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Afghanistan: Umstrittener Wiederaufbau des Gesundheitssystems |
Wie entwickeln sich die Länder weiter, in denen die medizinische
Versorgung verantwortlich an lokale
Gesundheitspartner übergeben
wird? In der Nachkriegszeit und im Zusammenhang mit den Wahlen
erleichtern Reformen des Gesundheitssektors auch in Afghanistan eine
Liberalisierung des Gesundheitssystems.
Nach Militäreinätzen
werden Verträge für Gesundheitsdienstleistungen zunehmend an
private Unternehmen und Organisationen übergeben, denen es oft
primär um die damit verbundenen Gelder geht. Dieses Vorgehen ist
aus Lateinamerika bekannt und derzeit in Afghanistan und im Irak
aktuell und läßt erhebliche Auswirkungen auf die
öffentliche und unabhängige Gesundheitsversorgung der
Bevölkerung erwarten.
Für den Wiederaufbau des Landes hat das Gesundheitsministerium in Kabul seit 2003 zusammen mit den Geberländern und Hilfsorganisationen einen Aktionsplan entworfen. Für das dreijährige „Health Sector Emergency Reconstruction and Development Project“ stellte die Weltbank als Hauptgeberinstitution
zunächst 59,6 Millionen US$ zur Verfügung. Seitdem scheint es
unter dem erheblichen Zeitdruck eher um die rasche Verteilung und den
kritiklosen Erhalt der Mittel zu gehen als um die verantwortliche
Untersuchung der Risiken beim Wiederaufbau des Landes durch den
Privatsektor.
Hoffnung und Perspektiven
Nach 23 Jahren Krieg beginnt für Afghanistan ein erneuter
Wiederaufbau. Bisher hat die Weltbank mehr als 500 Millionen US$ in
vorbereitende Maßnahmen investiert. Mehr als 3 Millionen
Schüler gehen wieder in die Schule, Tuberkulose und Polio wurden
bekämpft und erste Wirtschaftserfolge sind erkennbar. Trotzdem
leben viele der 23 Millionen Afghanen gerade in entlegenen Gebieten
weiterhin in extremer Armut und ohne Zugang zu ärztlicher
Versorgung. Die Lebenserwartung beträgt 42,6 Jahre, nur 13 % der
Bevölkerung hat frisches Trinkwasser, die Müttersterblichkeit
liegt weiterhin bei 1.700 von 100.000 Personen, von 1.000 Kindern unter
fünf Jahren sterben 257.
Laut Experten wird Afghanistan in den nächsten 15 Jahren komplett
von internationaler finanzieller Hilfe abhängig sein. Das
Gesundheitsministerium in Kabul hat die Bekämpfung der hohen
Sterberaten in der Bevölkerung zur Priorität erklärt und
besonders die Verteilung von Gesundheitsdienstleistungen für
Mütter und Kinder auch in die Peripherie angeordnet. Diese
Dienstleistungen umfassen sieben Aktionsfelder:
- Mutter-Kind-Gesundheit,
- Impfungen,
- Ernährung,
- Bekämpfung von Infektionskrankheiten (Tuberkulose, Malaria),
- Schaffung einer medizinischen Basisversorgung,
- mentale Gesundheit,
- Unterstützung für Menschen mit Behinderungen.
Afghanistan ist in 34 Provinzen aufgeteilt, die jeweils in verschiedene
„Cluster“ oder in drei bis fünf Distrikte unterteilt sind. Die
Weltbank finanziert die Gesundheitsversorgung durch private Akteure in
elf Provinzen, USAID in 13 Provinzen (Projekt REACH), die EU in acht
Provinzen.
Ärzte der Welt – Médecins du Monde (MDM) ist
seit 24 Jahren
in Afghanistan in der unabhängigen medizinisch-humanitären
Gesundheitsversorgung tätig.
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