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Aufbau eines gerechten Gesundheitssystems

(c) Remy Courgeon

 

Lobbyarbeit für die kostenlose Versorgung von Schwangeren und Kindern unter fünf Jahren

Zwei Jahre nach dem Erdbeben kommt der Aufbau des haitianischen Gesundheitssystems nur schleppend voran: Viele Monate hatte Haiti keine funktionierende Regierung. Dazu kommt, dass das Gesundheitssystem bereits vor der Katastrophe völlig unzureichend war. Dies hat den Wiederaufbau in diesem Bereich sehr verlangsamt. Nötig ist ein System, das den schwächsten Bevölkerungsgruppen, also Schwangeren und Kindern unter fünf Jahren, den Zugang zu Gesundheitsversorgung möglich macht.

Hierfür ist die Kostenfreiheit für Schwangere und Kinder unter fünf Jahren entscheidend. Dies zeigt die Praxis: Zwischen den Jahren 2006 und 2009 konnte eine Pilotstudie von ‚Ärzte der Welt‘ in Grande Anse nachweisen, dass ein kostenfreier Zugang einen positiven Einfluss darauf hat, ob Menschen Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch nehmen.

In Haiti müssen Patienten ihre medizinische Behandlung selbst bezahlen. Dies kann dazu führen, dass Menschen wichtige Vorsorgeuntersuchungen oder Behandlungen nicht in Anspruch nehmen: Daher darf gerade vulnerablen Bevölkerungsgruppen der Zugang zur Gesundheitsversorgung nicht erschwert werden.

Ende 2011 führten die Teams von ‚Ärzte der Welt‘ eine erneute Studie über die Kosten für Leistungen der medizinischen Grundversorgung in der Region Goâve durch. Sie zeigt eine effizientere Nutzung von allen vorhandenen Ressourcen in den Strukturen, die einen kostenfreien Zugang zur Gesundheitsversorgung eingeführt hatten.

Also eine überzeugende Strategie: Das hat auch das haitianische Gesundheitsministerium erkannt und übernimmt heute immer mehr Initiativen und Projekte, in denen Schwangere und Kinder unter fünf Jahren kostenfrei Zugang zu basismedizinischer Versorgung erhalten.

 

Beispiele hierfür sind:

  • In einer interministeriellen Arbeitsgruppe wird ein nationales Sozialversicherungssystem für die Gesundheitsversorgung diskutiert.
  • Das Projekt „Manman ak timoun an santé“3, das von der WHO gefördert wird, bietet in etwa sechzig Krankenhäusern im gesamten Land Geburtshilfe und medizinische Leistungen für Kinder an. Haiti beabsichtigt, dieses System schrittweise auch auf alle staatlichen Gesundheitseinrichtungen auszuweiten.

Die Erfahrungen von „Manman ak timoun an santé“ stellen einen wichtigen Schritt in Richtung eines gerechteren medizinischen Versorgungssystems dar. ‚Ärzte der Welt‘ setzt sich dafür ein, dass dieses Projekt als grundlegendes Element in das zukünftige staatliche Gesundheitssystem integriert wird und langfristig eine Finanzierung erhält.

Die sogenannte Politik der „Kostenfreiheit“ verbessert, wenn sie langfristig finanziert wird und gut geplant ist, den Zugang zur Gesundheitsversorgung in beträchtlichem Maße. ‚Ärzte der Welt‘ engagiert sich daher für eine Politik, die Schwangere und Kinder unter fünf Jahren in ganz Haiti kostenlosen Zugang zu Gesundheitsversorgung gewährt. Der haitianische Staat und seine internationalen Geldgeber müssen schnell die Mittel bereitstellen, die nötig sind, damit die schwächsten Bevölkerungsgruppen kostenlos behandelt werden können.


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