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Erdbeben Haiti - Schnelle medizinische Hilfe für die Schwerverletzten und Kinder vor Ort

20. Januar 2010 - Ärzte der Welt operiert im Zentralkrankenhaus in Port-au-Prince unter katastrophalen Bedingungen. Aufgrund der hohen Anzahl an Verletzten ist ein schnelles Handeln notwendig.» mehr

EU-Resolution zum „Abbau gesundheitlicher Ungleichheit in der EU“

Das Europäische Parlament hat am 8. März 2011 eine Resolution zum „Abbau gesundheitlicher Ungleichheit in der EU“ verabschiedet. Mit der Resolution fordert das Parlament die Mitgliedstaaten auf, Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung, denen Menschen ohne Papiere gegenüberstehen, anzugehen. Ärzte der Welt und das HUMA-Netzwerk appellieren an die Mitgliedstaaten, der Forderung der Resolution nachzukommen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.» mehr

Ärzte der Welt in Somalia

Eröffnung einer medizinischen Anlaufstelle für Vertriebene und Frauen in der Stadt Merka» mehr

Friday, 2010-12-10

Choleraepidemie in Haiti: Ärzte der Welt baut Behandlungskapazitäten aus

Angesichts der schweren Cholera Epidemie in Haiti ist Ärzte der Welt in mehreren Regionen des Landes im Einsatz; insbesondere in Port-au-Prince, Petit Goâve und im Departement Grande Anse.

© Concha Bonet

© Estela

Nach dem verheerenden Erdbeben im Januar steht Haiti nun vor der nächsten großen Katastrophe: Die Cholera ist ausgebrochen und breitet sich rasant aus. Ärzte der Welt beteiligt sich am nationalen Reaktionsplan des Gesundheitsministeriums und der WHO zur Bekämpfung der Krankheit.

Ziel unserer Projekte vor Ort ist es, der Choleraverbreitung entgegenzutreten, den erkrankten Personen einen schnellen Zugang zur Behandlung zu ermöglichen und Präventionsmaßnahmen umzusetzen.

Cholera – eine lebensgefährliche Erkrankung

Die Cholera ist eine lebensgefährliche, bakterielle Durchfallerkrankung, verursacht durch das Bakterium Vibrio cholerae. Die Übertragung erfolgt vor allem durch verschmutztes Trinkwasser oder verunreinigte Lebensmittel. Starke Bauchschmerzen, wässriger Durchfall und Erbrechen sind typische Anzeichen einer Cholera-Infektion.

Zwischen einer raschen Verbreitung der Cholera und einem schlechten Umweltmanagement besteht ein enger Zusammenhang: Die größten Risikozonen sind daher die Elendsviertel in den Vorstädten, die über keinerlei Grundinfrastruktur verfügen, sowie die Auffang- und Unterbringungslager, in denen es keine adäquate Abwasserentsorgung bzw. Trinkwasserversorgung gibt. In Haiti leben immer noch 1.3 Millionen Menschen in diesen Camps unter prekären Lebensbedingungen.

Jetzt auch der Südwesten des Landes betroffen

Auch Menschen, die in ländlichen Gebieten leben und keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben, sind einem besonderen Risiko ausgesetzt. In Grande Anse, im Südwesten der Insel, hat Ärzte der Welt daher zwei Cholerabehandlungszentren im Einsatz: Insgesamt 190 Betten wurden an zwei Standorten bereitgestellt (Jérémie, Moron). Seit dem 22. November wurden in den Cholerabehandlungszentren 2600 Patienten mit Cholera-Symptomen behandelt; durchschnittlich kommen etwa 80 Patienten pro Tag dazu.

Angesichts der raschen Verbreitung der Epidemie wurden auch drei weitere Gesundheitseinrichtungen in anderen Regionen in Grande Anse errichtet. In diesen Gesundheitszentren behandeln unsere Teams mittelschwere Choleraerkrankungen.

