Zwei starke Erdbeben haben am 24. Juni Tausende Menschen verletzt und getötet sowie Häuser und Infrastruktur zerstört. Die Folgen sind verheerend. Ärzte der Welt unterstützt, wo der Bedarf am größten ist.
Die Erbeben hinterließen nahe des Epizentrums nichts als Zerstörung. Tausende Menschen können derzeit nicht mehr in ihren Häusern leben. Ärzte der Welt schickte sofort ein Expert*innenteam nach La Guaira, einer der am stärksten betroffenen Regionen, um die genauen Bedarfe vor Ort zu ermitteln. Das Notfallteam von Ärzte der Welt besuchte Gesundheitszentren, Notunterkünfte und Gebiete, in denen zahlreiche Familien etwa in Fahrzeugen oder provisorischen Siedlungen Zuflucht gefunden haben. Nur so kann unsere Hilfe effizient dort eingesetzt werden, wo sie am nötigsten ist.
Die Lage ist dramatisch: Über 5.200 Menschen sind infolge der Beben getötet worden, über 16.700 Personen wurden verletzt (Stand: 20. Juli). Zehntausende Personen werden weiterhin vermisst.
Das Ausmaß der Zerstörung macht deutlich: Die medizinische Grundversorgung muss schnellstmöglich wieder aufgebaut und gestärkt werden. In La Guaira wurden vier Krankenhäuser stark beschädigt. Verletzte Menschen werden in Feldlazaretten behandelt.
Auch Wochen nach der Katstrophe hält die Notsituation an. Die Folgen des Erdbebens – zerstörte Infrastruktur, unterbrochene Wasserversorgung und überbelegte Notunterkünfte – führen zu einem Anstieg von Infektionskrankheiten. Vor allem Atemwegsinfekte, Durchfallerkrankungen und Hautinfektionen wie Krätze nehmen zu.
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Gesundheitsversorgung nicht nur in Krankenhäusern
Ein Großteil der humanitären Gesundheitshilfe konzentriert sich auf die Krankenhäuser. Jedoch bestehen gleichzeitig in der allgemeinmedizinischen Grundversorgung sowie im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit erhebliche Lücken, etwa bei der Betreuung von Schwangeren.
Unsere mobilen Teams sind vor Ort und leisten an verschiedenen Standorten in den Bundesstaaten Caracas, Miranda, Vargas, Apure, Táchira und Sucre medizinische Hilfe.In Einzelgesprächen und Gruppensitzungen bieten sie psychologische Betreuung an. Zusätzlich sind Angebote im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit in einem provisorischen Lager geplant.
„In einer Notsituation dieser Art ist es unerlässlich, dass neben der Krankenhausversorgung auch die grundlegenden Gesundheitsangebote aufrechterhalten werden, die die Menschen vorrangig brauchen. Dazu gehören Hausarztversorgung, Medikamente, Schwangerschaftsvor- und -nachsorge, psychische Gesundheitsversorgung und die Behandlung von Menschen mit chronischen Erkrankungen. Nur so können wir verhindern, dass sich die Gesundheitskrise in den kommenden Wochen verschärft“
Andrey Escalona, medizinischer Koordinator des Nothilfeprojekts von Ärzte der Welt in Venezuela
Zu den wichtigsten Bedarfen, die ermittelt wurden, zählen
- Einrichtungen der allgemeinen Gesundheitsversorgung. Hausarztpraxen oder Gesundheitsstationen müssen wieder aufgebaut werden
- Die Menschen müssen jederzeit die Medikamente bekommen können, die sie benötigen
- Menschen, die wegen des Erdbebens nun in informellen Siedlungen leben, müssen umfassend versorgt werden.
- Die psychische Gesundheitsversorgung und die psychosoziale Unterstützung müssen verstärkt werden, gerade nach diesen traumatisierenden Erlebnissen
- Angebote der sexuellen und reproduktiven Gesundheit müssen wiederaufgebaut werden, insbesondere für schwangere Frauen, Mädchen und andere besonders schutzbedürftige Personen.
Enge Zusammenarbeit mit den Behörden
Ärzte der Welt steht in ständiger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium und weiteren vor Ort tätigen Organisationen. So kann sichergestellt werden, dass die Hilfsmaßnahmen die bestehenden Bemühungen ergänzen und dort ankommen, wo der Bedarf am größten ist.
Unsere Teams konzentrieren sich darauf, die medizinische Basisversorgung aufrecht zu erhalten, und zwar durch:
- Versorgung der Menschen mit Trinkwasser
- Bereitstellung von Hygienemaßnahmen, um eine Ausbreitung von Infektionen und größeren Krankheiten zu verhindern
- ärztliche und pflegerische Sprechstunden
- Behandlung bei leichten Verletzungen
- Abgabe verschriebener Medikamente
- psychologische Betreuung und psychosoziale Unterstützung
- Angebote im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit
- die Stabilisierung und Überweisung von Patient*innen, sofern erforderlich.
Die Behörden sprechen von über 850 zerstörten oder beschädigten Gebäuden (Stand 20. Juli). Auch unsere Bedarfsanalyse bestätigt, dass mehrere Krankenhäuser durch die Beben erhebliche Schäden erlitten haben. Die Behörden richten Feldlazarette ein, um einen Teil der verlorenen Kapazitäten wiederherzustellen.
Ärzte der Welt wird seine Maßnahmen weiterhin an die Entwicklung der Notlage und die Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung anpassen. Unser Ziel ist es, den Zugang zu einer menschenwürdigen, qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, die auf den tatsächlichen Bedürfnissen der betroffenen Bevölkerung basiert.

