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Ärzte der Welt-Mitarbeiterin berät Patientin. Foto: David Gohlke/Ärzte der Welt

Psychologische Versorgung von Patienten durch Ärzte der Welt

Mentale Gesundheit: Unsichtbare Wunden behandeln

In den meisten Teilen der Welt gibt es kaum die nötigen Möglichkeiten und Kapazitäten, um Kindern, Frauen und Männern mit psychischen Krankheiten oder mentalen Problemen adäquat zu helfen. Psycholog(inn)en und Psychiater/-innen von Ärzte der Welt behandeln die Menschen in den Projekten durch verschiedene Angebote.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Ländern mit weniger als einem Psychiater pro 100.000 Menschen. Einer von drei Flüchtlingen in den Camps auf der griechischen Insel Chios wurde Zeuge eines Selbstmords. Sierra Leone hat nur zwei Psychiater, die der Bevölkerung helfen, den Schock und der Trauer nach der Ebola Epidemie zu bewältigen.

Die Teams von Ärzte der Welt arbeiten in über 80 Ländern der Welt und oft gehören Psychologen und Psychiater zum Team. Sie versuchen, die unsichtbaren Wunden der Menschen zu behandeln wie beispielsweise Traumata, Depressionen, Angststörungen. Wir zeigen einige Beispiele unserer Arbeit.

 

Griechenland

Psychologin in Griechenland heitert während einer Behandlung ein Kind auf. Foto: Ärzte der Welt
Psychologin in Griechenland heitert während einer Behandlung ein Kind auf. Foto: Ärzte der Welt

Zehntausende Geflüchtete sitzen in den griechischen Camps unter unerträglichen Bedingungen fest. Unter unsicheren und unsauberen Zuständen müssen sie ausharren, bis darüber entschieden wurde, ob sie in die Türkei zurückkehren müssen oder nach Europa weiterreisen dürfen. Der EU-Türkei-Deal aus dem Jahr 2016 hat einen enormen Rückstau bei der Bearbeitung von Asylanträgen verursacht, immer mehr Menschen müssen in den beengten Lagern leben.

Diese Männer, Frauen und Kinder leiden zunehmend an psychologischen Problemen wie etwa Selbstverletzung, Depression, Aggression, Angstattacken. Selbstmordversuche häufen sich. Unsere Psychologen arbeiten in Einzel- und Gruppensitzungen mit den betroffenen Menschen.

Ukraine

Ludmila, Patientin in Luhansk, Ukraine. Foto: Ärzte der Welt
Ludmila, Patientin in Luhansk, Ukraine. Foto: Ärzte der Welt

In den Städten nahe der ukrainischen „Kontakt-Linie“, dem Frontverlauf dieses seit 2014 dauernden Konflikts, hört man in der Nacht die Einschläge der Bomben. Während viele jungen Menschen die Gegend verlassen haben, sind die meisten alten Menschen oft nicht dazu in der Lage. In diesen Geisterstädten sind die Menschen insoliert und leiten unter Angst- und Panikattacken sowie Schlaflosigkeit.

Ärzte der Welt arbeitet seit 2015 in der Region Luhansk im Osten der Ukraine. Unsere Psychologen kommen mit den mobilen Kliniken in die Dörfer und helfen den Menschen wie Ludmila, die einen Nervenzusammenbruch als Folge des militärischen Konflikts erlitt. „Seit ich das erste Mal Kontakt mit einem Psychologen hatte, fühle ich mich, als gäbe es eine helfende Hand, nach der ich greifen konnte“, sagt sie.

Nepal

Team mit Frauengruppe in Sindhupalchock, Nepal. Foto: Ärzte der Welt
Team mit Frauengruppe in Sindhupalchock, Nepal. Foto: Ärzte der Welt

2015 erschütterte ein Jahrhundert-Beben Nepal und tötete 8.500 Menschen. Auch Jahre später haben sich die Menschen in Sindhupalchock, der am schwersten betroffenen Region, noch nicht von den psychologischen Folgen des Erdbebens erholt. Die Menschen dort berichten, dass psychologische Probleme und Alkoholprobleme zunähmen, auch weil viele Menschen bisher nicht in der Lage seien, ihre Häuser wieder aufzubauen und neu anzufangen.

Ein Ärzte der Welt -Team für mentale Gesundheit besucht die Menschen in den Dörfern. Es veranstaltet Workshops für die Frauen, denen Ärzte der Welt mit Mikro-Krediten hilft. Die Organisation baut Gesundheitsstationen und bietet den Menschen psychologische Beratung an.

Libanon

Arzt untersucht Frau im Bekaa-Tal, Libanon. Foto: Ärzte der Welt
Arzt untersucht Frau im Bekaa-Tal, Libanon. Foto: Ärzte der Welt

Etwa ein Fünftel der derzeitigen Bevölkerung im Libanon sind Geflüchtete aus Syrien. Viele dieser Menschen haben traumatische Erfahrungen gemacht und leben jetzt in Flüchtlingscamps. Die Versorgung von psychologischen Krankheiten ist im Libanon weitestgehend privatisiert und auf die Hauptstadt Beirut konzentriert. Generell gibt es zu wenige Psychologen und Psychiater. Als Folge haben viele Geflüchtete, die etwa unter den Folgen einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, niemanden, an den sie sich wenden können.

Unsere Psychologen im Bekaa-Tal behandeln Geflüchtete, darunter viele Kinder. Wir arbeiten zusammen mit der libanesischen Regierung daran, eine Abteilung für mentale Gesundheit im öffentlichen Krankenhaus in Beirut einzurichten.

Palästinensische Gebiete

Ende 2017 war der Nahostkonflikt wieder aufgeflammt, nachdem Präsident Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannte. Mahmoud Isleem, der Koordinator des Ärzte der Welt-Projekts in der Region Nablus, erklärt wie wir Gewaltopfern im Westjordanland unter anderem mit psychosozialer Versorgung helfen.

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Projektkoordinator Mahmoud Isleem erklärt wie Ärzte der Welt Gewaltopfern im Westjordanland helfen.

 

 

Deutschland

Psychiaterin, Dolmetscherin und Geflüchteter im Gespräch, München. Foto: Mike Yousaf
Psychiaterin, Dolmetscherin und Geflüchteter im Gespräch, München. Foto: Mike Yousaf

Auch viele Menschen in Deutschland haben keine oder nur einen erschwerten Zugang zu psychiatrischer oder psychologischer Versorgung: Deutsche ohne Krankenversicherung, EU-Bürger und Geflüchtete stehen oft vor großen bürokratischen Hürden, wenn sie oder ihre Kinder Hilfe in diesem Bereich brauchen. Dabei haben gerade Menschen in Notsituationen ein erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken. Einige leiden unter Posttraumatischen Belastungsstörungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken.

Ärzte der Welt bietet in seinen open.med-Praxen in München und Berlin psychologische und psychiatrische Sprechstunden an, kostenlos und anonym.

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