Aus medizinischer Sicht ist Cholera, wenn die Patienten rechtzeitig eine Gesundheitseinrichtung erreichen, gut zu behandeln. Je nach Schwere der Dehydration muss rechtzeitig eine orale (ORS Lösung) oder eine intravenöse Rehydrationslösung (schwere Fälle) verabreicht werden. Die Patienten, die unter schwerer Dehydration leiden, erhalten intravenöse Rehydrationslösungen und werden an ein Cholerabehandlungszentrum weitergeleitet.
Prävention und Sensibilisierung in Grande Anse.

„Die Epidemie breitet sich rasant aus. Der Ansturm ist riesig. Jeden Tag kommen mehr und mehr Patienten. Das Behandlungszentrum in Jérémie ist bereits ausgelastet. Manche Patienten müssen sich Betten teilen, andere mussten notdürftig auf dem Boden untergebracht werden“, erklärt Myriam Pomarel, die als medizinische

Koordinatorin für Ärzte der Welt in Haiti tätig ist.

Da die Cholera in den letzten 100 Jahren in Haiti nicht mehr aufgetreten ist, sind Aufklärung und Prävention von besonderer Bedeutung. Um Panik entgegenzuwirken und die Menschen hinsichtlich hygienischer Vorsichtsmaßnahmen zu sensibilisieren, suchen unsere Teams 11 Gemeinden in der Region auf. Ziel der Teams ist es einerseits, die Krankheit bekannter zu machen und Präventionsmaßnahmen aufzuzeigen und andererseits Menschen, die Symptome der Cholera aufzeigen so schnell wie möglich an ein Gesundheitszentrum weiterzuverweisen.

Teams auch in Port-au-Prince aktiv

In Port-au-Prince betreibt Ärzte der Welt 8 Gesundheitszentren in denen Cholerafälle behandelt werden können. Die meisten davon wurden direkt in die Gesundheitseinrichtungen integriert, die Ärzte der Welt in den Auffang- und Unterbringungslagern seit dem Erdbeben 2010 in Port-au-Prince betreibt. In isolierten Zelten behandeln unsere Teams mittelschwere Cholerafälle. Menschen mit schwerer Erkrankung werden an ein Cholerabehandlungszentrum überwiesen. In enger Zusammenarbeit mit Haitis Gesundheitsbehörden hat Ärzte der Welt ein solches Cholerabehandlungszentrum (40 Betten) in Carrefour-Feuilles bereitgestellt.

Ärzte der Welt ist seit mehr als 10 Jahren in der „Cité Soleil“, dem größten Elendsviertel der Hauptstadt Port-au-Prince im Einsatz. Innerhalb der "Cité Soleil" befinden sich mehrere Unterbringungslager, in denen die Menschen unter besonders prekären Umständen leben.  Seit dem Ausbruch der Choleraepidemie wurden von unseren Teams, die auch schon vorher mit mobilen Kliniken in verschiedenen Camps unterwegs waren,  Präventionsmaßnahmen gegen die Cholera eingeleitet.

In mehreren Stadtvierteln der Cité Soleil schult Ärzte der Welt Helfer, so genannte "Multiplikatoren". Diese geben ihr Wissen an die Mitglieder ihrer Gemeinde weiter. Die Schulungen konzentrieren sich auf Prävention und die im Falle einer Erkrankung einzuleitenden Maßnahmen.

Ärzte der Welt hat außerdem 20 „Gesundheitsstationen“ eröffnet, in denen leichte und mittelschwere Cholerafälle erstbehandelt werden können. Mehr als 1400 Patienten wurden bereits behandelt.

Ärzte der Welt in Haiti – ein langfristiges Engagement

Neben den aktuellen Cholera-Projekten sorgen über 500 Mitarbeiter, die große Mehrheit davon Haitianer, in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen dafür, dass auch die Langzeitprogramme von Ärzte der Welt weiter fortgeführt werden können. Ärzte der Welt bietet Menschen in acht Stadtvierteln von Port-au-Prince sowie in den südwestlichen Regionen Grande Anse und Petite Goâve Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Für weitere Rückfragen stehen gerne zur Verfügung:
Katharina Radmüller
katharina.radmuelleraerztederweltorg
Tel.: 089 45 23 081-15

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