open.med München: Patientin aus Äthiopien kann wieder hören
Trotz einer Schwerhörigkeit und starker Schmerzen hatte eine 57 Jahre alte Patientin aus Äthiopien keinen Anspruch auf medizinische Versorgung. Für Menschen wie sie, die in Deutschland ohne Krankenversicherung leben müssen, bietet das Projekt von Ärzte der Welt in München-Schwabing medizinische Hilfe und soziale Beratung – auf anonymer und kostenfreier Basis. Dank der Unterstützung des auric Hörcenters Dachau kann die Patientin wieder gut hören.» mehr
Offizielle Eröffnung des neuen Projekts MedMobil...
... durch die Stuttgarter Bürgermeisterin für Soziales, Jugend und Gesundheit, Gabriele Müller-Trimbusch. Am 21. Oktober weihte die Bürgermeisterin, Gabriele Müller-Trimbusch zusammen mit Prof. Dr. Heinz-Jochen Zenker – Präsident von Ärzte der Welt – und Vertretern der freien Träger der Wohnungslosenhilfe, das MedMobil offiziell ein.» mehr
MedMobil seit Juli 2009 auf Stuttgarts Straßen unterwegs
Das Projekt „MedMobil“ bietet den Menschen in Stuttgart medizinische Grundversorgung ohne bürokratische Hürden. Bis Juli 2010 war das MedMobil über 197 Mal im Einsatz. Es wurden knapp 370 Menschen behandelt, davon 39% Frauen und 61% Männer. Insgesamt wurden über 2800 medizinische und präventive Maßnahmen geleistet. » mehr
HAITI, 6 Monate danach: 700 000 Menschen in Port-au-Prince leben immer noch in Zelten
Juni 2010 - 6 Monate nach dem Erdbeben und zu Beginn der Wirbelsturmsaison ist ein entscheidender Moment für den Wiederaufbau in Haiti gekommen. Zwar ist die sanitäre Lage unter Kontrolle, die Lebensbedingungen für die Geschädigten von Port-au-Prince und dessen Umgebung (1,3 Millionen Menschen) sind jedoch nach wie vor extrem schwierig.
„Es wird immer schlimmer“: Für viele bessert sich die tägliche Lage kaum, durch den Abbruch der Lebensmittelverteilungen wird sie eher schlimmer. Die haitianischen Behörden müssen daher schnell eine spürbare Verbesserung herbeiführen – mit Hilfe der versprochenen, aber nur zögerlich ankommenden Unterstützung durch die Vereinten Nationen und andere Staaten.
Die von der Internationalen Gemeinschaft versprochenen Gelder für ein wirklich gerechtes Gesundheitssystem aufwenden
Bis zum heutigen Tag sind von den versprochenen 10 Milliarden nur einige hundert Millionen tatsächlich von den Staaten und den Kreditgebern überwiesen worden: Es wird höchste Zeit, dass die Versprechen gehalten werden, es muss schneller gehen.
Die von der Internationalen Gemeinschaft bei der Geberkonferenz in New York im März versprochenen 10 Milliarden Dollar müssen dazu verwendet werden, ein gerechteres Gesundheitssystem zu finanzieren und einzurichten, gerechter in Bezug auf die Kosten und auf Standorte in den ärmsten Vierteln, die am schwierigsten zu erreichen sind. Einige der Kliniken, die im Rahmen der Noteinsätze von Ärzte der Welt und anderen NGOs gegründet wurden, könnten daher zu dauerhaften Bestandteilen eines neuen medizinischen Versorgungsangebots für die Ärmsten der Haitianer werden.
Nach dem Erdbeben hat die haitianische Regierung den kostenfreien Zugang zu medizinischen Versorgung für alle Bürger für 6 Monate versprochen. Im Moment gewährt die angekündigte Maßnahme jedoch nur die Kostenfreiheit der Medikamente bis Oktober. Durch die Rückkehr zu einem System der Bezahlung für die medizinische Versorgung in den Hospitälern wird jedoch die Mehrheit der Bevölkerung von der Versorgung mit Medikamenten ausgeschlossen, insbesondere die Schwächsten, nämlich Schwangere und Kinder unter 5 Jahren. Für diese Bevölkerungsgruppe muss die Kostenfreiheit der medizinischen Versorgung auf jeden Fall gewährt und zu einer dauerhaften Maßnahme des haitianischen Gesundheitssystems werden.
Anfällige Gesundheitssituation
Kein Ausbruch ansteckender Krankheiten, einige Fälle von Malaria und Typhus, die diagnostiziert und behandelt wurden, die Impfung von Kindern und Säuglingen sowie die Erkennung und die Behandlung von leichter und schwerer Mangelernährung: Durch die von den NGOs, unter anderen Ärzte der Welt, durchgeführten Aktivitäten konnten die negativen Einwirkungen der Katastrophe auf die Gesundheit begrenzt werden.
Dadurch konnten auch Tausende von Haitianern zum ersten Mal wirklich medizinisch versorgt werden. Vor dem Erdbeben hatten etwa 60 % der Bevölkerung keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Zurzeit werden von den Ärzte der Welt-Teams in 10 provisorischen Zeltkliniken in den ärmsten Vierteln 5.000 Sprechstunden pro Woche abgehalten. Es ist nach wie vor schwierig, Kranke zur Behandlung in ein Hospital zu überweisen. Die Transfers innerhalb der verschiedenen Abteilungen in den Hospitälern sind ebenfalls äußerst kompliziert.
