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„Das Recht auf Gesundheit kann nicht warten!“

Bei ihrem Besuch des Münchner Projekts open.med von Ärzte der Welt am Freitag, 04. Februar 2011, bekräftigte Barbara Lochbihler, MEP (Bündnis 90 / Die Grünen), die Notwendigkeit einer effektiven Umsetzung des Rechts auf medizinische Versorgung für alle.» mehr

Aktion Lächeln: Internationales Team zurück vom Einsatz

Vom 15. bis zum 29. März behandelte ein internationales Team von Ärzte der Welt - Médecins du Monde Deutschland in Kambodscha Patienten mit Entstellungen, Fehlbildungen und Verletzungen insbesondere im Bereich des Gesichtes und der Hände. Aktion Lächeln lautet der Name des Projektes, das von Ärzte der Welt 1989 in Kambodscha ins Leben gerufen wurde. Neben anderen Ärzten aus Frankreich, Ungarn und Deutschland nahm auch der Stuttgarter Hand-/Mikrochirurg Dr. Nikolaus Johannes Wachter an dem...» mehr

6000 Operationen, 723 behandelte Patienten, 276 Teams, ein Ziel: Kindern ein Lächeln geben

Am 22. November fliegt erneut ein Spezialisten-Team der Aktion Lächeln nach Kambodscha um Kinder mit Missbildungen im Gesichtsbereich kostenfrei zu operieren. Für viele Patienten bedeutet der chirurgische Eingriff die Chance auf ein normales Leben oder gar das pure Überleben. » mehr

Tuesday, 2010-10-12

10 Jahre Milleniumentwicklungsziele - eine Bilanz

Im September 2000 kamen führender Politikerinnen und Politiker aus 189 Ländern zu dem bis dahin größten Gipfeltreffen der Vereinten Nationen in New York zusammen. Als Ergebnis verabschiedeten sie die so genannte Millenniumserklärung. In dieser Erklärung legt die Staatengemeinschaft dar, wie sie den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen will.

© Sophie Brandstrom

© Stephane Lehr

Aus der Erklärung wurden später acht internationale Entwicklungsziele abgeleitet, die sogenannten Millenniumsentwicklungsziele (engl. Millennium Development Goals, MDGs).

Diese acht Ziele sind eng miteinander verknüpft, drei dieser Ziele, die gesundheitsbezogenen Millenniumsentwicklungsziele, sind für die Arbeit von Ärzte der Welt besonders relevant.

Zehn Jahre sind nun vergangen. Auf dem Weltarmutsgipfel Ende September 2010 wurde Bilanz gezogen, was wurde bisher erreicht?

Ziel 4: Senkung der Kindersterblichkeit

Das vierte Millenniumsentwicklungsziel befasst sich mit der Senkung der Kindersterblichkeit. Die Zielvorgabe für 2015 lautet: Die Anzahl der Kinder, die vor ihrem fünften Geburtstag sterben, soll um zwei Drittel reduziert werden.

Was wurde bisher erreicht? Zwar nimmt die Kindersterblichkeit ab, jedoch nicht rasch genug, um die Vorgabe zu erreichen. Immer noch sterben fast neun Millionen Kinder bevor sie fünf Jahre alt werden.

Viele Länder verzeichnen weiter unannehmbar hohe Kindersterblichkeitsraten und haben in den letzten Jahren kaum Fortschritte erzielt: Von den 67 Ländern mit hoher Kindersterblichkeitsrate (40 oder mehr Sterbefälle je 1000 Lebendgeburten) sind nur 10 auf dem Weg, die Millenniums-Zielvorgabe zu erfüllen. Die höchsten Kindersterblichkeitsraten finden sich nach wie vor in Afrika südlich der Sahara, wo 2008 ein Siebtel der Kinder seinen fünften Geburtstag nicht erlebte.

Die meisten Sterbefälle im Kindesalter sind vermeidbar oder ihre Ursachen sind behandelbar. Im Jahr 2008 waren 43 Prozent aller weltweiten Sterbefälle bei Kindern unter fünf Jahre vier Krankheiten zuzuschreiben: Lungenentzündung, Durchfall, Malaria und AIDS. Die meisten dieser Kinder hätten durch kostengünstige Präventiv- und Therapiemaßnahmen gerettet werden können – durch Antibiotika bei akuten Atemwegserkrankungen, orale Rehydrierung bei Durchfall, Impfung und Verwendung imprägnierter Moskitonetze und geeigneter Medikamente gegen Malaria.

Ziel 5: Die Verbesserung der Gesundheit von Müttern

Die Verbesserung der Gesundheit von Müttern sowie der allgemeine Zugang zu medizinischer Versorgung auf dem Gebiet der reproduktiven Gesundheit stehen im Mittelpunkt des fünften Ziels. Bis 2015 soll die Müttersterblichkeitsrate um drei Viertel gesenkt werden sowie Zugang zu Reproduktionsmedizin gewährleistet werden.

