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Monday, 2009-05-11

9. - 24.März 2007 Aktion Lächeln in Kambodscha

Ärzte der Welt hat einen neuen Einsatz im Rahmen der Aktion Lächeln vom 9. – 24.März 2007 in Kampong Cham und O Reang Ov in Kambodscha durchgeführt. Das Team besteht aus Prof. Dr. Dr. Norbert Schwenzer, Prof. Dr. Dr. Josef Barabas, Dr. Dr. Martin Gosau, Dr. Hilke Schneider und Peter Dekoleandenu. In Phnom Penh werden noch Dr. Jean Rapidel und Yolande Sandorfi hinzukommen. Begleitet wird das Team von Dr. Monika Kleck, die ihre Reiseeindrücke schildert.

Kambodscha

Schon am Flughafen wurde es spannend, wird das Versprechen wahrgemacht, dass wir unser gesamtes Gepäck umsonst mitnehmen dürfen? Denn außer dem Reisegepäck hatten wir noch Kisten mit medizinischen Materialien dabei. Am Schalter lief jedoch alles glatt. Und auch am Zoll in Phnom Penh wurden unsere Kisten zwar kritisch begutachtet, aber wir mussten nichts auspacken. Die offiziellen Ärzte der Welt Dokumente mit vielen Stempeln machen doch Eindruck.
So kommen wir am Samstag Abend spät im Hotel an.
Sonntags geht es nach kurzen Einkäufen für die Arbeit gleich weiter nach Kampong Cham. Langsam werden die eng gedrängten Verkaufsstellen am Straßenrand weniger und wir fahren vorbei an Reisfeldern, an Häusern auf Stelzen und vielen Menschen, die zu Fuß oder per Fahrrad unterwegs sind.
Angekommen in Kampong Cham geht es gleich weiter nach O Reang Ov, denn auch dort stehen noch medizinische Materialien. Es geht auf der neuen Brücke über den Mekong und nach einer Weile dominieren Kautschukbäume am Straßenrand. In O Reang Ov ist das Team schon bekannt und wird freudig begrüßt. Wir suchen die Materialien aus und kehren zurück.
Montag morgen, die eigentliche Arbeit des Ärzte der Welt Teams beginnt. Wir kommen zum Krankenhaus und dort warten schon sehr viele Menschen. Mit Unterstützung der lokalen KollegInnen versuchen wir die Situation etwas zu ordnen. Wir möchten zuerst die kleinen Kinder untersuchen, denn für sie ist das Warten am schwierigsten. Nach und nach kommen alle PatientInnen an die Reihe.
In einem Raum untersuchen die Ärzte die PatientInnen, sie schauen sich die Probleme an und legen fest, ob ein Eingriff gemacht werden kann. Leider müssen auch viele Menschen nach hause geschickt werden. Zum Teil weil die Kinder noch zu klein sind oder weil eine Operation unter den gegebenen Bedingungen nicht erfolgversprechend ist wie bei großflächigen  Verbrennungen oder ausgedehnten Tumoren. Hier versuchen wir die Hilfesuchenden an entsprechende Spezialisten im Land weiter zu verweisen.
Diejenigen, die wir behandeln können, werden im Nebenzimmer auf ihre Narkosetauglichkeit überprüft. Ihnen wird die Operation erklärt und auch alle notwendigen Vorbereitungen, z.B. dass sie am nächsten Operationstag nüchtern sein müssen.
Unter den Wartenden sind einige mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Andere stellen sich mit Tumoren oder leichteren Verbrennungen vor. Einem kleinen Jungen ist z.B. nach einer Verbrennung der Arm so zusammengewachsen, dass er ihn nicht mehr ausstrecken kann. Bei einem jungen Mädchen muss nach einem Säureangriff dringend eine Operation durchgeführt werden, damit wenigstens noch ein Auge funktionsfähig bleibt.  Andere PatientInnen bitten uns darum, Unfallverletzungen zu behandeln.
Zu unserer Überraschung können wir schon am Nachmittag mit einfacheren Operationen, die keine Vollnarkose benötigen, beginnen.
