wurde ausgewählt, da
dort, anders als in der Hauptstadt, bislang keine internationale Hilfe
ankam. Das Gebiet zwischen den beiden Ländern wird jedoch rege von der
Zivilbevölkerung im Grenzverkehr genutzt.
Ziel der Hilfeleistung ist die
kostenlose und qualitativ hochwertige Betreuung der Bevölkerung in zehn
Kliniken in Bong County. Dies schließt nicht nur die Behandlung von
medizinischen Notfällen, sondern auch die Versorgung von unterernährten
Kindern im Alter zwischen sechs und 59 Monaten sowie von Müttern im
Rahmen von prä- und postnataler Diagnostik mit ein. Profitieren werden
etwa 200 000 Personen in dem Gebiet, davon knapp die Hälfte Frauen und
Kinder unter fünf Jahren. Darüber hinaus hat sich ÄRZTE DER WELT auch die geistige Gesundheit der
Menschen auf die Fahnen geschrieben. Psychologische Beratung
und Betreuung von Ex-Kombattanten und Opfern geschlechtsbezogener
Gewalt werden ebenso geleistet, wie die Verteidigung der Rechte von
Frauen und die Aufklärung von Vergewaltigungen. Grundlegende Werte und
humanitäre Grundsätze stecken den Rahmen für diese Maßnahmen.
Die
finanzielle Unterstützung durch das Auswärtige Amt läuft bis Ende
Februar 2007.
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