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Aktuelles

Syrien - ‚Ärzte der Welt‘ fordert ein Ende der Gewalt gegen Zivilisten und verstärkt seine Hilfsaktionen in den Nachbarländern

Mai 2012: Die Gewalt gegen Zivilisten in Syrien nimmt kein Ende. Große Hoffnungen werden weiterhin in den Friedensplan gesetzt, den der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen Kofi Annan vorgelegt hatte. ‚Ärzte der Welt‘ verurteilt die Gewalt gegen Zivilisten und verstärkt zunächst seine Hilfsmaßnahmen in den Nachbarländern, in denen syrische Flüchtlinge Schutz suchen.» mehr

Wednesday, 2011-05-25

Elfenbeinküste: Ärzte der Welt mit Soforthilfeteams im Einsatz

Mai 2011 - Die Lage in der Elfenbeinküste hat sich weitgehend beruhigt, doch auch nach dem Ende der bewaffneten Kämpfe sind die Menschen in einigen Landesteilen weiterhin auf internationale Unterstützung angewiesen. Seit Mitte April leistet Ärzte der Welt vor Ort Soforthilfe. In Abidjan, dem Regierungshauptsitz des Landes, sorgen unsere Teams in mehreren Gesundheitszentren und Krankenhäusern dafür, dass die Zivilbevölkerung Zugang zu medizinischer Versorgung erhält.

Ein knappes halbes Jahr nach der Wahl Ende 2010, die das Land in einen blutigen Bürgerkrieg mit über 3000 Toten geführt hat, scheint sich die Sicherheitssituation in der Elfenbeinküste zu verbessern. Auch die Lage in Abidjan, der Metropole, die vor kurzem noch Schauplatz heftiger gewaltsamer Auseinandersetzungen war, ist weitgehend stabil.

Ärzte der Welt ist dort in drei Stadtvierteln, nämlich in Yopougon, Attécoubé und in Williamsville im Einsatz und unterstützt in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden insgesamt 23 Basisgesundheitszentren und eine psychiatrische Klinik.

Gewaltsame Auseinandersetzungen in Abidjan

In den letzten Wochen lieferten sich die Konfliktparteien noch heftige Kämpfe. Die Medien sprachen in diesem Zusammenhang von der „Schlacht um Abidjan“. Im westlichen Stadtteil Yopougon zogen Anhänger des abgewählten Präsidenten Gbagbo, Milizen und Söldner durch die Straßen. Viele Menschen flohen vor der Gewalt, doch der ärmste Teil der Bevölkerung hatte keine andere Wahl als zu bleiben.

Die 1.5 Millionen verblieben Menschen mussten wochenlang unter prekären Bedingungen ausharren. Erst seit kurzem sind einige Stadtteile für Hilfsorganisationen erreichbar. „Die Straßen waren leer. Für 15 Tage konnte niemand raus, wir sahen nur bewaffnete Männer, die die wenigen Menschen die unterwegs waren, an Straßensperren stoppten und Wegzoll verlangten“, beschreibt ein Direktor einer lokalen Hilfsorganisation die Situation vor Ort.

Aufgrund der Krise sind Trinkwasser und Nahrungsmittel knapp; innerhalb der Stadt konnte die Zivilbevölkerung nur unzureichend medizinisch versorgt werden. In Yopougon beispielsweise blieben die meisten Gesundheitseinrichtungen geschlossen; auch jetzt sind nur vier der ursprünglich 15 Gesundheitszentren geöffnet. In den wenigen Einrichtungen, die ihren Betrieb aufrecht erhalten haben, mangelt es an Medikamenten und Personal. Die meisten Angestellten des Gesundheitsministeriums waren nicht in der Lage ihren Arbeitsplatz zu erreichen oder flohen vor der Gewalt.

Vor allem schutzlose Bevölkerungsgruppen sind gefährdet

Unter der schlechten Gesundheitsversorgung leiden vor allem Patienten mit schweren chronischen Krankheiten, Kinder und schwangere Frauen sowie die zahlreichen Verletzten. Ins Universitätskrankenhaus von Cocody beispielsweise wurden zwischen dem 31.März und dem 22. April 2011 fast 350 Menschen eingeliefert, die durch die gewaltsamen Auseinandersetzungen verletzt wurden. Hunderte von ihnen warteten auf eine Operation. Doch dem Krankenhaus mangelte es an Ausrüstung.

Ärzte der Welt stattete das Universitätskrankenhaus deshalb mit essentiellen Materialien aus: OP-Ausstattung, sterile Handschuhe und Verbandsmaterial, Spritzen, etc. „Dies wird es uns ermöglichen für einen Monat durchzuhalten“, erklärt der Leiter der Notfallaufnahme des Krankenhauses.

Zwei Notfallteams von Ärzte der Welt im Einsatz

Um auf die dringenden medizinischen Bedürfnisse in Abidjan zu reagieren, entsendete Ärzte der Welt Mitte April zwei Notfallteams mit mehreren Tonnen Materialien und Arzneimitteln. Angesichts der Krise, die das Land durchzieht, hat die Regierung zwar beschlossen, dass die Bevölkerung bis zum 31. Mai 2011 kostenlose medizinische Versorgung erhält, doch die öffentlichen Gesundheitszentren haben weder die Mittel, das notwendige Personal zu bezahlen, noch können sie die Versorgung mit Arzneimitteln gewährleisten.

Vor diesem Hintergrund verteilen Ärzte der Welt-Teams Medikamente, stellen die Versorgung der Einrichtungen sicher und garantieren, dass medizinisches Personal vorhanden ist. Einrichtungen, die geplündert wurden, werden mit medizinischen Geräten und Arzneimitteln ausgestattet, damit sie ihre Arbeit wieder aufnehmen können, sobald es die Sicherheitslage erlaubt.

Besonderes Augenmerk legen wir auf diejenigen, die direkt von der Krise betroffen sind und Unterstützung benötigen, so zum Beispiel die Verwundeten, Opfer sexueller Gewalt oder HIV oder Tuberkulose-Infizierte. Patienten, die psychosoziale Unterstützung benötigen erhalten in einer psychiatrischen Klinik, in der Ärzte der Welt arbeitet, kostenlose Beratung.

Die einsetzende Regenzeit hat bereits zu einem Anstieg von Malaria geführt. Da mit der Regenzeit auch das Risiko von Epidemien steigt, richtet Ärzte der Welt gerade ein System zur Früherkennung von Choleraerkrankungen ein. Der Soforthilfeeinsatz unserer Teams ist zunächst auf vier Monate begrenzt.

Hintergrund der Krise

Nach der Präsidentenwahl im November vergangenen Jahres, weigerte sich der damalige Amtsinhaber Gbagbo den Wahlsieg seines Kontrahenten Ouattara anzuerkennen. Ouattara gewann mit 54 % der Stimmen, aber Gbagbo hielt an der Macht  fest. Nach der Weigerung Gbagbos aus dem Amt zu scheiden, brachen gewaltsame Auseinandersetzungen aus.

Gbagbo und seine Familie verschanzten sich im Präsidentenpalast in Abidjan. Anhänger von Ouattara eroberten schließlich mithilfe der UN und französischen Truppen Abidjan und nahmen Gbagbo nach mehreren Wochen schwerer Kämpfe am 11. April fest.  Das Verfassungsgericht erklärte Ouattara daraufhin offiziell zum Präsidenten und setze die Amtseinführung an. Der international als Sieger der Wahl anerkannte Alassane Ouattara wurde am Samstag in sein Amt eingeführt.

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