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Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit und Programm zur Unterstützung von Opfern von Gewalt im Punjab

Foto: Lam Duc Hien

Schon seit 1996 führt Ärzte der Welt im Punjab in Zusammenarbeit mit der lokalen Partnerorganisation MCWAK ein Projekt zur Basisgesundheitsversorgung durch und bietet im Bezirk Rahim Yar Kan Gesundheitsdienste für Mütter und Kinder an.

Initiativen der Zivilgesellschaft sowie die pakistanische Regierung baten Ärzte der Welt 2004 sich in der Region für die Opfer von häuslicher Gewalt zu engagieren. Im Punjab bietet die pakistanische Regierung Opfern von häuslicher Gewalt Zuflucht und Unterkunft in sogenannten „Dar-ul-Aman“ („Häuser des Friedens“). 2004 betrieb die pakistanische Regierung in der gesamten Provinz nur 8 dieser Anlaufstellen für Frauen und Kinder.

Viel zu wenige, denn laut pakistanischen Nichtregierungsorganisationen sind in Pakistan 80 – 90 % der Frauen Opfern von häuslicher Gewalt. Heute ist die Situation dank der Arbeit der Behörden, die von Ärzte der Welt unterstützt werden, besser: Mittlerweile gibt es in jedem der 36 Bezirke der Provinz Zufluchtsstätten. Ärzte der Welt ist in 34 „Dar-ul-Aman“ präsent und koordiniert in erster Linie die Aktivitäten von beteiligten NGOs, die Arbeit von Anwälten und Juristen, und gibt Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, eine Stimme.

Die Dar-ul-Aman – letzte Zufluchtsstätten

Das Ziel des Projektes ist es, Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, zu unterstützen. Ärzte der Welt verfolgt einen multidisziplinären Ansatz: Über die medizinische Versorgung hinaus bietet die Organisation Betroffenen juristischen Beistand und psychologische Betreuung. Die Anlaufstellen sind für viele Frauen letzte Zufluchtsstätten; dort erhalten sie die benötigte Hilfe und werden bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft unterstützt.

„Wir müssen eine Vertrauensbasis herstellen und die Frauen beruhigen, damit sie sich uns anvertrauen, sich von ihrem Schmerz befreien können und ihre Würde und ihr Selbstvertrauen wiedergewinnen.“
Rabia Irfan, Psychologin für Ärzte der Welt in Lahore (Pakistan)

In jedem „Dar-ul-Aman“ leben 30 bis 40 Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt wurden, mit ihren Kindern zusammen. In den „Häusern des Friedens“ erhalten die Frauen die Möglichkeit, ihr Leben erneut selbst in die  Hand zu nehmen. Gewalt hat negative Auswirkungen auf eine Vielzahl von Lebensbereichen, schwerwiegende Folgen für die einzelne Person und deren körperliches und geistiges Wohlergehen. Manche Frauen leben nur wenige Tage in den Zufluchtsstätten, andere mehrere Monate lang. „Hauptsache, die Betroffenen können wieder ein sicheres Leben führen. Es ist schon ein großer Fortschritt, wenn die Frauen die Möglichkeit erhalten, ihr Leben in einer ruhigen Umgebung ohne Druck von außen, ohne Missbrauch wieder selbst in die Hände zu nehmen“, erkärt Mondane Jactat, Koordinatorin des Ärzte der Welt-Programms in Pakistan.

Die enge Zusammenarbeit zwischen Ärzte der Welt, Initiativen der Zivilgesellschaft, pakistanischen Behörden und anderen relevanten Interessengruppen ermöglicht eine bessere Umsetzung des Programms und schafft Bewusstsein für die Gewaltthematik in der Bevölkerung. Auch andere Akteure, die einen starken Einfuß auf das Leben dieser Frauen haben, wie z.B. religiöse Führer oder Dorfälteste, werden hinsichtlich Gewalt gegen Frauen sensibilisiert.

Tradition vor Gesetz

Obwohl alle Bürgerinnen und Bürger in Pakistan gleiche Rechte haben und niemand aufgrund seines Geschlechts diskriminiert werden darf, bestraft das Gesetz nicht alle Formen von geschlechtsspezifischer Gewalt. Gerade das islamische Recht (Scharia)  oder andere traditionelle Praktiken ermöglichen es, dass bestimmte Straftaten wie z.B. Ehrenmorde ungestraft bleiben.

Ärzte der Welt setzt sich dafür ein, dass internationale, ratifizierte Abkommen, die dem Schutz von Frauen und ihren Rechten dienen tatsächlich umgesetzt werden. Regierungen müssen sich mit der Gewaltthematik auseinandersetzen; die Verabschiedung von Gesetzen reicht nicht aus, wenn diese nicht wirksam implementiert werden. Daher leistet Ärzte der Welt Überzeugungsarbeit, schult lokale MitarbeiterInnen, setzt sich für die Verurteilung der Täter ein und führt Sensibilisierungskampagnen durch, um Frauen über ihre Rechte zu informieren.

Strafverfahren sind oftmals langfristig, komplex und teuer und somit für die Mehrheit der Frauen, denen finanzielle Unabhängigkeit fehlt, unzugänglich. Ärzte der Welt  erleichtert den Opfern von Gewalt den Zugang zur Justiz und bietet ihnen kostenlose Rechtsberatung an, denn unsere Prioriät ist es, denen eine Stimme zu geben, die selbst nicht in der Lage dazu sind.

Gewalt gegen Frauen – ein globales Problem

Gewalt gegen Frauen ist nicht länderspezifisch: Millionen von Frauen und Mädchen sind tagtäglich geschlechtsspezifischer Diskriminierung, Benachteiligung und Gewalt ausgesetzt. Obwohl Frauenrechte in diversen internationalen Abkommen verankert sind, werden Frauen und Mädchen in der Realität nach wie vor Opfer von Menschenrechtsverletzungen.

Die WHO nimmt an, dass weltweit eine von 5 Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer einer (versuchten) Vergewaltigung wird. Oft wirft man den Opfern vor, Schande über die Familie zu bringen, viele Frauen werden daher von ihren Familien verstoßen. Um dies zu verhindern, verschweigen viele das Leid, das ihnen widerfährt. Mindestens jede 3. Frau weltweit war bereits Opfer einer Form von Gewalt, wurde im Laufe ihres Lebens geschlagen, zu sexuellem Kontakt gezwungen oder Opfer einer anderen Form von Misshandlung.

Gewalt kann innerhalb von Familien oder Gemeinschaften begangenen werden; in bewaffneten Konflikten wird Gewalt gegen Frauen gezielt als Kriegswaffe eingesetzt. Abgesehen davon, dass Gewalt gegen Frauen eine eklatante Menschenrechtsverletzung ist, hat sie auch schwerwiegende Folgen für das öffentliche Gesundheitswesen.

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