
unsere Hilfe
Griechenland
Menschen auf der Flucht beistehen
Immer wieder sind Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Elend fliehen, gezwungen, neue, gefährliche Wege über das Mittelmeer zu suchen. 2025 ist neben den Routen in der nördlichen Ägäis eine neue südliche Route über die griechischen Inseln Gavdos und Kreta entstanden. Rund 20.000 Menschen landeten so in Regionen, in denen jegliche Aufnahmestrukturen fehlen. Die Betroffenen müssen häufig in provisorischen Unterkünften oder Zelten leben. Es fehlt ihnen am Nötigsten.
In dem Aufnahmezentrum Mavrovouni auf der Insel Lesbos können die Bewohner*innen dank Ärzte der Welt immerhin grundlegende Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen. Ärzt*innen verschiedener Fachrichtungen leisten dort medizinische, psychologische und soziale Hilfe. Vor allem versorgen wir Kinder, indem sie zum Beispiel wichtige Impfungen erhalten, und leisten Frauen medizinische Unterstützung bei Schwangerschaft, Geburt und im Bereich sexuelle Gesundheit.
Gleichzeitig arbeiten wir auf politischer Ebene daran, die Situation für geflüchtete Menschen zu verbessern. Wir fordern unter anderem:
- Die Menschenwürde und das grundlegende Recht auf Gesundheit für geflüchtete Menschen in ganz Griechenland zu wahren
- Die de-facto-Inhaftierung besonders schutzbedürftiger Gruppen, insbesondere unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu beenden
- Dass Geflüchtete einen uneingeschränkten Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem erhalten
- Dem zunehmend feindlichen Arbeitsumfeld für und den negativen Narrativen gegenüber NGOs etwas entgegenzusetzen
Was wir 2025 im Camp Mavrovouni erreicht haben
- 2.362 Personen behandelt und beraten
- 1.265 Impfungen bei Kindern
- 188 gynäkologische Konsultationen pro Monat
„Nach der langen Reise, der Angst, dem Chaos des Lagers, vergisst du, dass du Rechte hast. Dass du ein Mensch bist. Jemanden zu haben, der mir das Ultraschallbild erklärt und mir beisteht, bis ich in Sicherheit bin, hat alles verändert. Ich habe mich wieder als Mensch gefühlt und gesehen, dass es Leute gibt, die uns nicht aufgeben.“
Amara Dahir (Name geändert), Patientin aus Somalia
Nach einer gefährlichen Reise über das Meer mit rund hundert anderen Geflüchteten, landete Amara Dahir (Name geändert) im Mavrovouni-Flüchtlingscamp auf der Insel Lesbos. Nachdem sie stundenlang in quälender Hitze auf ihre Registrierung gewartet hatte, wurde sie nur oberflächlich medizinisch begutachtet. Dass sie im zweiten Trimester schwanger war, wurde dabei nicht berücksichtigt. Bei einem Routineeinsatz im Lager traf das Ärzte der Welt-Team auf Amara Dahir und überwies sie in eine gynäkologische Klinik. Dort stellten die Ärzt*innen Komplikationen im Schwangerschaftsverlauf fest. Sie leiteten sofort Therapiemaßnahmen ein und überwiesen die Patientin für eine spezialisierte Untersuchung in ein Krankenhaus in der Hauptstadt Mytilene.
Das Ärzte der Welt-Team beantragte zudem, dass Amara Dahir in eine Unterkunft verlegt wird, in der eine bessere medizinische Betreuung gewährleistet ist. Trotz der Dringlichkeit des Falls ließ die Campleitung den Antrag einen Monat lang unbearbeitet. Während der riskanten Wartezeit überprüfte das Team von Ärzte der Welt täglich den Herzschlag des Fötus und leistete medizinische Grundversorgung.
Zahngesundheit und -hygiene
Auch auf dem griechischen Festland leistet Ärzte der Welt medizinische Hilfe für Menschen, die diese sonst nicht in Anspruch nehmen könnten. Ein wichtiger, aber häufig vernachlässigter Aspekt dabei sind zahnärztliche Leistungen. In den Städten Athen und Thessaloniki unterstützen wir daher Menschen in schwierigen Lebenslagen, ihre Zähne gesund zu halten, indem wir zahnärztliche Dienste sowie Informationen und Materialien zur Zahnhygiene bereitstellen.
2025 haben wir insgesamt 2.752 zahnmedizinische Behandlungen durchgeführt.
Psychische Gesundheit
Menschen, die lange in Massenunterkünften leben müssen, sozial ausgegrenzt werden und unsicheren Lebensbedingungen ausgesetzt sind, leiden oft unter Angstzuständen oder (Re-)Traumatisierung. Daher steht auch und vor allem in Griechenland für Ärzte der Welt die mentale Gesundheit im Fokus. Wir bieten zum Beispiel Gruppen- und Einzelsitzungen an, um Menschen psychologisch und sozial zu unterstützen. Damit wollen wir ihnen dabei helfen, ein Gefühl der Würde und Selbstwirksamkeit zurückzuerlangen.

