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Ein Kind vor ihrem zerstörten Zuhause in Nepal © Olivier Papegnies

Ursachen, Folgen und Nothilfe
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Erdbeben gehören zu den verheerendsten Naturkatastrophen der Welt. Innerhalb weniger Sekunden können sie Häuser, Straßen und ganze Städte zerstören. Für die Überlebenden beginnt danach oft eine langanhaltende Krise: Viele haben ihr Zuhause und ihre Existenzgrundlage verloren. Besonders schwer trifft es auch die Gesundheitssysteme. Krankenhäuser und Gesundheitszentren werden beschädigt oder zerstört, Medikamente und medizinische Ausrüstung gehen verloren.

Ärzte der Welt leistet nach Erdbeben medizinische Nothilfe und unterstützt die Menschen vor Ort. Ihre Spende hilft uns dabei, Menschen nach Erdbeben mit medizinischer Hilfe, Medikamenten und psychosozialer Unterstützung zu versorgen und die Gesundheitsversorgung vor Ort wiederaufzubauen.

Zerstörung nach Erdbeben in Venezuela © Ärzte der Welt
Zerstörung nach Erdbeben in Venezuela © Ärzte der Welt

Tausende Tote nach Erdbeben befürchtet

Am 24. Juni haben zwei starke Erdbeben Venezuela erschüttert. Auch die Hauptstadt Caracas ist betroffen. Die Teams von Ärzte der Welt sind vor Ort und leisten Nothilfe.

Die zwei Erdbeben mit der Stärke von 7,2 und 7,5 haben am 24. Juni um kurz nach 18 Uhr Ortszeit tausende Gebäude zum Einsturz gebracht und Infrastruktur zerstört. Durch die Beben sind bisher über 5.200 Menschen zu Tode gekommen. Weiterhin werden Zehntausende vermisst. Als Folge der Erdbeben breiten sich nun Infektionskrankheiten aus.

Die Teams von Ärzte der Welt sind bereits seit Jahren in Venezuela tätig und haben sofort die Nothilfemaßnahmen gestartet. Priorität haben dabei die Wiederherstellung der medizinischen Grundversorgung sowie die Versorgung schwangerer Frauen und die psychosoziale Betreuung traumatisierter Menscheninsbesondere in den informellen Notunterkünften, in denen viele Menschen Zuflucht gefunden haben.

Unterstützen sie die Menschen in Venezuela mit Ihrer Spende.

Unsere Erdbebenhilfe

Wenn im Katastrophenfall in den ersten 24 Stunden geholfen wird, etwa durch die Verteilung von sauberem Wasser, Decken und Medikamenten, sprechen wir von Soforthilfe. Ist Ärzte der Welt bereits in der betroffenen Region tätig, leisten auch wir innerhalb kürzester Zeit diese Art Nothilfe. Unsere Stärke liegt außerdem in der strukturellen Unterstützung des Gesundheitssystems – ob bei Einsätzen nach Naturkatastrophen oder in langfristigen Krisen. So stellen wir sicher, dass unsere Hilfe nachhaltig wirkt:

Bedarfsgerecht und koordiniert

In Abstimmung mit Behörden und anderen Organisationen helfen wir genau dort, wo wir gebraucht werden.

Strukturell

Wir fangen nicht von Null an, sondern unterstützen die vorhandene Infrastruktur, zum Beispiel bestehende Gesundheitseinrichtungen.

Flexibel

Unsere mobilen Teams bringen die Hilfe zu den Menschen und können Einsatzorte schnell anpassen.

Langfristig

Nach der Soforthilfe bleiben wir vor Ort. Auch in Krisen, über die kaum jemand mehr berichtet, helfen wir weiter.

Wie entstehen Erdbeben?

Erdbeben entstehen, wenn sich Spannungen in der Erdkruste plötzlich entladen. Die Erdkruste besteht aus mehreren tektonischen Platten, die sich ständig bewegen. Stoßen diese Platten zusammen oder verschieben sich gegeneinander, bauen sich enorme Kräfte auf.