Wie zentral das Narkosethema ist, wird am nächsten Tag klar. Denn die Ausstattung dafür ist mehr als dürftig, es gibt nur ein einfaches Überwachungsgerät, der Sauerstoff muss mit der Hand zugeführt werden, vieles hängt von der Erfahrung des Anästhesisten ab. Gerade bei Kindern, die oft nicht ausreichend ernährt sind, übernimmt der Anästhesist damit eine große Verantwortung.
Auch sonst sind die Arbeitsbedingungen sehr einfach. Alles Material wurde aus Deutschland mitgebracht, aus der Klimaanlage tropft das Wasser, die Sterilisation dauert seine Zeit und ab und zu besucht uns ein Gecko im OP.
Dennoch werden ab Dienstag morgen bis zum Freitag in Kampong Cham 38 Patienten teilweise sogar mehrfach operiert. Die Chirurgen arbeiten dabei sehr eng mit ihren lokalen KollegInnen zusammen, die sich sehr für die Methoden der Gäste interessieren. Da selbst der Chef der Zahnklinik sein Studium noch nicht ganz abgeschlossen hat, kann er hier wertvolle Praxiserfahrung sammeln.
Ist schon die Situation im OP nicht einfach, so kann man von einem Aufwachraum nur träumen. Die PatientInnen werden zuerst auf den Boden im OP gelegt und später, wenn sie halbwach sind, in die Obhut der Verwandten in den Gang vor dem OP-Saal verlegt. Später wechseln die PatientInnen dann in eine Baracke mit Krankenzimmern. Dort sind die Zustände erbärmlich. Die Wände sind feucht, in einem Raum gibt es keine Betten, sondern nur geflochtene Matten auf dem Boden. Einladend wirkt das nicht. Ohnehin wollen viele PatientInnen so schnell wie möglich entlassen werden, um möglichst rasch wieder ihre Felder bestellen zu können.
Bei den täglichen Visiten werden also nicht nur Verbände gewechselt und nachbehandelt, sondern es wird über die Entlassung gesprochen und über die Weiterbehandlung durch örtliche Gesundheitsstationen.
Zwar können wir nach den Operationen bei einigen PatientInnen schon ein erstes zaghaftes Lächeln sehen, aber das endgültige Resultat werden wir bei den meisten PatientInnen nicht zu sehen bekommen. Nur der Junge mit den Verbrennungen am Arm strahlt uns jeden Tag an und zeigt uns, wie weit er den Arm nun schon strecken kann.
Freitag am Spätnachmittag sind alle Operationen durchgeführt, Visiten für die Nachsorge werden für die nächste Woche vereinbart. Das Material wird eingepackt und schon nach O Reang Ov gebracht. Am Wochenende stehen Gespräche über die Zukunft des Projektes in Phnom Penh an und am Sonntag geht es schon wieder weiter nach O Reang Ov.
Die Woche in O Reang Ov verläuft nach dem gleichen Schema, montags werden die PatientInnen untersucht und ausgewählt, ab Dienstag wird operiert. Zwischen Montag und Donnerstag werden 30 PatientInnen behandelt.

Insgesamt konnten wir 68 Patienten operieren. Vielen von ihnen erlaubt der Eingriff, ein ganz normales Leben in ihrer sozialen Gemeinschaft zu führen, dazuzugehören und - wieder lächeln zu können.
Da die Menschen sehr arm sind, schenken sie uns Bananen, immer wieder Bananen, um ihren Dank auszudrücken. Uns genügt aber schon das zufriedene und glückliche Lächeln einer Mutter oder das Strahlen der Kinder.
Und deswegen werden immer wieder Teams an der Aktion Lächeln teilnehmen.

Übrigens unterstützt Sternstunden (die Benefizaktion des bayerischen Rundfunks) das Projekt. So können wir die Räumlichkeiten verbessern und noch mehr Kinder operieren zusammen mit unseren KollegInnen vor Ort. Dafür sind wir sehr dankbar.

Falls Sie mitmachen wollen, so können Sie die Patenschaft für ein Kind übernehmen. Eine Operation kostet 250 Euro. 

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