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Monday, 2011-06-20

Palästinensische Gebiete: Eingeschränkter Zugang kostet 4,5 Millionen Dollar pro Jahr

Israel / Palästinensische Autonomiegebiete: Eine neue Studie beziffert die Kosten des eingeschränkten Zugangs zu den palästinensischen Autonomiegebieten auf 4,5 Millionen Dollar pro Jahr. Am 8. Juni veröffentlichte die Association of International Development Agencies (AIDA), eine Koalition von über 80 internationalen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, ihren Bericht über die Folgen der eingeschränkten Bewegungsfreiheit und des schlechten Zugangs zu den palästinensischen Autonomiegebieten durch Israel.

Laut AIDA kostet diese Politik die Geldgeber und ihre Steuerzahler mindestens 4,5 Millionen Dollar (rund 3 Millionen Euro) pro Jahr. Ferner behindern diese Blockaden humanitäre und entwicklungspolitische Aktivitäten und verhindern, dass Hilfslieferungen diejenigen erreichen, die sie am dringendsten benötigen.

In dem 13-seitigen Bericht "Restricting Aid - The Challenges of Delivering Assistance in the Occupied Palestinian Territory” fordert AIDA die internationale Gemeinschaft auf, Israel zur Aufhebung der Blockade zu bewegen. Diese Barrieren behindern den freien Warenverkehr und den Zugang der humanitären Helfer zu und zwischen den Gemeinden der besetzten Gebiete.

Die Entwicklungshilfeorganisationen erleben häufig, dass diese Einschränkungen den Zugang zu Hilfsangeboten erschweren. Diese werden dringend benötigt - einer von vier Palästinensern lebt unterhalb der Armutsgrenze1.

Die Einschränkungen vor Ort berauben die Bevölkerung von Gaza einer echten Entwicklung. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung ist auf die humanitäre Hilfe angewiesen. Wir verlieren Zeit und Geld, weil unser Personal und die Materialien, die wir für die Umsetzung unserer Programme benötigen, weder nach Gaza hinein bekommen noch heraus bekommen“, sagt Kathy Joubeh von der Organisation „Medical Aid for Palestinians“ (MAP).

Die Auswirkungen der Zugangsbeschränkungen im Gazastreifen sind weitgehend bekannt, doch auch in einigen Gebieten des Westjordanlands wird die Umsetzung wichtiger Hilfsprogramme erschwert. Vor Ort tätige Hilfsorganisationen sind der Ansicht, dass die Bevölkerung in der „Seam Zone“ (eine geschlossene Sperrzone, die sich zwischen der Waffenstillstandslinie von 1949 und der Mauer befindet) sowie die Beduinen und Bauern im Jordantal mit ähnlichen Problemen kämpfen wie die Menschen in Gaza. Beispielweise berichten 79 Prozent der Beduinen und Bauern im Jordantal, dass sie nicht genügend Nahrung haben2.

Momentan gibt es viele Hindernisse, die es uns unmöglich machen, das Leben von tausenden von Menschen wesentlich zu verbessern: Die Menschen haben keinen Zugang zu Gesundheitszentren, zu Schulen oder zu landwirtschaftlichen Flächen, die aber für ihr Überleben notwendig sind. Wir können nicht hinnehmen, dass wir nur in den Regionen arbeiten dürfen, für die wir eine Erlaubnis bekommen. Die Hilfe muss gerade diejenigen erreichen, die sie am nötigsten brauchen“, erklärt Stéphane Vinhas, Koordinator von Ärzte der Welt Frankreich in Jerusalem.

Die Studie weist auch darauf hin, dass die bürokratischen Anforderungen für die Registrierung von Hilfsorganisationen von Seiten der Palästinensischen Autonomiebehörde wie auch der Hamas die Hilfseinsätze der AIDA Mitglieder erschweren.

Der Verband der Internationalen Development Agencies (AIDA) ist ein Forum für die Koordinierung internationaler Nichtregierungsorganisationen, die ein gemeinsames Interesse an der Förderung einer angemessenen Entwicklung und der Umsetzung von humanitären Programmen in den besetzten palästinensischen Gebieten haben. Seine wichtigsten Aufgaben sind Aktionsnetzwerke aufzubauen, den Informationsaustausch zu erleichtern und die Öffentlichkeitsarbeit, Sicherheit und Ausbildung zu fördern.
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1. Palestinian Central Bureau of Statistics, ‘Poverty in the Palestinian Territory, 2009 -2010’, Press Release, (10 April 2011).

2. UNRWA, UNICEF and WFP, ‘Food Security and Nutrition Survey for Herding Communities in Area C’, Joint Household Survey, (February 2010)

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