Roma-Gemeinschaften stärken
Viele Angehörige der Roma-Minderheit sind auch in Griechenland dazu gezwungen, unter oft prekären Bedingungen am Rande der Mehrheitsgesellschaft zu leben. Nicht zuletzt bei der Gesundheitsversorgung erleben Roma häufig Diskriminierung und andere Barrieren. Ärzte der Welt sucht daher aktiv ihre Gemeinschaften auf und bietet medizinische Versorgung und Informationen zu Gesundheitsthemen an.
Die Folgen der Feuer bekämpfen
Die Zerstörung durch Wald- und Flächenbrände ist in den vergangenen Jahren weltweit drastisch gestiegen. In Europa allein wurde über eine Million Hektar vernichtet, ganze Ökosysteme und Siedlungen waren bedroht. In Westgriechenland waren mehr als 300 Familien betroffen. Als Reaktion auf diese Krise hat Ärzte der Welt eine Präsenz in der Region West-Achaia und Anwohner*innen über mobile Einheiten mit Lebensmitteln und dringend notwendigen Dingen versorgt. Über die unmittelbare Nothilfe hinaus arbeitet Ärzte der Welt weiterhin mit den lokalen Behörden zusammen, um kritische Infrastruktur wiederherzustellen.
Griechenland
Risikoschwangerschaft im Camp für Geflüchtete

Im September 2024 besuchte die schwangere Haben Tesfay*aus Eritrea unsere Frauenklinik im Flüchtlingscamp Mavrovouni. Sie erwartete Zwillinge und befand sich bereits in der 26. Schwangerschaftswoche. Sofort war klar: die Patientin sollte unbedingt an ein spezialisiertes Krankenhaus überwiesen werden, wo ihre Risikoschwangerschaft eng betreut werden kann.
Im September 2024 besuchte die schwangere Haben Tesfay*aus Eritrea unsere Frauenklinik im Flüchtlingscamp Mavrovouni. Sie erwartete Zwillinge und befand sich bereits in der 26. Schwangerschaftswoche. Sofort war klar: die Patientin sollte unbedingt an ein spezialisiertes Krankenhaus überwiesen werden, wo ihre Risikoschwangerschaft eng betreut werden kann. Ärzte der Welt kümmerte sich unverzüglich um ihre Überweisung und kooperierte mit den örtlichen Behörden, um ein Verfahren für eine schnelle und sichere Verlegung einzuleiten. Unsere Kolleg*innen unterstützten die Patientin bei der Beschaffung der erforderlichen Bescheinigungen, koordinierten die Sprachmittlung und organisierten eine Begleitperson für ihre Krankenhausbesuche.
Haben Tesafy aus Eritrea
*Name geändert. Symbolbild

Unsere Vision
Unsere Vision ist eine Welt, in der alle Menschen Zugang zu Gesundheitsversorgung haben: eine Welt, in der Gesundheit als ein fundamentales Recht für alle anerkannt ist.
„Menschen haben ein Recht auf medizinische und psychologische Versorgung, und Ärzte der Welt setzt sich dafür ein. Es fühlt sich richtig an, Teil von etwas zu sein, das Gutes bewirkt.“
Isabel Andersson, Dauerspenderin
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Unsere Antworten auf Ihre häufigsten Fragen
Auf den griechischen Inseln Lesvos, Chios, Samos, Kos und Leros wurden sogenannte “kontrollierte Einrichtungen mit geschlossenem Zugang” (Closed-Control Access Centres oder CCAC) errichtet, in denen Geflüchtete untergebracht werden. Hier leben viele Menschen auf engstem Raum und unter gefängnisartigen, oft gesundheitsgefährdenden Bedingungen.
Schätzungen des Flüchtlingskommissariats der UN zufolge erreichten im Jahr 2024 etwa 62.000 Geflüchtete Griechenland. Fast 90% kamen über den Seeweg.
Die Geflüchteten in Griechenland stammen vorwiegend aus Syrien (38.9%), Afghanistan (21.6%), Ägypten (12.4%), Iraq (11.8%) und Somalia (11%). (Quelle: UNHCR).
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