Werden diese ruckartig freigesetzt, erschüttert ein Erdbeben die Erdoberfläche. Die meisten Beben sind kaum spürbar, doch starke Erdbeben können innerhalb weniger Sekunden verheerende Schäden anrichten, ganze Regionen verwüsten und das Leben von Millionen Menschen nachhaltig verändern.

Freiwillige suchen nach dem Erdbeben in Venezuela in den Trümmern nach Überlebenden. ©Alex Zapico
©Alex Zapico

Was sind Folgen von Erdbeben?

Die Auswirkungen von Erdbeben reichen weit über die unmittelbaren Zerstörungen hinaus. Starke Erschütterungen können Häuser zum Einsturz bringen, Straßen und Brücken zerstören sowie die Versorgung mit Wasser, Strom und medizinischer Hilfe unterbrechen. In einigen Fällen lösen Erdbeben zusätzlich Tsunamis oder Erdrutsche aus, die weitere verheerende Schäden verursachen können.

Wie schwer die Folgen eines Erdbebens ausfallen, hängt jedoch nicht allein von seiner Stärke ab. Entscheidend sind auch Faktoren wie die Bevölkerungsdichte, die Qualität der Infrastruktur und die vorhandenen Katastrophenschutzmaßnahmen. Besonders in Regionen, in denen viele Menschen in Armut leben, können selbst vergleichsweise schwächere Erdbeben schwerwiegende Folgen haben: Menschen verlieren ihr Zuhause, ihre Lebensgrundlage und den Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung. Hinzu kommen die psychischen Belastungen durch den Verlust von Angehörigen, Obdachlosigkeit und die Angst vor weiteren Erschütterungen.

Nach einem Erdbeben beginnt deshalb ein Wettlauf gegen die Zeit. Überlebende müssen geborgen und versorgt, Notunterkünfte eingerichtet und die Grundversorgung sichergestellt werden. Gleichzeitig können Nachbeben die Rettungsarbeiten erschweren und die betroffene Bevölkerung weiterhin gefährden.

Türkei

Mitten im Erdbeben: Yesim Kapi berichtet

Das Haus von Yesim Kapi und ihrer Familie wurde bei dem Erdbeben Anfang 2023 zerstört. © Huseyin Aldemir
© Huseyin Aldemir

„Während des Erdbebens konnten wir nur noch an den Tod denken. Wir dachten, unser Haus würde einstürzen und wir würden sterben. Also begannen wir zu beten. Ich hatte mein sieben Monate altes Baby in meinen Armen. Nachdem wir uns ins Freie retten konnten, herrschte totales Chaos. Es gab keinen Strom. Die ganze Nachbarschaft war draußen im Regen. Wir versuchten, unsere Kinder vor Nässe und Kälte zu schützen…

„Während des Erdbebens konnten wir nur noch an den Tod denken. Wir dachten, unser Haus würde einstürzen und wir würden sterben. Also begannen wir zu beten. Ich hatte mein sieben Monate altes Baby in meinen Armen. Nachdem wir uns ins Freie retten konnten, herrschte totales Chaos. Es gab keinen Strom. Die ganze Nachbarschaft war draußen im Regen. Wir versuchten, unsere Kinder vor Nässe und Kälte zu schützen. Wir wussten nicht, was wir tun sollten. Es waren schwangere Frauen dabei.

Mein sieben Monate alter Sohn Zümrüt erkrankte an Bronchitis. Nachdem ich vergeblich versucht hatte, in unserer Region medizinische Hilfe zu bekommen, hörte ich, dass Ärzte der Welt mit mobilen Teams vor Ort ist. Ich habe Zümrüt sofort zu ihnen gebracht. Sie haben sich sehr gut um mein Kind gekümmert.

Die Mitarbeitenden von Ärzte der Welt haben uns die Kraft gegeben, unsere Hoffnung inmitten dieser Katastrophe aufrechtzuerhalten. Das Team hat viele unserer Kinder vor ansteckenden Krankheiten bewahrt. Es hat unser Vertrauen wiederhergestellt. Einfach nur dadurch, dass uns jemand zuhört und uns hilft. Schon dieses Gefühl hat so gut getan.“

Yesim Kapi, 30 aus Samadag in der Provinz Hatay

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Beispiele für unsere Erdbebenhilfe

Venezuela

Nach dem Erdbeben in Venezuela suchen Rettungskräfte verzweifelt in den Trümmern nach Überlebenden. ©Alex Zapico

Am 24. Juni 2026 haben zwei starke Erdbeben Venezuela erschüttert. Auch die Hauptstadt Caracas ist betroffen. Durch die Beben sind bisher über 5.200 Menschen zu Tode gekommen. Weiterhin werden Zehntausende vermisst. Als Folge der Erdbeben breiten sich nun Infektionskrankheiten aus.