Was wurde bisher erreicht? Zwar sterben weltweit immer weniger Frauen während der Schwangerschaft oder Geburt, insgesamt sind aber nur geringe Forschritte erreicht worden. Um das Ziel bis 2015 noch zu erreichen, müsste die Müttersterblichkeit jährlich um 5,5 % reduziert werden; hier sind bislang die wenigsten Fortschritte erreicht worden, die Müttersterblichkeit sinkt viel zu langsam.

Im Jahr 2010 stirbt immer noch jede Minute eine Frau an Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Blutungen und Bluthochdruck sind zusammen für die Hälfte aller Sterbefälle bei Schwangeren oder Müttern verantwortlich. Indirekte Ursachen sind unter anderem Malaria, HIV/AIDS und Herzerkrankungen in rund 18 Prozent der Fälle. Die meisten dieser Sterbefälle sind durchaus vermeidbar. Beispielsweise lassen sich Blutungen durch eine Reihe von gezielten Interventionen verhindern oder behandeln. Dafür benötigen die Gesundheitszentren notfallmedizinisch geschultes Personal, das meistens nicht zur Verfügung steht.


Ziel 6: Die Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten

Das sechste Ziel sieht vor, die Ausbreitung von HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose einzudämmen. Was wurde bisher erreicht?

Die Ausbreitung von HIV scheint sich in den meisten Regionen stabilisiert zu haben, und mehr Menschen überleben länger. Nichtsdestotrotz infizieren sich täglich immer noch ca. 7400 Menschen mit HIV. Zwei Millionen Menschen sterben jährlich an dem Virus. Damit bleibt HIV die Infektionskrankheit, die weltweit am meisten Todesopfer fordert. 1.8 Millionen Menschen starben 2008 an Tuberkulose, die Hälfte von ihnen war HIV-positiv.

Heutzutage gibt es ca. 17.5 Millionen AIDS Waisen, die einen oder beide Elternteile durch die Krankheit verloren haben. Fast 80 % von ihnen leben in Afrika südlich der Sahara.  2008 leben schätzungsweise 33 Millionen Menschen mit HIV, ca. 22 Millionen davon in Afrika südlich der Sahara.

In den letzten Jahren wurden bedeutende Fortschritte bei der Bekämpfung der Malaria erreicht, so wurden Präventions- und Behandlungsmaßnahmen erheblich ausgeweitet: Die Weltproduktion vom Moskitonetzen, die vor Mückenstichen schützt,  hat sich seit 2004 mit einem Anstieg von 30 Millionen auf 150 Millionen im Jahr 2009 verfünffacht. Knapp 200 Millionen Netze wurden von den Herstellern an afrikanische Länder geliefert; für eine flächendeckende Versorgung sind etwa 350 Millionen Netze nötig.

Die Hälfte der Weltbevölkerung ist malariagefährdet. 2008 führten ca. 243 Millionen Fälle zum Tod von 863000 Menschen.

Weltarmutsgipfel 2010 – sind die Ziele noch zu erreichen?

Um eine Zwischenbilanz zu ziehen, haben sich ca. 140 Staats- und Regierungschefs vom 20.-22. September 2010 zu einem weiteren „Weltarmutsgipfel“ getroffen. Die Ziele sind noch weit von ihrer Erfüllung entfernt. Um einige der Ziele noch erreichen zu können ist ein Kehrtwende dringend erforderlich: Die Staatengemeinschaft muss ihre Zusagen einhalten und in einigen Bereichen dringend verstärken.

Zum Abschluss des Weltarmutgipfels erneuerte die Staatengemeinschaft in einer Abschlusserklärung erneut ihre Zusagen, die im Jahre 2000 vereinbarten Versprechen einzuhalten. 

Aufbauend auf den bisherigen, erfolgreichen Maßnahmen wurden Aktionspläne verabschiedet, die dazu beitragen sollen, die Millenniumsziele bis 2015 doch noch zu erreichen.

Besonders hervorzuheben ist der „Aktionsplan gegen Kleinkinder- und Müttersterblichkeit“.  Durch diese Initiative soll das Leben von mehr als 16 Millionen Frauen und Kindern gerettet werden. Durch Investitionen in Höhe von 40 Milliarden Dollar sollen u.a. 120 Millionen Kinder unter fünf Jahren vor akuten Atemwegserkrankungen geschützt werden und 88 Millionen Kinder unter fünf Jahren soll eine normale Entwicklung ohne Unterernährung und Wachstumshemmung ermöglicht werden.

Ärzte der Welt begrüßt diese Initiative.

Weitere Informationen zu den Millenniumszielen erhalten Sie im aktuellen UN-Bericht 2010. Die einzelnen Aktionspläne sowie weitere Hintergrundinformationen finden Sie unter hier.

Für weitere Rückfragen stehen gerne zur Verfügung:
Dr. Lecia Feszczak
lecia.feszczakaerztederweltorg
Tel.: 089 45 23 081-12
oder
Katharina Radmüller
Tel.: 089 45 23 081-15
katharina.radmuelleraerztederweltorg

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