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Mit Ärzte der Welt in Äthiopien

Ärzte der Welt ist seit 2007 in Äthiopien tätig. Neben der Unterstützung im Krankenhaus von Kebri Dehar richtete Ärzte der Welt 19 Gesundheitsstationen in den Dörfern des Umlands ein und stellt den regelmäßigen Nachschub an unentbehrlichen Medikamenten sicher. Ziel ist, dass die Gesundheitsversorgung auf dem Lande und im Krankenhaus verbessert wird.
Christiane P. arbeitet in einem Krankenhaus in Bremen. Sie war von Juli bis Ende Dezember 2009 für Ärzte der Welt in Äthiopien tätig und berichtet über ihre Erfahrung.


„Die Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus gestaltete sich erstmal schwierig, da kaum Personal und Medikamente vorhanden waren und ein Großteil des Krankenhauses unter Müllbergen versank so dass beispielsweise ein übler Geruch die Nutzung des Kreißsaals verhinderte.

Mitte 2008 begann der Wiederaufbau des Krankenhauses, an dem ich beteiligt war, und nach der Entfernung des Mülls fanden sich im ehemaligen Operationssaal funktionierende Gerätschaften. Schließlich wurde im Oktober 2008 die erste Blinddarmoperation erfolgreich durchgeführt.

Aufgrund der immens hohen Müttersterblichkeit und der zuvor fehlenden chirurgischen Versorgungsmöglichkeiten in Kebri Dehar fokussierte Ärzte der Welt seine Aktivitäten zunächst auf den Aufbau einer Chirurgie und der Mutter-Kindstation. Dank Ärzte der Welt trafen bald die ersten Impfstoffe in Kebri Dehar ein.

Den Schwerpunkt der Tätigkeit von Ärzte der Welt bilden nun der Wiederaufbau der Apotheke, Gesundheitsprävention sowie die Fortbildung von Gesundheitsarbeitern. Die ersten Bereiche des Krankenhauses konnten bereits an das äthiopische Gesundheitsministerium bzw. die Krankenhausdirektion übergeben werden. Die Übergabe der Mutter-Kind-Station ist für das Frühjahr 2010 geplant und wird vor Ort vom Ärzte der Welt Team begleitet.

Meine täglichen Aufgaben beinhalteten die Koordination (zusammen mit einer Hebamme von Ärzte der Welt und einem Koordinator) des medizinischen Teams, das sich aus fünf Leuten zusammensetzte. Unser Team war für den Wiederaufbau des Krankenhauses zuständig. Wöchentliche Koordinationstreffen mit der UN, anderen NGOs und der Krankenhausdirektion fielen ebenso in den koordinatorischen Tätigkeitsbereich. Das Projekt basiert auf einer engen Zusammenarbeit mit dem Personal des Krankenhauses, der Verwaltung und dem Gesundheitsministerium, denn einer der wichtigsten Grundsätze ist es, die lokalen Vertreter der Behörden in den Entscheidungsprozess einzubinden und ihre Weiterbildung zu fördern. Nur so kann das oberste Ziel - die Weiterführung des Krankenhauses durch lokale Mitarbeiter- erreicht werden.

Weitere Aufgaben umfassten die Erstellung von Notfallplänen bei Ausbruch von Epidemien wie Masern und Meningitis oder bei Durchfall und die Organisation unserer Apotheke. Die Weiterbildung des Krankenhauspersonals war ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit. sowie die Entwicklung von Projektvorschlägen und Anträgen für die nächste Finanzierungsperiode. In geringerem Umfang kümmerte ich mich um die Patientenversorgung unseres Personals sowie die Organisation von Patientenverlegungen in andere Krankenhäuser.

In den regelmäßigen Diskussionsrunden und Fortbildungen mit den Ältesten, den Imamen sowie den traditionellen Geburtshelferinnen über HIV, Familienplanung und Genitalverstümmelung konnte ich viel lernen und wir suchten gemeinsam nach Wegen zur Verbesserung der Gesundheitssituation.

Die Äthiopier sind mir sehr freundlich und herzlich begegnet, auch in der muslimischen Gesellschaft. Äthiopien ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Vielvölkerstaat, in dem Muslime wie Christen seit mehr als 1000 Jahren friedlich zusammen leben. Viele von ihnen ziehen als Nomaden mit ihren Tieren durch die Steppe und viele Männer haben nach wie vor mehrere Ehefrauen. Die meisten Menschen können weder lesen noch schreiben, doch sie sind sehr daran interessiert, mehr zu lernen.

In der Gegend, in der ich gearbeitet habe, lebt größtenteils eine somalische Bevölkerung. Fast alle sind muslimischen Glaubens und obwohl viele Gespräche übersetzt werden mussten, war ich doch erstaunt über die Freundlichkeit und die Freundschaften, die sich im Laufe der Zeit entwickelten.

Ich habe sehr viel Freude daran gehabt, in einem internationalen und sehr motivierten Team vor Ort die Entwicklung des Krankenhauses mit zu verfolgen und zu planen. Sehr spannend und lehrreich war die intensive Zusammenarbeit mit den Äthiopiern, aus der viele Ideen und Erfahrungen wie auch Problemlösungen entstanden sind.“