Die Teams von Ärzte der Welt sind bereits seit Jahren in Venezuela tätig und haben sofort die Nothilfemaßnahmen gestartet. Priorität haben dabei die Wiederherstellung der medizinischen Grundversorgung sowie die Versorgung schwangerer Frauen und die psychosoziale Betreuung traumatisierter Menschen – insbesondere in den informellen Notunterkünften, in denen viele Menschen Zuflucht gefunden haben.

Türkei und Syrien

Türkei: Ein Kind und eine Frau sitzen in einem Zelt nach den schweren Erdbeben in der Türkei und Syrien. © Olivier Papegnies
© Olivier Papegnies

Nach dem verheerenden Erdbeben Anfang Februar 2023, bei denen über 58.000 Menschen ums Leben kamen und Millionen obdachlos wurden, leistete Ärzte der Welt vom ersten Tag an Nothilfe in den betroffenen Gebieten. Auch in der Phase des Wiederaufbaus standen mobile medizinische Teams Überlebenden der Beben bei.

Allein 2024 haben die Teams
über 13.500 Überlebende der Erdbeben  in der Region Hatay in rund 35.000 Konsultationen beraten und behandelt
mehr als 2.400 Hygiene- und Schwangerschafts-Pakete verteilt
psychologische Sitzungen mit 1.365 Teilnehmenden durchgeführt

Myanmar

Eine mobile Klinik in Myanmar: Eine Mitarbeiterin von Ärzte der Welt spricht mit einer Patientin. Um sie herum stehen weitere Einwohner*innen. © Ärzte der Welt
© Ärzte der Welt

Am 28. März 2025 hat ein Erdbeben der Stärke 7,7 Südostasien erschüttert. Das Epizentrum lag in Myanmar in der Nähe der Großstadt Mandalay. Berichten zufolge starben über 3.800 Menschen, mehr als 5.400 wurden verletzt.

Ärzte der Welt richtete mobile Kliniken mit zwei Einsatzteams ein, die in drei Monaten 4000 Konsultationen durchführten. 2800 Menschen, die das Erdbeben überlebt hatten, erhielten in der Zeit grundlegende medizinische Versorgung, psychosoziale Unterstützung, Medikamente und Informationen, wie sie ihre Gesundheit in dieser Situation am besten schützen konnten. 180 Personen, die weitere Behandlung benötigten, konnten an andere Dienste überwiesen werden. Dank der mobilen Kliniken konnten Menschen in abgelegenen oder stark betroffenen Gebieten unterstützt werden.

Marokko

Feuerwehrleute im Einsatz nach einem verheerenden Erdbeben in Marokko.
© Marc Ferra

Am 9. September 2023 wurde Marokko von dem stärksten Erdbeben erschüttert, das jemals in dem Land gemessen wurde. Tausende Menschen verloren ihr Leben oder wurden verletzt. Noch heute sind die Auswirkungen sichtbar – und bei den Menschen spürbar. Viele leiden noch immer unter den psychischen Folgen dieser traumatischen Erfahrung.

Ärzte der Welt ist weiterhin täglich mit einer lokalen Partnerorganisation aktiv. Ein mobiles Einsatzteam ist in 28 Dörfern unterwegs, die von dem Erdbeben betroffen waren. In Gesprächsgruppen und Einzelberatungen bieten Psycholog*innen den Betroffenen Maßnahmen und Strategien an, die ihnen helfen, besser mit der schwierigen Lebenssituation umzugehen.

