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Ankommende Flüchtlinge am Hafen

Ärzte der Welt: Versorgung von Flüchtlingen

Migranten & Flüchtlinge

An der Seite der Schwächsten

65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, die Hälfte von ihnen sind Kinder. In vielen Ländern unterhält Ärzte der Welt Programme, um die Migranten und Flüchtlinge medizinisch zu versorgen und ihnen mit psychosozialer und juristischer Beratung zur Seite zu stehen.

Unsere Hilfe

Wir sind an der Seite der Schwächsten, auch unter schwierigen Bedingungen: Im Irak versorgen unsere Teams Binnenvertriebene in Basisgesundheitszentren und mit mobilen Kliniken. In Syrien haben wir eigene medizinische Notfallstrukturen aufgebaut, wir betreuen Kranke und Verletzte und  verteilen Medikamente. In der Zentralafrikanischen Republik sind wir trotz der instabilen Sicherheitslage vor Ort und kümmern uns

besonders um die Gesundheit von Müttern und Kindern. In Europa unterstützen wir Flüchtlinge und Migranten ohne geregelten Aufenthaltsstatus mit medizinischer Hilfe und sozialrechtlicher Beratung. Auf politischer Ebene setzen wir uns im Rahmen unserer Lobby- und Kampagnenarbeit für die Rechte der Menschen ein, die bei uns Schutz suchen.

  • Eine bulgarische Patientin und ein Mitarbeiter von Ärzte der Welt

    Violeta Zulfalari

    Die Bulgarin Violeta Zulfalari bezieht zwar über ihren verstorbenen Mann eine Witwenrente und hat damit auch Anspruch auf eine Krankenversicherung in Deutschland, besaß jedoch lange Zeit keinen Versicherungsnachweis. Aus eigenen Mitteln konnte sie die Behandlung nicht zahlen. Außerdem berichtet die 57-Jährige von Diskriminierungen und Sprachbarrieren, als sie in einem Krankenhaus Hilfe suchte.

     „Man hat mir noch nicht einmal ins Gesicht geschaut und mir gesagt, ich solle wieder gehen, weil ich kein Deutsch spreche. Wenn ihr nicht gewesen wärt, wäre ich auf der Straße gestorben.“

  • Rand A., 13, aus Syrien

    Rand A., 13 Jahre

    „Seit neun Monaten wohne ich mit meinen Eltern und drei meiner Geschwister Hotel Porin. Davor waren wir eineinhalb Jahre in Deutschland. Ich bin in Hoyerswerda auf die Schule „Am Stadtrand“ gegangen. Das passt doch perfekt zu meinem Namen! Mein Lehrer, Herr Mager, mochte mich. Ich war gut in der Schule und hatte viele Freunde. Doch eines Nachts um drei Uhr hat es laut an unsere Tür geklopft. Es waren Polizisten, die uns nach Kroatien zurück bringen wollten. Schneller, schneller, haben sie gesagt, ihr habt fünf Minuten, eure Sachen zu packen. Ich durfte nur zwei Koffer mitbringen. Jeden Abend bete ich, dass ich nach Deutschland zurück kann. In Kroatien ist das Leben schlecht. Hier in der Unterkunft sind viele Menschen traurig, manche sind psychisch krank. Das Essen ist nicht sehr gut und die Heizung, die wir gekauft haben, wurde uns wieder weggenommen. Letzte Woche auf dem Schulweg hat eine Frau mich mit einer Bierflasche bedroht und zu mir gesagt, ich solle aus Kroatien verschwinden. In Deutschland ist mir so etwas nicht passiert."

