open.med München: Patientin aus Äthiopien kann wieder hören

Trotz einer Schwerhörigkeit und starker Schmerzen hatte eine 57 Jahre alte Patientin aus Äthiopien keinen Anspruch auf medizinische Versorgung. Für Menschen wie sie, die in Deutschland ohne Krankenver

Ärzte der Welt stellt europäische Studie zur Situation von Menschen ohne Papiere in Deutschland vor

Ärzte der Welt präsentierte am 23. November in Berlin den zweiten Bericht des „European Observatory on Access to Healthcare“– eine internationale Studie über den Zugang zur Gesundheitsversorgung von M

Ärzte der Welt fordert die strikte Anwendung der Kinderrechtskonvention

Am 20. November begehen wir den 20. Jahrestag der internationalen Kinderrechtskonvention, die von 191 Ländern ratifiziert wurde. In den Artikeln 24 und 26 ist der Schutz von Kindern und schwangeren Fr

Kontext und Ziele

Auch in Deutschland gibt es Menschen, die keinen oder einen erschwerten Zugang zum Gesundheitssystem haben. Im September 2006 wurde deshalb open.med, die medizinische Anlaufstelle von Ärzte der Welt im Zentrum Münchens eröffnet. Das Hauptziel von open.med ist die Verbesserung des Zugangs zur medizinischen Grundversorgung für alle Menschen in Deutschland - ohne Rücksicht auf ihren Aufenthaltsstatus oder ihr Einkommen.

Auch in Deutschland gibt es Menschen, die keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. Nach Schätzungen von Experten leben allein in München ca. 30.000 Menschen ohne Aufenthaltsstatus. Sie werden von keiner Krankenversicherung aufgenommen. In akuten Fällen haben sie einen Anspruch auf medizinische Dienstleistung. Wenn sie die Behandlung nicht selbst zahlen können, ist eine Kostenerstattung über die zuständigen Sozialämter möglich. Das Sozialamt ist allerdings gemäß dem Aufenthaltsgesetz dazu verpflichtet, Menschen ohne Papiere der Ausländerbehörde zu melden. Die Inanspruchnahme medizinischer Hilfe kann somit zur Aufdeckung eines nicht legalen Aufenthaltes und einer anschließenden Ausweisung führen. Aus Angst vor diesen Konsequenzen zögern diese Menschen bei Krankheit einen Arztbesuch so lange wie möglich hinaus.

Schon beim ersten Mal, als Frau R. in die Sprechstunde von open.med kam, fielen uns ihre zittrigen Hände und ihre starke Nervosität auf. Sie brauchte eine Weile, um sich zu beruhigen und uns ihre Geschichte zu erzählen. Vor einem Jahr hatte sie bereits medizinische Hilfe in Anspruch genommen, damals bei einem katholischen Krankenhaus. Hier hatte man ihr Medikamente gegen den hohen Blutdruck und ihren Diabetes gegeben. Die Tabletten nahm sie so lange ein, bis ihr nach zwei Monaten das Geld ausging. Frau R. wagte nicht, das Krankenhaus noch ein zweites Mal zu kontaktieren. Als wir die Patientin bei open.med sahen, befand sich bereits in einem kritischen Gesundheitszustand und benötigte dringend ärztliche Hilfe.
Frau R., 60 Jahre alt, aus Kroatien, seit 14 Jahren ohne Aufenthaltsstatus in Deutschland

Selbst für Menschen mit Ausweispapieren oder für deutsche Staatsbürger ist manchmal der Zugang zur Gesundheitsversorgung nicht gewährleistet. Insbesondere Bürger aus den neuen EU-Staaten, die hier rechtmäßig leben, können sich eine Krankenversicherung auf Grund ihres niedrigen Einkommens oft nicht leisten.

Im September 2006 wurde deshalb open.med, die Anlaufstelle für Nicht-Versicherte von Ärzte der Welt im Zentrum Münchens eröffnet. open.med bietet zweimal wöchentlich basismedizinische und fachärztliche Versorgung, die allen Menschen ohne Zugang zum Gesundheitssystem offen steht. Durch eine psychosoziale Begleitung möchte das Team von open.med außerdem eine (Re-)Integration der Betroffenen in soziale Netzwerke und in das reguläre Gesundheitssystem erreichen – damit sie letztlich eine neue, gesündere Lebensperspektive entwickeln können. Außerdem findet am 1. und am 3. Dienstag im Monat eine kinderärztliche Sprechstunde statt.

Aufgabe und Ziel von open.med ist es auch, das Thema „Zugang zur medizinischen Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung“ in den öffentlichen Diskurs zu bringen und unsere Gesellschaft und die politisch Verantwortlichen für die erschwerten Lebensbedingungen der betroffenen Menschen zu sensibilisieren.


Open.med 2009

Seit ihrer Gründung verzeichnet die Anlaufstelle steigende Patientenzahlen. Die Gesamtzahl der Konsultationen von open.med belief sich 2009 auf 1.155 – darunter waren 737 Arztkontakte in der Anlaufstelle, 123 soziale bzw. rechtliche Beratungen und 295 Konsultationen bei niedergelassenen Fachärzten. Im Jahr 2009 suchten insgesamt 335 Menschen die Anlaufstelle auf, das sind 20% mehr Besucher als im Jahr 2008. Der Anteil der Frauen (62%) war deutlich höher als der der Männer (38%). Die größte Patientengruppe (41%) bildeten junge Erwachsene zwischen 19 und 39 Jahren. Außerdem waren 17%unserer Patienten Minderjährige. Innerhalb des Patientenstammes waren 67 verschiedene Nationalitäten vertreten, wobei die meisten Patienten (45%) aus EU-Ländern, insbesondere Bulgarien, Rumänien und Polen kamen. Knapp 10% unserer Patienten waren Deutsche ohne Krankenversicherung. Andere häufige Herkunftsländer waren Nigeria, der Kosovo und Brasilien. Ca. 15% der Patienten hatten zur Zeit ihres ersten Besuchs bei open.med keinen Aufenthaltsstatus in Deutschland. Fast ein Viertel der Frauen, die uns konsultierten, kamen aufgrund ihrer Schwangerschaft, die zumeist schon weit fortgeschritten war, ohne je zuvor einen Arzt gesehen zu haben. Häufige gesundheitliche Anliegen, mit denen sich die Patienten an den Arzt wandten, waren Probleme des Bewegungsapparates (14%) und des Verdauungssystems (9,5%).