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Tuesday, 2012-10-02

Madagaskar: Herzchirurgie für Kinder und Katastrophenvorsorge

September 2012: Madagaskar ist eines der ärmsten und in Bezug auf Naturkatastrophen eines der am meisten gefährdeten Länder der Erde. Insbesondere in den ländlichen Gebieten haben die Menschen oftmals keinen oder nur schwer Zugang zu medizinischer Versorgung. „Ärzte der Welt“ führt vor Ort Projekte zur Katastrophenvorsorge durch, kümmert sich um die Gesundheitsversorgung von Gefangenen und hilft Kindern mit Herzfehlern, die eine Operation benötigen.

cc Bruno Fert

AKTIVITÄTEN
Katastrophenvorsorge in ländlichen Gebieten
Madagaskar liegt zwischen zwei tropischen Zonen. Deshalb ist es besonders anfällig für Wetterextreme und zudem einer Vielzahl von Naturkatastrophen ausgesetzt.  Nach mehreren Soforthilfeeinsätzen infolge von Naturkatastrophen beschloss „Ärzte der Welt“ die Katastrophenvorsorge in besonders betroffenen Gebieten zu verbessern und startete mehrere Pilotprojekte.

Um ländliche Gemeinden besser auf die möglichen Folgen einer Naturkatastrophe vorzubereiten werden insbesondere Gesundheitszentren und lokale Gemeindekomitees nachhaltig in ihrer Handlungsbereitschaft gestärkt. Neben der Einführung von epidemiologischen Überwachungsprotokollen in den Gesundheitseinrichtungen liegt ein Schwerpunkt des Projekts auf der Ausbildung von Rettungskräften und der Versorgung und Weiterleitung von Verletzten. Für den Notfall wurden darüber hinaus, unter Einbeziehung aller Beteiligten, Karten gefährdeter Gebiete, gemeindebasierte Frühwarnsysteme sowie Aufklärungskampagnen (z.B. mithilfe lokaler Radiostationen) und Vorgehensweisen definiert.

Herzchirurgie für Kinder
In der Hauptstadt Antananarivo führt „Ärzte der Welt“ ein Programm für madegassische Kinder mit Herzfehlern durch. Internationale Spezialisten-Teams führen in Zusammenarbeit mit madegassischen Ärzteteams vor Ort Herzoperationen durch und stellen somit oftmals die einzige Hoffnung auf Überleben für diese Kinder dar.
Kinder, die eine komplizierte Herzoperation benötigen, werden mithilfe mehrerer Partnerorganisationen im Ausland operiert. Ein mittelfristiges Ziel ist es, ein madagassisches Chirurgen-Team zusammenzustellen, das weitere Kardiologen und Chirurgen vor Ort schult.

Ausbildung von und medizinische Versorgung für Häftlinge
In 24 Gefängnissen bieten wir Häftlingen medizinische Versorgung, bilden Pflegekräfte aus und unterstützen lokale Vereine, die die Menschen rechtlich betreuen und auf ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereiten. In Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren,  z.B. dem Schweizer Roten Kreuz, unterstützt „Ärzte der Welt“ das Justizministerium dabei, humane Haftbedingungen für Gefangene in Madagaskar zu gewährleisten. Parallel  hierzu leistet „Ärzte der Welt“ Lobbyarbeit, um die Haftbedingungen von Gefangenen, insbesondere im Hinblick auf die Überfüllung der Gefängnisse, die sanitären Verhältnisse und die Menschenrechte zu verbessern.

ERGEBNISSE 2012
Im Projekt zur Prävention von Katastrophen wurden folgende Ergebnisse erreicht:
-    47 traditionelle Heiler wurden in Erster Hilfe geschult.
-    159 Rettungskräfte des madegassischen Roten Kreuzes wurden geschult, um für die Verwundeten in sechs Gesundheitszentren zu sorgen
-    16 Radiosendungen zur Sensibilisierung der Menschen wurden ausgestrahlt
Im Programm für Kinder mit Herzfehlern wurden 2011 insgesamt 560 Patienten untersucht. In der Folge wurden 29 Kinder am offenen Herzen und 20 Kinder am geschlossenen Herzen operiert.  Zwei lokale Chirurgen und ein Kardiologe erhielten Schulungen zum Thema „geschlossene Herzoperationen“.

Insgesamt 5.600 Insassen in 24 Gefängnissen profitierten im Jahr 2011 von unserem Projekt zur medizinischen Versorgung von Häftlingen und zur Verbesserung der Haftbedingungen.

AUSSICHT
2012 will „Ärzte der Welt“ vor allem den Wissenstransfer verstärken. Neben lokalen Partnerorganisationen stehen dabei vor allem die Aufsichtsbehörden im Fokus unserer Strategie. Darüber hinaus sollen vermehrt Schulungen für madegassische Fachkräfte durchgeführt werden, um die lokalen Spezialisten in die Lage zu versetzen selbst herzchirurgische Operationen durchzuführen.

Gegen Ende des Jahres plant „Ärzte der Welt“ sich aus Madagaskar zurückzuziehen und die Projekte an lokale Partner zu übergeben.

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