
Unsere Hilfe
Kolumbien
5 Millionen
Binnenvertriebene infolge bewaffneter Konflikte
8.3 Millionen
Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen
5.7 Millionen
Kolumbianer*innen sind von klimabedingten Katastrophen bedroht – 84 Prozent der Bevölkerung
Die humanitäre Situation in Kolumbien
Kolumbien hat ein halbes Jahrhundert blutigen Bürgerkriegs hinter sich – und bleibt bis heute einer der fragilsten Staaten des südamerikanischen Kontinents.
Vor fast einem Jahrzehnt unterzeichneten die kolumbianische Regierung und die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) einen Friedensvertrag. Seither hat die ehemalige Guerillagruppe ihre Kampfhandlungen zwar offiziell eingestellt. Gleichzeitig haben weitere rivalisierende kriminelle Banden und Kartelle ihre Kämpfe jedoch intensiviert. Sie kämpfen um Territorien und Ressourcen sowie Einnahmen aus dem Drogenhandel.
Besonders in kleinbäuerlich geprägten Regionen, die von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden, ist die humanitäre Situation besorgniserregend. Die Einwohner*innen können sich kaum frei bewegen. Vielerorts fehlt es an entscheidender Infrastruktur wie Schulen und Krankenhäusern. 20 Prozent der Bevölkerung haben einen eingeschränkten Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen sowie zum Gesundheitssystem.
Auch wenn mehr als 95 % der Bevölkerung im kolumbianischen Sozialversicherungssystem versichert sind, sind Gesundheitsdienste aufgrund komplexer geografischer Gegebenheiten, fehlender geeigneter Infrastruktur, des Mangels an Gesundheitspersonal und der Präsenz bewaffneter Gruppen in den Gebieten oft nicht zugänglich.
So ist in abgelegenen ländlichen Gebieten die nächste Gesundheitseinrichtung manchmal mehrere Stunden zu Fuß oder mit dem Einbaum entfernt.
Im März 2025 verabschiedete die kolumbianische Regierung einen nationalen Plan für die ländliche Gesundheitsversorgung und erkannte damit offiziell die starken Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung in ländlichen und abgelegenen Gebieten an.
Nach Angaben der kolumbianischen Organisation Codhes (Komitee für Menschenrechte und Vertreibung) bleiben 97 % der Fälle sexueller Gewalt im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten und Zwangsvertreibungen ungestraft. Bewaffnete Akteure nutzen sexuelle Gewalt, um die Bevölkerung und Angehörige anderer Gruppen, mit denen sie im Konflikt stehen, einzuschüchtern, und es ist in diesem Zusammenhang oft sehr schwierig, eine formelle Anzeige zu erstatten. Frauen und junge Mädchen sind die ersten Opfer.
Darüber hinaus kann die fehlende Anerkennung und der fehlende rechtliche Schutz der Rechte von LGBTIQ+-Personen ein Hindernis für den offenen und freien Ausdruck ihrer Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung darstellen, was eine angemessene Berücksichtigung ihrer gesundheitlichen Bedürfnisse erschwert.
Kolumbien bleibt auch im Jahr 2025 das wichtigste Aufnahmeland für venezolanische Migrant*innen: Mehr als 1,9 Millionen venezolaner*innen verfügen über eine befristete Schutzgenehmigung, doch ihre Bedürfnisse in Bezug auf Schutz und Zugang zur Gesundheitsversorgung werden durch die zunehmende Überlastung des kolumbianischen Gesundheitssystems beeinträchtigt.
Die Verschärfung der Migrationspolitik in der Region führte zu einer Rückwanderung vom Norden in den Süden und zu ständigen Änderungen der Routen, die teilweise noch gefährlicher waren.
Die Schließung der panamaischen Grenzen im Juli 2024 und der Rückzug internationaler Organisationen aus Bajo Chiquito haben die Situation weiter verkompliziert.
Ihre Unterstützung – was Sie jetzt tun können
Spenden mit Vertrauen:
So hilft Ärzte der Welt
Noteinsatz nach dem Erdbeben vom 10. August 2026
Am 10. August erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,4 Kolumbien. Das Epizentrum lag bei San José del Palmar im Departement Chocó, doch die Auswirkungen waren weit darüber hinaus zu spüren.
Ärzte der Welt ist bereits seit Jahren in der Region aktiv. Unsere Teams haben sofort reagiert: In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden leisteten sie gezielte Unterstützung für Menschen, die von der staatlichen Nothilfe nicht erfasst wurden und deren ohnehin schon prekäre Lage sich in den Wochen nach dem Erdbeben erheblich verschlechtert hatte.
Unsere mobilen Teams in der Gemeinde Buenaventura im Osten des Landes konzentrierten ihre Bemühungen auf die sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie auf die psychische Gesundheit der betroffenen Bevölkerung.