Haiti

Haiti: Mitarbeiter von Ärzte der Welt laden Pakete mit Hilfslieferungen aus einem Fahrzeug. © Berthony Raymond
© Berthony Raymond

Der Süden Haitis wurde am Samstag, 14. August 2021 von einem Erdbeben erschüttert worden. In der Nacht zu Dienstag traf der Tropensturm „Grace“ auf den Karibikstaat und sorgte für Überschwemmungen und weitere Verwüstungen. Mehrere Tausend Menschen starben. Dazu kamen Tausende Verletzte und immense Sachschäden, zerstörte Häuser, geborstene Straßen, gekappte Strom- und Wasserleitungen. Etwa 30.000 Familien wurden obdachlos.

In den ersten Tagen nach dem Beben haben die Ärzte der Welt-Teams die Situation vor Ort untersucht, um genau einschätzen zu können, welche Hilfe wo benötigt wurde. Besonders gebraucht wurden Trinkwasser, Lebensmittel, Hygiene- und Sanitärprodukte, wetterfeste Unterkünfte, Medikamente und medizinisches Material für Behandlungen und chirurgische Eingriffe und Blutkonserven.

Sie haben Fragen? Mein Team und ich sind für Sie da!

Claire Tilmann vom Team der Ärzte der Welt

Claire Tillmann

Teamleitung Spenderservice

Tel: +49 (0)89 45 23 081-23

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Unsere Antworten auf Ihre häufigsten Fragen

Die Richterskala misst die Stärke eines Erdbebens und wurde von Charles Francis Richter und Beno Gutenberg entwickelt. Sie basiert auf den Erschütterungen, die mit einem Seismometer aufgezeichnet werden. Dabei werden die maximale Bodenbewegung sowie die Entfernung zum Erdbebenherd berücksichtigt. Die Skala ist logarithmisch aufgebaut: Ein Erdbeben der Stärke 5 hat also einen zehnmal größeren Ausschlag als ein Beben der Stärke 4 und ist damit deutlich stärker. Bereits ab einer Magnitude von etwa 3 bis 3,5 sind Erdbeben oft spürbar, ab Stärke 5 werden Erdbeben in der Regel gefährlich.

Als zweite Wellen bezeichnet man bei Erdbeben die S-Wellen (Sekundärwellen). Sie entstehen am Erdbebenherd gemeinsam mit den P-Wellen (Primärwellen), breiten sich jedoch langsamer aus und treffen deshalb erst nach den Primärwellen an Messstationen ein. S-Wellen bewegen das Gestein quer zur Ausbreitungsrichtung und können sich nicht durch Wasser oder andere Flüssigkeiten ausbreiten. Der Zeitunterschied zwischen dem Eintreffen von P- und S-Wellen hilft Forschenden, die Entfernung zum Erdbeben und dessen Lage zu bestimmen.

Nachbeben sind Erdbeben, die nach dem Hauptbeben in derselben Region auftreten. Sie entstehen, weil sich die Spannungen in der Erdkruste nach dem ersten starken Beben nicht vollständig auf einmal entladen: Stattdessen verschieben sich die Gesteinsschichten weiter und passen sich an die neue Situation an.

Nachbeben sind meist schwächer als das Hauptbeben, können jedoch dennoch Schäden verursachen, vor allem an bereits beschädigten Gebäuden. Sie können Stunden, Tage, Wochen oder sogar Monate nach dem Hauptbeben auftreten und kommen oft mehrfach vor.

Auch in Deutschland treten regelmäßig Erdbeben auf, vor allem im Oberrheingraben, in der Niederrheinischen Bucht, auf der Schwäbischen Alb und im Vogtland. Die meisten sind jedoch so schwach, dass sie nur von Messgeräten registriert werden. Stärkere Beben mit Schäden sind selten.

Nothilfe zielt darauf ab, Menschen, die etwa von Naturkatastrophen, Krieg oder Epidemien betroffen sind, das kurz- und mittelfristige Überleben zu sichern. Humanitäre Nothilfe beinhaltet beispielsweise die Lieferung von Nahrung, Medikamenten, Zelten oder Präventionsmaßnahmen gegen die Ausbreitung von Krankheiten. Nothilfe bezieht sich meist auf einen Zeitraum von bis zu drei Jahren und kann eine Vorstufe der Entwicklungszusammenarbeit sein. Die Übergänge sind hierbei fließend. Erfahren Sie mehr über unsere Nothilfeprojekte hier.