Unser Kollege Eldar Hasanov erlebt wie Hunderttausende andere Menschen in den bombardierten Gebieten der Ukraine, wie herausfordernd das Leben gerade in diesem bitterkalten Winter ist. Für uns hat er den Alltag in der Extremsituation beschrieben:
„Dieser Winter hat die Situation im Hinblick auf die Stromversorgung nochmals deutlich erschwert. Aufgrund der ständigen Bombardierungen von Kraftwerken haben viele Ukrainer*innen manchmal nur bis zu fünf Stunden lang Strom. Die Stadt Dnipro, wo das Büro von Ärzte der Welt Deutschland ist, ist besonders stark betroffen. Das bedeutet, dass man maximal fünf Stunden Zeit hat, um Wäsche zu waschen, sich die Haare zu waschen, die Kinder zu waschen, Essen zu kochen und so weiter. Das gilt nur, wenn man zu Hause ist und nicht schläft, denn manchmal können diese kostbaren Stunden auch in die Nacht fallen.
Die Menschen leiden unter der Kälte
Anfang dieses Jahres gab es mehrere massive Stromausfälle. Das bedeutet: keine Internet- und Mobilfunkverbindung, keine Heizung bei einer Außentemperatur von -17°C, kein Strom und kein fließendes Wasser.
Die Krankenhäuser werden während der Stromausfälle mit Generatoren betrieben. Es gab viele Berichte darüber, dass Generatoren Menschen gerettet haben, weil Chirurg*innen mitten in einer Operation waren, als der Strom ausfiel. Generatoren ermöglichen es Ärztinnen und Ärzten, in solchen Zeiten weiterzuarbeiten, aber viele Krankenhäuser haben noch keine.
Überleben ohne Strom und Licht
In der Regel haben die meisten Menschen inzwischen Powerbanks zum Aufladen ihrer Handys und Tablets, Taschenlampen und Kerzen. Wenn man bereit ist, etwas Geld auszugeben, kann man sich beispielsweise ein Solarmodul mit Zubehör oder einen Akku kaufen. Das ist alles teuer, kann aber tatsächlich helfen, zu überleben.
Einige Anwohner*innen und Geschäfte wie lokale Postämter, Cafés, Einkaufszentren, die über leistungsstarke Generatoren verfügen, öffnen ihre Türen für diejenigen, die während eines Stromausfalls Hilfe benötigen, etwa um ihr Handy aufzuladen, um ihre Lieben anzurufen und ihnen mitzuteilen, dass es ihnen gut geht. Oder einfach nur, um sich die Haare zu trocknen.
In der Kälte platzen die Wasserleitungen
Viele Häuser haben Gas, was sehr hilfreich ist, um Essen zu kochen und sich warm zu halten. Kyiv hat sehr unter der Kälte und den Stromausfällen gelitten. Die Menschen verwenden spezielle Ziegelsteine, um diese zu erhitzen und die Temperatur im Haus aufrechtzuerhalten, damit die Rohre nicht platzen. Leider konnten viele Wohnungen nicht beheizt werden und die Wasserleitungen sind durch den Frost zerborsten, was dazu führte, dass sie unbewohnbar wurden.
Wenn man kein Gas hat und nur auf Elektrizität angewiesen ist, hat man ein echtes Problem. Man muss entweder warten, bis man wieder Strom hat, oder sich Geräte wie tragbare Gasherde oder Stromgeneratoren anschaffen.
Ein weiteres großes Problem: Die Dunkelheit auf den Straßen der Stadt verändert die Sicherheitslage. Ohne Strom funktionieren die Ampeln nicht mehr, und die Straßenbeleuchtung sowie die Beleuchtung der Fußgängerüberwege fallen aus. Leider kommt es dadurch in den Abendstunden häufiger zu Unfällen in der Stadt.“
Bitte helfen Sie Menschen weltweit mit einer Spende!
Die Menschen in der Ukraine überdauern bereits seit Monaten unter diesen Umständen, was körperlich und mental extrem herausfordernd ist. Umso wichtiger ist es, dass unsere Hilfe nicht nachlässt. Bitte unterstützen Sie unsere Projekte mit Ihrer Spende.
Was wir allein im Januar geleistet haben
Die Teams von Ärzte der Welt sind in mehreren Regionen der Ukraine aktiv. Hier zwei Beispiele aus der Region Dnipro und Winnyzja:
Dnipro
Weiterhin sind drei mobile Einheiten in der Oblast Dnipropetrowsk im Einsatz. Die Teams konnten
- 274 Menschen zur mentalen Gesundheit betreuen sowie
- 299 allgemeinmedizinische Konsultationen und
- 710 Beratungen zu sexueller Gesundheit durchführen.
Winnyzja
Unser Team, das mobil unterwegs ist, konnte
- 154 Patient*innen im Bereich der sexuellen Gesundheit behandeln und
- 68 Menschen im Bereich der mentalen Gesundheit beraten.