Zwischen August und Oktober 2026 haben unsere Teams 637 medizinische Konsultationen sowie 135 Konsultationen zur psychischen Gesundheit durchgeführt.
Versorgung isolierter Gemeinden
An der Pazifik-Küste arbeitet Ärzte der Welt mit einer italienisch-kolumbianischen Stiftung zusammen, die in den Regionen Antioquia, Chocó und Cauca Gesundheitsdienste bereitstellt.
An Bord eines Krankenhausschiffs leisten die Teams medizinische Grundversorgung sowie Gesundheitsversorgung in den Bereichen Sexual-, Reproduktions- und psychische Gesundheit. Dank eines spezifischen interkulturellen Ansatzes richten die Teams von Ärzte der Welt Gesundheitszentren ein, die auf die Bedürfnisse der verschiedenen Bevölkerungsgruppen – ländliche, städtische, indigene oder auch marginalisierte Bevölkerungsgruppen – zugeschnitten sind.
Ärzte der Welt stärkt darüber hinaus die Systeme zur epidemiologischen Überwachung und sorgt in Zusammenarbeit mit medizinischen Hochschulen für die Ausbildung von Gesundheitshelfern in den Gemeinden.
Mobile Teams versorgen Migrant*innen
Angesichts der plötzlichen Veränderungen der Migrationsrouten und der Eröffnung von noch gefährlicheren Routen im Darién hat Ärzte der Welt ab Februar 2025 mehrere mobile Teams in Capurganá, Acandí und im Küstengebiet eingesetzt, um die Menschen schneller zu erreichen und ihnen vor Ort einen Zugang zu medizinischer Grundversorgung zu bieten.
Vor dem Hintergrund, dass sich internationale humanitäre Akteure immer weniger in der Region präsent sind, haben die Teams von Ärzte der Welt ihren Aktionsradius erweitert, indem sie den Zugang zu Trinkwasser in ihre Aktivitäten integriert, die Zusammenarbeit mit lokalen Fachkräften – insbesondere Hebammen – verstärkt und eine bessere Koordination der medizinischen Notfallversorgung mit den lokalen Behörden gefördert haben.
Frauen vor Gewalt schützen und medizinische Versorgung ermöglichen
In den Gesundheitseinrichtungen von Nariño, Cauca, Valle del Cauca und Chocó legt Ärzte der Welt den Schwerpunkt auf den Schutz von Opfern sexueller Gewalt.
Die Teams unterstützen Überlebende dabei Selbsthilfegruppen zu bilden, um eine ganzheitliche Betreuung der Betroffenen zu gewährleisten.
Unsere medizinischen Teams wurden alle darin geschult, medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen und jede Person, die einen Schwangerschaftsabbruch wünscht, zu begleiten und zu beraten.
Zudem organisieren sie Schulungen und Workshops für Fachkräfte in Gesundheitseinrichtungen und Gemeindevertreter*innen zu Themen wie häusliche Gewalt, geschlechtsspezifische Gewalt oder sexuelle Gewalt .
Darüber hinaus setzt Ärzte der Welt seine Zusammenarbeit mit der feministischen Bewegung „Causa Justa“ fort, die sich für sexuelle und reproduktive Rechte in Kolumbien einsetzt. Wir unterstützen deren Aktionen und helfen ihnen bei der Überwachung der konkreten Umsetzung der geltenden Gesetze.
Unsere Antworten auf Ihre häufigsten Fragen
Innerhalb Südamerikas auszuwandern, führt selten zu einer Verbesserung der Situation. Die USA und Kanada waren deshalb bisher das häufigste Ziel der Flüchtenden.
Der Weg von Süd- nach Nordamerika ist durch die geografischen Gegebenheiten festgelegt. Zwischen Kolumbien und Panama müssen die Menschen dabei durch den Darién Gap, eine extrem gefährliche und beschwerliche Route durch den Regenwald. Gerade Frauen laufen dort Gefahr, Opfer von Bandengewalt zu werden.
Hauptursachen sind Armut sowie Korruption, autoritäre Regierungen, Inflation, Bürgerkriege, Drogenkriminalität und (Banden-)Gewalt. Fluchtursache ist auch die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage vor allem durch die Klimakrise, oder wegen ökonomischer Interessen weniger, wie etwa die Abholzung des Regenwalds oder der großflächige Abbau von Rohstoffen wie Lithium. Gerade für letzteres sind vor allem die Interessen der Industrienationen verantwortlich.
Der Darién-Dschungel ist ein Regenwaldgebiet zwischen Kolumbien und Panama. Er ist ein wichtiger Korridor für Flüchtlinge und Vertriebene, die versuchen, die Vereinigten Staaten zu erreichen. Gleichzeitig gilt der Darién-Dschungel als die gefährlichste Fluchtroute auf dem amerikanischen Kontinent.