    - Interview im Rahmen der Radio-Refugee Videoreihe

  • Moussa K., 30, aus dem Libanon

    Moussa K., 30 Jahre

    „Ich bin schon in ganz Europa gewesen. Eineinhalb Jahre war ich in Österreich und ein halbes Jahr in Deutschland. Ich spreche sehr gut Deutsch. Weil ich keinen Sprachkurs machen durfte, habe ich allein zu Hause gelernt. Ich hatte viele Freunde, die mir geholfen haben. Ich denke, dass mein Asylantrag in Kroatien abgelehnt wird, denn in meinem Land ist kein Krieg. Ich kann nicht über meine Geschichte im Libanon reden, aber ich habe dort politische Probleme und zurückzugehen, wäre gefährlich. Aber das interessiert die Leute hier nicht, sie denken nur darüber nach, wie sie einen wieder loswerden können. Seit dreieinhalb Jahren grübele ich permanent über meine Zukunft nach, aber es gibt keine Lösung. Ich bin schon ganz krank davon. Aber ich vertraue Gott. Ich würde gern eine Ausbildung machen und eine Arbeit finden. Von den zehn Euro im Monat, die wir hier bekommen, kann man nicht leben. Einen Hund zu halten, kostet mehr."

    - Interview im Rahmen der Radio-Refugee Videoreihe

  • Malik Z., 36, aus Pakistan

    Malik Z., 36 Jahre

    „Die pakistanischen Taliban haben von mir mehr als 20.000 Dollar erpresst. Sie haben gesagt, ich sei ein „schlechter Muslim“, weil ich als Elektriker für die US-Armee gearbeitet habe. Als mir das Geld ausging, musste ich nach Österreich fliehen. Dort hatte ich eine Freundin und eine kleine Tochter. Unser Kind starb mit nur zweieinhalb Monaten. Danach machte ich den Fehler, Österreich unerlaubt zu verlassen, und landete in einem ungarischen Gefängnis für Flüchtlinge, wo ich über ein halbes Jahr eingesperrt war. Nach meiner Entlassung bin ich sechs Tage lang durch den Wald geirrt, bis ich mit wunden Füßen in Kroatien ankam – ungarische Polizisten hatten mich irgendwo ausgesetzt und in die falsche Richtung geschickt. Früher war ich Bodybuilder. Schau mich jetzt an, ich sehe aus wie ein kranker Mann. Ich bekomme Medikamente, damit ich besser schlafe. Wenn ich hier Asyl und eine Arbeitserlaubnis bekomme, würde ich gern als Automechaniker oder als Elektriker arbeiten. Ich habe keine Kraft mehr, länger zu warten."

    - Interview im Rahmen der Radio-Refugee Videoreihe

  • Wafaa Ladkani, 39, Syrien

    Wafaa L., 39 Jahre

    „Mein dreijähriger Sohn hat heute noch Angst vor Flugzeugen, weil sie ihn an die ständigen Luftangriffe auf unsere Heimatstadt Idlib erinnern. Wir sind über Kroatien nach Deutschland geflohen, deshalb haben sie uns nach Zagreb abgeschoben. Mein ältester Sohn ist mit seinem Onkel schon vor uns nach Deutschland gegangen. Er wohnt heute in Leipzig. Außerdem habe ich noch einen Sohn in Syrien. Seit einem Dreivierteljahr warten mein Mann, die jüngeren Kinder und ich auf eine Entscheidung, ob wir in Kroatien Asyl bekommen. Es fühlt sich so an, als wäre in meinem Leben noch immer Krieg. Warum tut die EU uns das an und schickt uns von Land zu Land? So haben meine Kinder keine Zukunft, keine Hoffnung. In Deutschland war das Leben besser als hier in Kroatien. Das Gesundheitssystem und das Bildungssystem sind gut. Die Kinder hatten von Anfang an die Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Sie lieben die deutsche Sprache."
     
  • Armelle S., 27 Jahre

    Ich habe ein 9 Jahre altes Mädchen, das im Kamerun blieb, als ich nach Frankreich kam, um hier zu leben. Für sie habe ich Kamerun verlassen. Dass ich sie zur Schule schicken kann. Heute habe ich Angst  wieder schwanger zu werden. Ich habe kein Geld, um einen Besuch beim Frauenarzt zu bezahlen. Ich habe von mehreren Methoden der Empfängnisverhütung gehört, aber ich traue ihnen nicht. Es macht mir Angst. "

Eine ehrenamtliche Ärztin behandelt einen Migranten in Calais. Foto: Olivier Papegnies
Eine ehrenamtliche Ärztin behandelt einen Migranten in Calais. Foto: Olivier Papegnies

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