Algerien

Politischer Hintergrund

Seit zehn Jahren herrschen in Algerien innere Unruhen, die Tausende von Opfern fordern. Die auf 150.000 bezifferte Zahl der Toten entfällt hauptsächlich auf die Zivilbevölkerung, weniger auf die Kombattanten in diesem Konflikt.Die algerische Gesellschaft ist durch die anhaltende Gewaltbedrohung zutiefst erschüttert, was umso folgenreicher für das Land sein wird, als etwa sieben von 30 Millionen Einwohnern unterhalb der Armutsgrenze leben.

Das Land steuert auf eine Umstrukturierung seines Gesundheitswesens hin. Die Betreuung wird infolge fehlender Mittel schwieriger. Die Arbeitslosigkeit grenzt an 25% der aktiven Bevölkerung (zwei Drittel der Arbeitslosen sind unter 30 Jahre). Indem es darüber hinaus eine geographisch strategische Position besetzt, ist Algerien eine Drehscheibe für afrikanische Auswanderungswillige.

Projekte
Kindersterblichkeit: 39‰
Lebenserwartung: 69,5

Profitierende Bevölkerung
Projekt 1: direkt die afrikanischen Migranten auf dem Weg nach Europa

Projekt 2: direkt 100 zu 150 000 / indirekt 800 000

Personal

Projekt 1: international 2
Projekt 2: internation. 1 /
lokal 2

Finanzierung:

Projekt 1: MDM
Projekt 2: Regionalrat PACA

Budget 2004:

Projekt 1: 20 037 Euro
Projekt 2: 55 557 Euro

Unterstützung der afrikanischen Migranten in Tamanrasset

Der Einsatz hatte zum Ziel, die Möglichkeit der Errichtung eines Gesundheitszentrums zu untersuchen, zur Betreuung afrikanischer Migranten auf dem Weg nach Europa, das einschließen sollte:
• einen Bereich Gesundheitserziehung und Verhütung von HIV
• eine Beobachtungsstation für Menschenrechte

Weiteres Vorgehen: Das Projekt war aus politischen wie logistischen Gründen nicht durchführbar - Ablehnung durch die örtlichen Behörden sowie das Fehlen lokaler Schaltstellen. ÄdW hat diesen Einsatz daher an die algerisch-malische Grenze verlegt (nach Tinzaouatine).

Unterstützung der Opfer des Erdbebens in Zemmouri

Schon zweimal im neuen Jahrhundert ist das Land von Erdbeben heimgesucht worden, 2001 und 2003. Beide Male hat ÄdW Noteinsätze veranlaßt. Seit dem ersten Engagement betreibt die Organisation ein Programm zur psychosozialen Unterstützung mit der Absicht, dem Auftreten psychischer Störungen vorzubeugen und den Opfern der Erdbeben unter den am meisten betroffenen Regionen den Zugang zu psychologischer Betreuung zu erleichtern.

Hauptzweck dieses Programms (gemeinsam betrieben mit der italienischen Organisation Primo Levi), war die Schaffung eines Netzes von qualifizierten Helfern. Das erlaubt die Erkennung und Aufnahme der seelisch Traumatisierten unter den Opfern durch Unterstützung ihrer physischen, psychischen, ja auch der rechtlichen und sozialen Rehabilitation. Diese Arbeit stützt sich auf soziale Bindungen und ihre Stärkung.

Die Anwesenheit von Ärzte der Welt in Algerien (die durch die algerische Staatsmacht bis Oktober 2000 untersagt war) hat mit ihrem Programm die Ausbildung von 40 Helfern in Frankreich ermöglicht.

Der zweite Katastropheneinsatz - bereits einen Tag nach dem Beben in Gang gebracht - umfaßte vier Aufgaben:
• den Aufbau einer Zeltstation als Ersatz für die zerstörte Poliklinik von Zemmouri
• die Versorgung mit Medikamenten, Verbrauchsmaterial und medizinischem Gerät
• psychologische Hilfe für die betroffene Bevölkerung
• materielle Unterstützung und Vernetzung der bereits existierenden psychosozialen Helfergruppen

Weiteres Vorgehen: Die Verdichtung des Netzes psychosozialer Unterstützung sowie ein Untersuchungsprojekt bei Frauen, die Opfer von Gewalttätigkeiten geworden sind.