Projekte
Kindersterblichkeit
keine Angabe
Lebenserwartung
keine Angabe
MDM Delegation Kanada |
| Profitierende Bevölkerung
Projekt 1: direkt 36.000 / indirekt 92 000
Projekt 2: direkt 415 000
Projekt 3: direkt 280 000 / indirekt 570 000
Personal
(international / lokal)
Projekt 1: 2 / 25
Projekt 2: 2 / 30 / MCH 52*
Projekt 3: 6 / 7
*Mitarbeiter der Zentren
Finanzierung MDM
Budget 2004 206 218 Euro
|
Gesundheitsversorgung
für Mutter und Kind in Kabul (1) und
Herat (2)
Seit 1995
unterstützt ÄdW zwei Zentren zum Schutz von Mutter und Kind
in Kabul. Zwei der vier Zentren sind einer anderen NGO übergeben
worden (MSF Schweiz). In der Stadt Herat unterhält ÄdW seit
1992 in drei Kliniken ebenfalls ein Mutter-Kind-Programm. Beide Programme
gründen sich auf drei Schwerpunkte:
· Medizinische Versorgung der Frauen (medizinische Beratung in
Kinderheilkunde, Gynäkologie und Geburtshilfe, Impfkampagnen, allgemeine
Gesundheits- und Hygiene-Erziehung, in Herat zusätzlich Mangelernährungstherapie
und Allgemeinmedizin)
· Schulung des örtlichen Pflegepersonals
· Wiederherstellung sowie Belieferung mit Medikamenten und materieller
Ausrüstung der medizinischen Infrastruktur.
Der Bereich Ausbildung hat seit dem Abzug der Taliban eine besondere Bedeutung
bekommen. Frauen ist seit zwei Jahren wieder erlaubt, zu arbeiten. Ärztinnen,
Krankenschwestern und Hebammen können jetzt ohne Angst wieder berufstätig
sein.
Weitere
Vorhaben: Übernahme der Mutter-Kind-Programme in Kabul durch
eine lokale nichtstaatliche Hilfsorganisation, in Herat durch die Gesundheitsbehörden.
Das ermöglicht uns, neue Projekte im Bereich der Risikogruppen und
bei bestimmten Nomadenstämmen anzugehen.
Förderung
der Primärgesundheit in Changhcharan
ÄdW
unterhält ein Projekt zur Unterstützung von Versorgungseinrichtungen
für die Primärgesundheit der Zivilbevölkerung von Chaghcharan,
gerichtet auf drei Ziele:
• Wiederherstellung des Krankenhauses von Chaghcharan (Beratungs-,
Behandlungs- und Operationsräume) und das Gesundheitszentrum von
Taiwara, das über keine Ambulanz verfügt
• Schulung des medizinischen Personals (Ärzte, Chirurgen, Krankenpfleger,
Hebammen)
• Ausrüstung mit medizinischem und nichtmedizinischem Material
und Versorgung mit Medikamenten.
2004
haben die logistische Instandsetzung des Krankenhauses und die Schulung
des Personals den selbständigen Betrieb der Einrichtung zum Jahresende
ermöglicht.
Weitere
Aussichten: Rivalitäten zwischen Kommandeuren und Kriegsherren
(mit bewaffnetem Konflikt) haben zu einer erheblichen Instabilität
in der Provinz geführt. Das zwang die ausländische Gruppe, Chaghcharan
Ende 2004 endgültig zu verlassen. Medizinische und Landes-Koordination
konnten jedoch eine Weiterführung der Versorgung von Kabul aus sicherstellen
- unter besonders engagierter Beteiligung der afghanischen Belegschaft.
Die Finanzierung der medizinischen Nothilfe für das Krankenhaus in
Chaghcharan und für die Gesundheitsstation in Taiwara im Landesinnernen
ermöglichte der Arbeitsstab Humanitäre Hilfe im Auswärtigen
Amt in Berlin. Das langfristig entwicklungsorientierte Mutter-Kind-Projekt
in Herat unterstützte die Organisation Johanniter e.V.
Stellungnahme
zu den Projekteinsätzen
Ärzte
der Welt spricht sich deutlich für eine unabhängige humanitäre
Hilfe und somit gegen die Vermischung mit Militäreinsätzen in
Afghanistan aus.
Die von den Vereinigten Staaten von Amerika geführte Koalition in
Afghanistan hat seit Ende 2002 sogenannte „Provincial Reconstruction
Teams (PRT)“ eingesetzt.
Diese meist aus Reservisten der US Armee bestehenden Einsatzgruppen sollen
helfen, die Sicherheit in Zonen außerhalb der Kontrolle der Zentralverwaltung
zu gewährleisten.
Bei ihren Einsätzen sollen sie sich auch bei humanitären Hilfsaktionen
und beim Wiederaufbau beteiligen. Dadurch kommt es bei allen Beteiligten
in Afghanistan, bei den unabhängigen Hilfsorganisationen und besonders
bei der Zivilbevölkerung zu Irritationen und Sicherheitsproblemen:
Ärzte der Welt ist über die Auswirkungen der PRT-Arbeit auf
die humanitäre Hilfe in Afghanistan sehr besorgt.
1) Generell wird die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit der
humanitären Hilfsorganisationen gerade in der Zusammenarbeit mit
der Zivilbevölkerung gefährdet.
2) Die PRT- Teams werden nur in Gebieten eingesetzt, deren Lokalverwaltung
der Koalition wohlgesinnt ist. Eine spezialisierte und möglichst
objektive Einschätzung der wirklichen Bedürfnisse der Bevölkerungen
wird nicht gewährleistet.
3) Es besteht eine ernste Gefahr für die Sicherheit der Mitarbeiter,
weil humanitäre Hilfe mit einem Soldateneinsatz verwechselt werden
kann.
4) Die Bemühungen von Ärzte der Welt, zu Partnern und Bedürftigen
eine Beziehung auf Grundlage von Vertrauen und Respekt aufzubauen und
auch nach der Krise fortzuführen, werden gestört.
Ärzte
der Welt fordert daher ausdrücklich:
- Eine klare Unterscheidung zwischen „Militärs“ und „humanitären
Mitarbeitern“ am Ort vorzunehmen und die afghanische Bevölkerung
auch an jedem Ort darüber speziell zu informieren.
- Eine klare Begrenzung der Kompetenzen: Die PRT sollten in den Kompetenzsektoren
des Militärs, z. B. im Wiederaufbau (Infrastruktur wie Straßen,
Häuser, Wasserversorgung, etc.) eingesetzt werden. Die Arbeit mit
der Zivilbevölkerung (z.B. Gesundheit, soziale Maßnahmen, Rehabilitation,
Erziehung und Entwicklung) muss in der Zuständigkeit der speziell
ausgerichteten und unabhängigen humanitären Organisationen bleiben.
Ärzte
der Welt / Médecins du Monde (MDM) vertritt diese humanitären
Mindeststandards auch auf der Ebene des UN-Sicherheitsrats. Eine unabhängige
Expertengruppe (Humanitarian Commission) kümmert sich neben dem Schutz
von Zivilbevölkerungen auch präventiv um die Verhinderung von
neuen Konflikten. |