Nachdem am 24. Juni zwei starke Erdbeben Tausende Menschen verletzt und getötet sowie Häuser und Infrastruktur zerstört hatten, schickte Ärzte der Welt sofort ein Expert*innenteam in die Region, um die genauen Bedarfe vor Ort zu ermitteln. Nur so kann unsere Hilfe effizient dort eingesetzt werden, wo sie am nötigsten ist.
Die Erbeben hinterließen nahe des Epizentrums nichts als Zerstörung. Tausende Menschen können derzeit nicht mehr in ihren Häusern leben. In den letzten Tagen hat das Notfallteam von Ärzte der Welt Gesundheitszentren, Notunterkünfte und Gebiete besucht, in denen zahlreiche Familien etwa in Fahrzeugen oder provisorischen Siedlungen Zuflucht gefunden haben.
Was unsere Teams in ihrer Analyse festhalten, macht deutlich: Die medizinische Grundversorgung muss schnellstmöglich wieder aufgebaut und gestärkt werden.
Gesundheitsversorgung nicht nur in Krankenhäusern
Ärzte der Welt weist darauf hin, dass sich derzeit ein Großteil der humanitären Gesundheitshilfe auf die Krankenhäuser konzentriert. Gleichzeitig bestehen allerdings in der allgemeinmedizinischen Grundversorgung sowie im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit erhebliche Lücken, etwa bei der Betreuung von Schwangeren. Hierbei handelt es sich um grundlegende und notwendige Gesundheitsdienste. Hierbei handelt es sich um grundlegende Dienstleistungen, die notwendig sind, um die Gesundheit der betroffenen Bevölkerung nicht weiter zu gefährden.
„In einer Notsituation dieser Art ist es unerlässlich, dass neben der Krankenhausversorgung auch die grundlegenden Gesundheitsangebote aufrechterhalten werden, die die Menschen vorrangig brauchen. Dazu gehören Hausarztversorgung, Medikamente, Schwangerschaftsvor- und -nachsorge, psychische Gesundheitsversorgung und die Behandlung von Menschen mit chronischen Erkrankungen. Nur so können wir verhindern, dass sich die Gesundheitskrise in den kommenden Wochen verschärft“
Andrey Escalona, medizinischer Koordinator des Nothilfeprojekts von Ärzte der Welt in Venezuela
Zu den wichtigsten Bedarfen, die ermittelt wurden, zählen
- Einrichtungen der allgemeinen Gesundheitsversorgung. Hausarztpraxen oder Gesundheitsstationen müssen wieder aufgebaut werden
- Die Menschen müssen jederzeit die Medikamente bekommen können, die sie benötigen
- Menschen, die wegen des Erdbebens nun in informellen Siedlungen leben, müssen umfassend versorgt werden.
- Die psychische Gesundheitsversorgung und die psychosoziale Unterstützung müssen verstärkt werden, gerade nach diesen traumatisierenden Erlebnissen
- Angebote der sexuellen und reproduktiven Gesundheit müssen wiederaufgebaut werden, insbesondere für schwangere Frauen, Mädchen und andere besonders schutzbedürftige Personen.
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Enge Zusammenarbeit mit den Behörden
Ärzte der Welt steht in ständiger Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium und weiteren vor Ort tätigen Organisationen. So kann sichergestellt werden, dass die Hilfsmaßnahmen die bestehenden Bemühungen ergänzen und dort ankommen, wo der Bedarf am größten ist.
Unsere Teams werden sich darauf konzentrieren, die medizinische Basisversorgung aufrecht zu erhalten, und zwar durch:
- ärztliche und pflegerische Sprechstunden
- die Versorgung bei leichten Verletzungen
- die Abgabe verschriebener Medikamente
- psychologische Betreuung und psychosoziale Unterstützung
- Angebote im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit
- die Stabilisierung und Überweisung von Patient*innen, sofern erforderlich.
Die Bedarfsanalyse bestätigt zudem, dass mehrere Krankenhäuser durch die Beben erhebliche Schäden erlitten haben. Die Behörden richten Feldlazarette ein, um einen Teil der verlorenen Kapazitäten wiederherzustellen.
Ärzte der Welt wird seine Maßnahmen weiterhin an die Entwicklung der Notlage und die Bedürfnisse der betroffenen Bevölkerung anpassen. Unser Ziel ist es, den Zugang zu einer menschenwürdigen, qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, die auf den tatsächlichen Bedürfnissen der betroffenen Bevölkerung basiert.

