Haiti: Vier Monate nach dem Erdbeben, die Notsituation hält an
April 2010 - Mit dem Beginn der Regenzeit werden die Lebensbedingungen der 1,3 Millionen obdachlosen Menschen in Haiti noch schwieriger. Die 500 Mitarbeiter von Ärzte der Welt sind weiterhin in Port-au-Prince und im Südwesten des Landes aktiv.» mehr
Darfur: Schwere Gefechte zwingen Ärzte der Welt zur Evakuierung seiner internationalen Mitarbeiter aus dem Kampfgebiet
Aufgrund der erschwerten Sicherheitslage mussten die in der Bergregion im Osten von Jebel Marra eingesetzten internationalen Hilfskräfte von Ärzte der Welt in die nächstgelegene Stadt Nyala evakuiert werden.» mehr
Cholera-Epidemie in Simbabwe. Ärzte der Welt sendet ein Notfallteam in den Distrikt Chipinge
Simbabwe wird von einer schweren Cholera-Epidemie heimgesucht, die alle Provinzen des Landes erfasst hat. Die Epidemie hat sich in den vergangenen Tagen immer schneller ausgebreitet. Nach Angaben der Regierung von Simbabwe hat die Epidemie landesweit bereits 550 Todesopfer gefordert. Die Organisation WHO hat schon 15 572 Fälle von Cholera und 746 Todesfälle gezählt. Mehrere Faktoren beschleunigen weiter die Verbreitung der Epidemie: Aufgrund der Trockenheit leidet die Bevölkerung an...» mehr
Weltfrauentag: Jede 3. Frau weltweit war bereits Opfer von Gewalt
Der internationale Frauentag der Vereinten Nationen feiert am 08. März 2011 seinen 100. Geburtstag. Im Jahr 1911 erstmals begangen, soll er auf die Rechte der Frau aufmerksam machen. Obwohl in den letzten 100 Jahren viele Erfolge im Bereich der Frauenrechte erzielt wurden und ihre Rechte in diversen internationalen Abkommen verankert sind, werden Frauen und Mädchen in der Realität nach wie vor Opfer von Menschenrechtsverletzungen.
Millionen von Frauen und Mädchen sind tagtäglich weiterhin geschlechtsspezifischer Diskriminierung, Benachteiligung und Gewalt ausgesetzt. Ärzte der Welt unterstützt Betroffene.
Mindestens jede 3. Frau weltweit war bereits Opfer von Gewalt, wurde im Laufe ihres Lebens geschlagen, zu sexuellem Kontakt gezwungen oder Opfer einer anderen Form von Misshandlung. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die in 10 Ländern 24 000 Frauen befragte, ergab, dass je nach Land, 15% bis 70% der Frauen häuslicher Gewalt ausgesetzt sind. Laut Kofi Annan, dem ehemaligen Generalsekretär der Vereinten Nationen, ist Gewalt gegen Frauen „vielleicht die schändlichste aller Menschenrechtsverletzungen“. Ihre verschiedenen Formen, ob körperliche, sexuelle, psychologische oder emotionale Gewalt, gibt es in jedem Land der Welt.
Seit vielen Jahren implementiert Ärzte der Welt Maßnahmen zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in mehreren Ländern. Unter anderem in Algerien, Guatemala, Haiti, im Kongo, Liberia, Moldawien, Nicaragua, Niger, Pakistan und in verschiedenen europäischen Ländern führen Teams von Ärzte der Welt langfristige Programme zur Vorbeugung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen durch.
Gewalt gegen Frauen findet an den unterschiedlichsten Orten statt: zuhause, in Schulen, am Arbeitsplatz oder in Flüchtlingslagern. In bewaffneten Konflikten wird Gewalt gegen Frauen gezielt als Kriegswaffe eingesetzt. So zum Beispiel im Kongo; über 200 000 Frauen wurden dort Opfer sexualisierter Gewalt. Andere häufig auftretende Gewaltformen neben der sexualisierten Gewalt sind schädliche traditionelle Praktiken, häusliche Gewalt, Menschenhandel, Genitalverstümmelungen, so genannte Ehrenmorde und andere Arten von Morden an Frauen.
Die WHO nimmt an, dass weltweit eine von 5 Frauen im Laufe ihres Lebens Opfer einer (versuchten) Vergewaltigung wird. Oft wirft man den Opfern vor, Schande über die Familie zu bringen, viele Frauen werden daher von ihren Familien verstoßen. Um dies zu verhindern, verschweigen viele das Leid, das ihnen widerfährt.
Gewalt hat negative Auswirkungen auf eine Vielzahl von Lebensbereichen, schwerwiegende Folgen für die einzelne Person und deren körperliches und geistiges Wohlergehen. Daher nimmt die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen einen Schwerpunkt in der Arbeit von Ärzte der Welt ein. Die Organisation setzt sich besonders für gefährdete Bevölkerungsgruppen, wie Frauen in bewaffneten Konflikten oder Migrantinnen auf dem Weg nach Europa ein.
Ärzte der Welt verfolgt einen multidisziplinären Ansatz: Über die medizinische Versorgung hinaus bietet die Organisation Betroffenen juristischen Beistand und psychologische Betreuung. Durch Anlaufstellen schafft Ärzte der Welt Zufluchtsstätten für Frauen und hilft ihnen bei der Wiedereingliederung in die Gesellschaft.
„Wir müssen eine Vertrauensbasis herstellen und die Frauen beruhigen, damit sie sich uns anvertrauen, sich von ihrem Schmerz befreien können und ihre Würde und ihr Selbstvertrauen wiedergewinnen.“
Rabia Irfan, Psychologin für Ärzte der Welt in Lahore (Pakistan)
Eine weitere Aufgabe von Ärzte der Welt ist es, Gewalt gegen Frauen öffentlich anzuprangern und sie damit in das Bewusstsein der Gesellschaft rücken. Daher arbeitet Ärzte der Welt unter Berücksichtigung von soziokulturellen Gegebenheiten Hand in Hand mit einem Netzwerk aus lokalen Partnern, Regierungsinstitutionen, Organisationen der Zivilgesellschaft oder anderen relevanten Interessensgruppen.
Regierungen müssen sich mit der Gewaltthematik auseinandersetzen; die Verabschiedung von Gesetzen reicht nicht aus, wenn diese nicht wirksam implementiert werden. Daher leistet Ärzte der Welt Überzeugungsarbeit, schult lokale MitarbeiterInnen, setzt sich für die Verurteilung der Täter ein und führt Sensibilisierungskampagnen durch, um Frauen über ihre Rechte zu informieren.
Trotz aller Erfolge der letzten 100 Jahre, „so lange sie [die Gewalt gegen Frauen] anhält, können wir nicht behaupten, dass wir wirklich Fortschritte in Richtung Gleichstellung der Geschlechter, Entwicklung und Frieden machen." (Kofi Annan, ehemaliger Generalsekretär der Vereinten Nationen).


