Katri Bertram, Direktorin Ärzte der Welt

Deutschland:
Neue Leitung in stürmischen Zeiten: Direktorin Katri Bertram

Wir freuen uns, eine neue Kapitänin an Bord zu haben: Seit Anfang April leitet Katri Bertram Ärzte der Welt Deutschland. Im Interview erzählt sie, warum sie diese Position gereizt hat.

Du warst schon in sehr unterschiedlichen Positionen tätig und kennst die vielfältigen Aspekte der humanitären Arbeit. Was hat Dich an der Stelle als Direktorin bei Ärzte der Welt gereizt?

Ich arbeite seit über 20 Jahren im internationalen Gesundheitsbereich, mit den Schwerpunkten humanitäre Hilfe und Finanzierung von Gesundheitsversorgung. In Zeiten von zunehmenden Krisen und Polarisierung – weltweit, aber auch hier in Deutschland – habe ich gelernt, wie wichtig eine starke, unabhängige Zivilgesellschaft ist. Viele Menschen, Organisationen und auch die Politik wollen sich engagieren, damit alle Menschen ihr Recht auf Gesundheit wahrnehmen können – und damit nicht nur enge Interessen oder bestimmte Menschengruppen vertreten werden.

Ärzte der Welt arbeitet nicht nur dort, wo die Not und Lücken am größten sind, sondern setzt sich auch politisch ein, damit diese Lücken dokumentiert, geschlossen und gar nicht entstehen können. Mir gefällt, dass Ärzte der Welt das Menschenrecht für Gesundheit durch die nationale und internationale Programmarbeit sehr praktisch umsetzt. Die Arbeit hat eine sehr konkrete, direkte Wirkung. Genauso wichtig ist für mich, dass es Organisationen wie Ärzte der Welt gibt, die sich in Zeiten wie diesen nicht „raushalten“ oder schweigen, weil es politisch und finanziell etwas turbulenter zugeht.

Ich bringe meine Erfahrung, Expertise und Netzwerk aus internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und der Bundesregierung mit, damit wir und unsere Partner und Unterstützer*innen zeigen können: Wir haben eine klare Haltung, um das Menschenrecht auf Gesundheit zu schützen und zu verwirklichen durch unsere nationalen und internationalen Programme und Advocacy-Arbeit. Gemeinsam können wir weiterhin die positive Kraft und Wirkung für die Menschen entwickeln, die sonst keinen Zugang zu medizinischer Versorgung hätten.

Ärzte der Welt – und die humanitäre, medizinische und gesundheitspolitische Arbeit auf nationaler, internationaler und politischer Ebene – könnte nicht wichtiger sein in diesen Zeiten. Ich möchte hier beitragen – mit Haltung, Mut und gemeinsamen Lösungen.

Katri Bertram, Direktorin Ärzte der Welt

Worauf freust Du Dich bei Ärzte der Welt?

Menschen sind für mich der Kern einer Organisation. Dazu gehören Mitarbeiter*innen, Ehrenamtliche, Spender*innen und Partner. Ich freue mich, gemeinsam noch mehr Wirkung zu erzielen. Wie können wir wichtige Spendengelder am besten einsetzen und durch unsere Advocacy-Arbeit gemeinsam nach nachhaltigen Lösungen hinzuarbeiten? Wie mobilisieren wir breitere Teile der Gesellschaft? Wie stellen wir sicher, dass unsere Themen und die Menschen, mit denen wir arbeiten, nicht von der Agenda fallen und aus der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit geraten?

Ärzte der Welt ist eine gut etablierte und renommierte Organisation, die jahrzehntelang bewiesen hat: Wir haben den Mut, auch schwierige Themen anzusprechen und unter schwersten Bedingungen weiterzuarbeiten. Wir geben – insbesondere jetzt, wo Polarisierung, Gewalt und Krieg eskalieren – Menschen und Menschenrechte nicht auf. Ich freue mich auf diese gemeinsame, auch wenn manchmal schwierige Arbeit.   

Worin siehst Du die größten Herausforderungen für die NGO in diesen herausfordernden Zeiten?

Die Arbeit von NGOs, auch von Ärzte der Welt, hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Wir bauen mehr auf lokale und nationale Expertise und Strukturen, damit Programme und unsere Advocacy-Arbeit nachhaltig sind und bei den Menschen, die sie nutzen, verankert bleiben. Das sind wichtige, und meiner Meinung nach richtige Veränderungen.

Leider wird der zivilgesellschaftliche Raum – und auch ganz praktisch die finanzielle Unterstützung hierfür – seit Jahren immer kleiner, sowohl im Ausland als auch in Deutschland. Nationale und geopolitische Krisen bestimmen immer öfter, wo Gelder hinfließen können und auch für welche Bereiche. Viele Menschen, aber auch komplette Bevölkerungsgruppen und Länder, fallen zunehmend aus dem Hilfesystem, weil das Geld für die humanitäre Hilfe einfach fehlt – oder politisch zu eng geregelt wird.

Wir müssen mehr Druck aus der Gesellschaft mobilisieren. Viele Menschen und Organisationen wollen was Gutes tun, und wollen auch sehen, dass die Bundesregierung sich hier aktiver einbringt. Seit mehreren Jahren erlebe ich, dass NGOs über ihr Überleben sprechen. Dabei sollte es nie um uns als Organisationen, sondern um unsere Wirkung und die Menschen gehen, die weltweit und in Deutschland weiterhin auf unsere Hilfe angewiesen sind.

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