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Frauen und Kinder im Ghetto von Nedejda. Foto: Ärzte der Welt

Bulgarien: Hilfe im Problemviertel Nadejda

Bulgarien

25.000

Vor allem Roma leben im Ghetto Nadejda

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der Schwangerschaften wird abgebrochen

Die Situation

Sexuelle und Reproduktive Gesundheit

 

In Bulgarien sind die Müttersterblichkeit und die Abtreibungsraten doppelt so hoch wie im übrigen Europa — fast ein Drittel der Schwangerschaften werden in Bulgarien abgebrochen.

In der Stadt Sliwen, im Problemviertel Nadejda, ist der Zugang zu Gesundheitsversorgung für ausgegrenzte Roma, die in extremer Armut leben, besonders schwierig. 70 Prozent sind nicht sozialversichert. Die Frühschwangerschaftsrate, also die von Frauen unter 20 Jahren ausgetragenen Schwangerschaften, liegt bei 27,5 Prozent. Die Zahl der Abtreibungen liegt in Sliwen bei 491 pro 1.000 Lebendgeburten und ist eine der höchsten im Land. 

 

2017 haben 194 Mädchen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren Geburten im Sliwen Hospital zur Welt ausgetragen. Obwohl Abtreibung in Bulgarien legal ist, bleibt sie aufgrund der hohen Kosten für die große Mehrheit der Einwohner*innen von Nadejda unzugänglich, ebenso wie die Empfängnisverhütung.  

 

Migration und Gesundheit

 

2016 kamen vergleichsweise viele Asylsuchende nach Bulgarien. 2017 und 2018 sank die Zahl der Geflüchteten deutlich, nachdem die Grenzen geschlossen und Abschiebungen forciert wurden. Etwa 860 Menschen sind in einem der sechs Aufnahme- und Registrierungszentren (RRC) des Landes untergebracht — darunter 60 unbegleitete Minderjährige. Die Lebensbedingungen sind hart, da die Lager überfüllt sind und die Menschen unter unhygienischen Bedingungen leben müssen. Oft sind sie Anfeindungen aus der bulgarischen Bevölkerung ausgesetzt. Hinzu kommt ein Mangel an Ärzt*innen im Land, der den allgemeinen Zugang zur Gesundheitsversorgung erheblich einschränkt.

Ärzte der Welt unterstützt Roma durch medizinische Beratungsangebote. Foto: Ärzte der Welt
Ärzte der Welt unterstützt Roma durch medizinische Beratungsangebote. Foto: Ärzte der Welt

Unsere Hilfe

FRAUEN & KINDER

Familienplanung

 

Ärzte der Welt ist seit 2004 im Problemviertel Nadejda tätig und betreibt ein Informations- und Beratungszentrum für sexuelle und reproduktive Gesundheit. Bewohner*innen werden dort für die Bedeutung von Familienplanung sensibilisiert und über ihren Leistungsanspruch bei den öffentlichen Gesundheitsdiensten informiert. Sie können moderne Verhütungsmethoden (Spirale, Pille, Kondom) kostenlos in Anspruch nehmen.

Ein Ziel ist es, Familien für gynäkologische und familienplanerische Beratungen aus dem Ghetto in die Stadt zu holen. Auch Bewohner der umliegenden, verarmten Dörfer können die Beratungsangebote in Anspruch nehmen. In den Gassen von Nadejda wird zugleich eine langfristige und komplexe Sensibilisierungskampagne durchgeführt, um Frauen zu stärken und Widerstände und Ängste vor Arztterminen zu überwinden.

 

2017 wurden 1.157 Gespräche zur Familienplanung geführt und 317 Frauen an Gynäkolog*innen überwiesen.

 

MIGRANTEN & FLÜCHTLINGE

Verbesserung des Gesundheitszugangs für Geflüchtete

 

2016 lancierte Ärzte der Welt ein Projekt zur Unterstützung von Migrant*innen in Bulgarien. Um schnell auf den steigenden medizinischen Bedarf reagieren zu können, wurden drei mobile medizinische Teams zusammengestellt. Sie unterstützen Ärzt*innen, die in Aufnahme- und Registrierungszentren tätig sind, um die Qualität der medizinischen Grundversorgung und den allgemeinen Zugang zu verbessern. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Schutz unbegleiteter Minderjähriger.

 

2017 konnten 7.119 Migrant*innen behandelt werden. 500 Konsultationen wurden für unbegleitete Minderjährige durchgeführt. 80 Gespräche wurden zum Thema Familienplanung geführt.

 

Update: Aufgrund des deutlichen Rückgangs der Zahl der Migrant*innen im Land hat Ärzte der Welt die Aktivitäten stark reduziert, unterhält jedoch eine Gesundheitswache in den Aufnahmezentren. Parallel dazu werden weiterhin lokale Teams ausgebildet, die sich u.a. im Bereich geschlechtsspezifische Gewalt engagieren.

Geflüchtete in Bulgarien. Foto: Olivier Papegnies
Geflüchtete in Bulgarien. Foto: Olivier Papegnies

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