Ärzte der Welt-Daten: 10 Kliniken, 123.000 Behandelte, bis zu 112.000 abgehaltene Sprechstunden seit Anfang Januar, 20.000 davon im Bereich Reproduktionsmedizin.
Verbesserung der Lebensbedingungen: Zuwenig, zu langsam
Die Lebensbedingungen der 1,3 Millionen Geschädigten sind nach wie vor krankheitsfördernd. Die behandelten Patienten kehren in ihre Zeltstädte zurück, in denen keine Lebensmittel verteilt werden und wo der Zugang zu Trinkwasser schwierig ist; zudem regnet es immer häufiger.
Die medizinischen Teams sind machtlos und frustriert, in der Bevölkerung breiten sich Verständnislosigkeit und Wut aus: 6 Monate danach gibt es noch kein umfassendes Projekt zur Verbesserung der Lebensbedingungen. Das Vorhaben, von der Hauptstadt weit entfernte und ungeeignete Umsiedlungslager einzurichten, wurde aufgegeben. Andere Lösungsvorschläge gab es aber auch nicht.
Die in 400 Lagern untergebrachte Bevölkerung erhält keine oder nur wenige Informationen über eine eventuelle Rückkehr in Häuser, die als bewohnbar angesehen werden. Es sollte möglichst bald alle Bewohner informiert werden, damit diejenigen, die dazu in der Lage sind, in ihre Wohnstätten zurück kehren können. Weiterhin müssten viel schneller mehr solidere provisorische Unterkünfte errichtet werden. Ende Juni waren erst 3.000 Unterkünfte dieser Art gebaut worden.
„Wir können es nicht vergessen“: Der Schock wirkt immer noch nach
In allen 10 Ärzte der Welt-Standorten werden mehrmals pro Woche Gesprächsgruppen für Erwachsene, Workshops für Kinder und Einzelgespräche organisiert. „Jeden Morgen kommen Patienten mit imaginären Krankheiten zu mir“, berichtet Doktor Emanuela, „der Untersuchung nach haben sie offensichtlich nichts, aber wenn man nachfragt, sagen sie, dass sie nicht schlafen, nicht essen, und dass sie die 52 Sekunden des Erdbebens immer wieder durchleben. Ich rate ihnen, zu einem Psychologen zu gehen oder an einer Gesprächsgruppe teilzunehmen.“
Erzählen, wie das Erdbeben war, jede Einzelheit ausführen, wie man es überlebt hat, die Verstorbenen, in vielen Fällen gibt es keine Leichen: Vielen der Teilnehmer gibt die Gesprächsgruppe zum ersten Mal Gelegenheit, Fremden zu schildern, was sie erlebt haben. Der Schock kommt erst nach einigen Monaten zum Vorschein. Sie sagen alle: „Wir können es nicht vergessen. Wir können es nur der Vergangenheit zuordnen.“ Sie schildern ihr Leid, mit dem täglichen Leben zu recht zu kommen. „Ich bin nicht mehr normal. Ich kann nicht, überhaupt nicht, wieder so sein wie zuvor.“
Spielen, zeichnen, singen: Seit April haben 6.000 Kinder an den Sozialerziehungsworkshops teilgenommen. Die Bilder sind eindeutig: Ein bunt gemaltes zerstörtes Haus und eine Hand, die aus den Trümmern ragt; der kleine Junge hat den Tod seiner Mutter bei dem Erdbeben dargestellt. Der Kinderworkshop von Ärzte der Welt endet mit einem Lied gegen Gewaltanwendung, alle singen: „Verletzt die Blume nicht, lasst den Schmetterling frei und glücklich werden, verletzt nicht das Kind.“
Nach einigen Monaten des Lebens in Zelten, wo die Lage durch die Beengtheit und die Unsicherheit sehr schwierig ist, nehmen die Fälle von Gewalt, besonders von sexueller Gewalt, in mehreren der Lager in denen Ärzte der Welt aktiv ist, zu. Die Opfer sind meist Frauen, aber auch Kinder. 6 Monate danach steckt der Schock noch tief, die Menschen sind verängstigt: Die psychologische Behandlung muss über die erste Notbehandlung hinaus weiter gehen. Dieser Teilbereich muss in die Wiederaufbaupläne des haitianischen Gesundheitssystems integriert werden.
Finanzielle Aspekte
Das Ärzte der Welt Netzwerk hat in der ersten Dringlichkeitsphase in 6 Monaten 6 Millionen Euro ausgegeben. Ärzte der Welt ist seit über 20 Jahren im Land aktiv und engagiert sich für mehrere Jahre im Wiederaufbau des Zugangs zur medizinischen Versorgung in Haiti. Das internationale Netzwerk von Ärzte der Welt hat insgesamt 14,1 Millionen Euro erhalten.
Ein Video von Ärzte der Welt Frankreich: 6 Monate danach, Wiederaufbau mit den Haitianern, klicken Sie hier: www.medecinsdumonde.org/fr/Presse2/Videos/Haiti-6-mois-apres


