Die Cholera breitet sich aus

- (c) Remy Courgeon
Seit dem Beginn der Epidemie im Oktober 2010 sind mehr als eine halbe Million Haitianer an Cholera erkrankt. Bis Ende November 2011 wurden mehr als 6 900 Todesfälle2 gemeldet. ‚Ärzte der Welt‘ mobilisierte bei Ausbruch der Cholera sofort seine Mitarbeiter und logistischen Ressourcen, um die Krankheit einzudämmen. Ein Jahr später sind sowohl Prävention als auch die Behandlung von Cholera ein integraler Bestandteil aller Programme von ‚Ärzte der Welt‘ in Haiti.
Laut Experten wird die Cholera aber sicher noch zwei bis drei Jahre eine Epidemie bleiben, bevor sie wieder abklingt. Obwohl heute ein Rückgang der Neuerkrankungen feststellbar ist, traten im Jahr 2011 aber weiterhin gravierende Fälle auf, beispielsweise in Port-au-Prince oder im Westen des Landes. In der Hauptstadt konnte dank der Präsenz zahlreicher humanitärer Helfer die Sterberate rasch eingedämmt werden. Dies ist in ländlichen Gebieten wie in Grande Anse, die isoliert und medizinisch unterversorgt sind, nicht so schnell gelungen. Deshalb unterstützt ‚Ärzte der Welt‘ gerade diese abgelegenen Gebiete.
‚Ärzte der Welt‘ bindet die verschiedenen haitianischen Gemeinden in die Programmarbeit ein. Dies sehen wir als unabdingbar an, um die Verbreitung der Epidemie zu bekämpfen. Unsere Teams senden Botschaften aus, die die Bevölkerung über die Ansteckungsgefahren und den Krankheitsverlauf aufklären und verteilen Schutz- und Hygienekits. Außerdem beobachten sie genau die Entwicklung der Krankheit und überweisen Kranke bei Verdachtsfällen in ein nahe gelegenes Cholerazentrum. Während Hausbesuchen, bei Gemeindeversammlungen und in Workshops, die in Schulen organisiert werden, erklären die Teams, wie man sich vor der Krankheit schützen kann, welche Symptome es gibt und was im Ansteckungsfall zu tun ist. Die Inhalte werden auch über die Radiosender der Gemeinden verbreitet.
‚Ärzte der Welt‘ arbeitet hier, wie in allen seinen Projekten, eng mit den haitianischen Gesundheitsbehörden und mit örtlichen Partnern zusammen. Seit über 20 Jahren ist ‚Ärzte der Welt‘ vor Ort und die lang gewachsenen Partnerschaften mit haitianischen Nicht-Regierungsorganisationen und mit staatlichen Stellen bilden eine solide Grundlage für eine erfolgreiche Kooperation. So hat das haitianische Gesundheitsministerium im September 2011 mit Unterstützung von ‚Ärzte der Welt‘ eine Strategie beschlossen, die die Prävention und Behandlung von Cholera im gesamten Gesundheitssystem als Querschnittsaufgabe integriert.
Seit Oktober 2010 hat ‚Ärzte der Welt‘ 30 000 von der Cholera betroffene Patienten betreut.
‚Ärzte der Welt‘ ist in Port-au-Prince, in der Region Goâve, in Nippes(Miragoâne), in Mirebalais und Lascahobas sowie in Grande Anse im Einsatz:
- 15 mobile Einheiten zur Behandlung von Cholera
- 3 Zentren zur Behandlung von Cholera
- 28 Anlaufstellen für orale Rehydratation
Das Verhältnis der Cholera Todesfälle zur Anzahl der Erkrankten (Letalitätsrate) hat im landesweiten Durchschnitt 1,4% erreicht, unterscheidet sich jedoch stark von Region zu
Region: In Port-au-Prince liegt sie bei 0,7%, während sie in Grand Anse 4,1% beträgt.


