Ärzte der Welt-Hebamme Rehima Ebrahim mit einer Patientin in der äthiopischen Region Afar. ©Ärzte der Welt

Äthiopien:
Mutter-Kind-Gesundheit in Gefahr

Was Mittelkürzungen für die humanitäre Hilfe in Äthiopien bedeuten.

Als die Ärzte der Welt-Hebamme Rehima Ebrahim zum ersten Mal ihren Arbeitsplatz in der äthiopischen Region Afar betrat, wurde ihr die enorme Herausforderung klar, die vor ihr lag. Nicht nur die Dokumentation war lückenhaft, auch die Kreißsäle waren in schlechtem Zustand. „Mütter gingen stundenlang zu Fuß in das Gesundheitszentrum, nur um dort zu hören, dass sie die Medikamente selbst bezahlen müssen – und viele konnten sich das einfach nicht leisten“, erinnert sie sich. Die Folge: Viele Frauen mussten riskante Hausgeburten auf sich nehmen, Fälle von Unterernährung blieben unentdeckt und das Vertrauen der Menschen in die Gesundheitseinrichtung war gering.

Also machte sich Ärzte der Welt daran, dieses Vertrauen Schritt für Schritt aufzubauen. Unter anderem führten Rehima Ebrahim und ihre Kolleg*innen ein standardisiertes Registrierungssystem für Mutter-Kind-Gesundheitsdienste ein. Patient*innen erhielten ihre Medikamente von nun an kostenfrei. Die Hygienebedingungen in den Geburtsräumen wurden verbessert, sauberes Wasser per Lastwagen herangeschafft und die Abfallentsorgung verbessert.

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Eine Hebamme im äthiopischen Afar untersucht eine Patientin.
©Ärzte der Welt

Sichere Geburten ermöglicht

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Die Zahl der betreuten Geburten stieg von einer auf 15 bis 20 Geburten im Monat. Zwischen 50 und 80 Frauen nahmen regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch. „Die Mütter fühlten sich nun willkommen und sicher“, so die Hebamme.

So ging es auch der 27-jährigen Aysha Mohamed, als sie ihr Kind in einer von Ärzte der Welt unterstützen Gesundheitseinrichtung zur Welt brachte. Es war das erste Mal, dass sie bei der Entbindung keine Angst hatte, sagt die sechsfache Mutter. Ihre anderen fünf Kinder hatte sie zu Hause zur Welt gebracht. Eines davon wurde mitten im Konflikt in der Region Tigray geboren und lebt infolge mangelnder medizinischer Versorgung mit einem Hydrocephalus, also einer Krankheit, bei der die Hirnflüssigkeit nicht richtig abfließen kann (umgangssprachlich auch Wasserkopf genannt). Bei ihrer sechsten Schwangerschaft traf Aysha Mohammed eine der traditionellen Geburtshelfer*innen, die in den Gemeinden über die Arbeit von Ärzte der Welt informieren. Sie erzählte ihr von der Möglichkeit, ihr sechstes Kind von Hebammen betreut im Gesundheitszentrum zur Welt zu bringen und dort auch Vorsorgeuntersuchungen zu erhalten. Dabei wurden Anzeichen eines Hydrocephalus-Risikos festgestellt. Als die Wehen einsetzten, zögerte Aysha Mohamed nicht, in das Gesundheitszentrum zu kommen, wo sie ihr Kind sicher und gesund zur Welt brachte.

Erfolge stehen auf dem Spiel

Aufgrund von massiven Mittelkürzungen der Bundesregierung musste das Projekt in Afar nach nur einem Jahr wieder eingestellt werden. Das sind besorgniserregende Nachrichten für Ebrahim Bodava. Der respektierte Vertreter seiner Gemeinde fürchtet, dass eine Versorgungslücke entsteht. „Wir befinden uns in einer Phase schwerer Dürre und Angebote wie eure sind nötiger denn je.“  Er sei jedoch sehr dankbar dafür, was Ärzte der Welt für die Gemeinde getan habe, so Ebrahim Bodava.

Gemeindevertreter in der äthiopischen Region Afar

Ihr habt hier gewohnt, wie wir gegessen und gelebt, habt unsere Kultur respektiert. Ich habe gesehen, wie hart ihr für unsere Gemeinschaft gearbeitet habt und die Menschen, besonders die Frauen, werden euch nie vergessen.

Ebrahim Bodava, Gemeindevertreter

Ahmed Dawed von der lokalen Gesundheitsbehörde verspricht, dass die Arbeit von Ärzte der Welt auch über die Projektlaufzeit hinaus Früchte tragen wird: „Wir haben alle Mitarbeitenden der Gesundheitszentren angewiesen, die Arbeit ohne Unterbrechung fortzuführen. Auch lange nach dem Ausstieg von Ärzte der Welt werden wir von den Kapazitäten profitieren, die sie aufgebaut haben. Wir arbeiten daran, das Personal zu halten, Löhne zu verbessern und Kontinuität zu gewährleisten. Die Community vertraut Ärzte der Welt. Unser Ziel ist nun, das gleiche Vertrauen zu gewinnen.“

Die Hebamme Rehima Ebrahim sieht hoffnungsvoll, aber realistisch in die Zukunft: „Der Zugang zu Wasser und medizinischen Materialien bleibt eine große Herausforderung. Aber die Systeme, die wir aufgebaut haben, sind stark. Das ist das Vermächtnis von Ärzte der Welt.“

Zwischen Oktober 2024 bis Februar 2026 haben wir in der äthiopischen Region Afar:

  • 27.720 Personen mit unseren Gesundheitsdiensten erreicht
  • 4.728 Konsultationen rund um Sexualität, Schwangerschaft und Geburt durchgeführt
  • 1.223 Frauen bei der Familienplanung unterstützt
  • 21.142 Menschen mit Informationsveranstaltungen zu Gesundheitsthemen erreicht
  • 7.860 Kinder unter fünf Jahren untersucht und behandelt
  • 2.435 Babys geimpft
  • 30 haupt- und ehrenamtliche Gesundheitsmitarbeitende fortgebildet
  • 123 Krankenwageneinsätze unterstützt

Lesen Sie dazu auch das Interview mit unserer Leiterin Internationale Programme Julia Brunner

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