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Kolumbien: Ein Arzt untersucht einen Jungen, im Hintergrund sitzt eine Frau mit einem weiteren Kind. Ärzte der Welt leistet medizinische Hilfe in Kolumbien. ©Andia Berg

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Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen

Kolumbianer*innen sind von klimabedingten Katastrophen bedroht – 84 Prozent der Bevölkerung

Die humanitäre Situation in Kolumbien

Kolumbien hat ein halbes Jahrhundert blutigen Bürgerkriegs hinter sich – und bleibt bis heute einer der fragilsten Staaten des südamerikanischen Kontinents.

Vor fast einem Jahrzehnt unterzeichneten die kolumbianische Regierung und die Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) einen Friedensvertrag. Seither hat die ehemalige Guerillagruppe ihre Kampfhandlungen zwar offiziell eingestellt. Gleichzeitig haben weitere rivalisierende kriminelle Banden und Kartelle ihre Kämpfe jedoch intensiviert. Sie kämpfen um Territorien und Ressourcen sowie Einnahmen aus dem Drogenhandel.

Besonders in kleinbäuerlich geprägten Regionen, die von bewaffneten Gruppen kontrolliert werden,  ist die humanitäre Situation besorgniserregend. Die Einwohner*innen können sich kaum frei bewegen. Vielerorts fehlt es an entscheidender Infrastruktur wie Schulen und Krankenhäusern. 20 Prozent der Bevölkerung haben einen eingeschränkten Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen sowie zum Gesundheitssystem. 

Auch wenn mehr als 95 % der Bevölkerung im kolumbianischen Sozialversicherungssystem versichert sind, sind Gesundheitsdienste aufgrund komplexer geografischer Gegebenheiten, fehlender geeigneter Infrastruktur, des Mangels an Gesundheitspersonal und der Präsenz bewaffneter Gruppen in den Gebieten oft nicht zugänglich. 

So ist in abgelegenen ländlichen Gebieten die nächste Gesundheitseinrichtung manchmal mehrere Stunden zu Fuß oder mit dem Einbaum entfernt.

Im März 2025 verabschiedete die kolumbianische Regierung einen nationalen Plan für die ländliche Gesundheitsversorgung und erkannte damit offiziell die starken Ungleichheiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung in ländlichen und abgelegenen Gebieten an.

Nach Angaben der kolumbianischen Organisation Codhes (Komitee für Menschenrechte und Vertreibung) bleiben 97 % der Fälle sexueller Gewalt im Zusammenhang mit bewaffneten Konflikten und Zwangsvertreibungen ungestraft. Bewaffnete Akteure nutzen sexuelle Gewalt, um die Bevölkerung und Angehörige anderer Gruppen, mit denen sie im Konflikt stehen, einzuschüchtern, und es ist in diesem Zusammenhang oft sehr schwierig, eine formelle Anzeige zu erstatten. Frauen und junge Mädchen sind die ersten Opfer.

Darüber hinaus kann die fehlende Anerkennung und der fehlende rechtliche Schutz der Rechte von LGBTIQ+-Personen ein Hindernis für den offenen und freien Ausdruck ihrer Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung darstellen, was eine angemessene Berücksichtigung ihrer gesundheitlichen Bedürfnisse erschwert.

Kolumbien bleibt auch im Jahr 2025 das wichtigste Aufnahmeland für venezolanische Migrant*innen: Mehr als 1,9 Millionen venezolaner*innen verfügen über eine befristete Schutzgenehmigung, doch ihre Bedürfnisse in Bezug auf Schutz und Zugang zur Gesundheitsversorgung werden durch die zunehmende Überlastung des kolumbianischen Gesundheitssystems beeinträchtigt.

Die Verschärfung der Migrationspolitik in der Region führte zu einer Rückwanderung vom Norden in den Süden und zu ständigen Änderungen der Routen, die teilweise noch gefährlicher waren.

Die Schließung der panamaischen Grenzen im Juli 2024 und der Rückzug internationaler Organisationen aus Bajo Chiquito haben die Situation weiter verkompliziert.

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So hilft Ärzte der Welt

Noteinsatz nach dem Erdbeben vom 10. August 2026

Am 10. August erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,4 Kolumbien. Das Epizentrum lag bei San José del Palmar im Departement Chocó, doch die Auswirkungen waren weit darüber hinaus zu spüren.

Ärzte der Welt ist bereits seit Jahren in der Region aktiv. Unsere Teams haben sofort reagiert: In enger Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden leisteten sie gezielte Unterstützung für Menschen, die von der staatlichen Nothilfe nicht erfasst wurden und deren ohnehin schon prekäre Lage sich in den Wochen nach dem Erdbeben erheblich verschlechtert hatte.

Unsere mobilen Teams in der Gemeinde Buenaventura im Osten des Landes konzentrierten ihre Bemühungen auf die sexuelle und reproduktive Gesundheit sowie auf die psychische Gesundheit der betroffenen Bevölkerung.

Zwischen August und Oktober 2026 haben unsere Teams 637 medizinische Konsultationen sowie 135 Konsultationen zur psychischen Gesundheit durchgeführt.

Versorgung isolierter Gemeinden

Mobile Teams versorgen Migrant*innen

Frauen vor Gewalt schützen und medizinische Versorgung ermöglichen

Unsere Antworten auf Ihre häufigsten Fragen

Innerhalb Südamerikas auszuwandern, führt selten zu einer Verbesserung der Situation. Die USA und Kanada waren deshalb bisher das häufigste Ziel der Flüchtenden. 

Der Weg von Süd- nach Nordamerika ist durch die geografischen Gegebenheiten festgelegt. Zwischen Kolumbien und Panama müssen die Menschen dabei durch den Darién Gap, eine extrem gefährliche und beschwerliche Route durch den Regenwald. Gerade Frauen laufen dort Gefahr, Opfer von Bandengewalt zu werden.

Hauptursachen sind Armut sowie Korruption, autoritäre Regierungen, Inflation, Bürgerkriege, Drogenkriminalität und (Banden-)Gewalt. Fluchtursache ist auch die Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlage vor allem durch die Klimakrise, oder wegen ökonomischer Interessen weniger, wie etwa die Abholzung des Regenwalds oder der großflächige Abbau von Rohstoffen wie Lithium. Gerade für letzteres sind vor allem die Interessen der Industrienationen verantwortlich.

Der Darién-Dschungel ist ein Regenwaldgebiet zwischen Kolumbien und Panama. Er ist ein wichtiger Korridor für Flüchtlinge und Vertriebene, die versuchen, die Vereinigten Staaten zu erreichen. Gleichzeitig gilt der Darién-Dschungel als die gefährlichste Fluchtroute auf dem amerikanischen Kontinent.

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