Berlin: Eine Frau wird in einer Sprechstunde von open.med beraten. Ärzte der Welt leistet medizinische Hilfe in Deutschland. © Max Avdeev

Deutschland:
Ärzt*innen für eine bessere medizinische Versorgung

Der Deutsche Ärztetag fordert eine bessere gesundheitliche Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung. Ärzte der Welt begrüßt, dass die Ärzt*innenschaft Probleme adressiert und Lösungen fordert, die sich mit unseren Erfahrungen aus der Praxis decken.

Unversicherte Patient*innen im Notfall besser versorgen: Das forderte der Deutsche Ärztetag bei seinem jüngsten Treffen im Mai. Daneben fordern die Ärzt*innen, Clearingstellen für Menschen ohne Krankenversicherung flächendeckend einzurichten. Beide Vorhaben würden die gesundheitliche Versorgung von unversicherten Patient*innen deutlich verbessern. Ärzte der Welt befürwortet daher diese Beschlüsse, die auch Teil unserer Forderungen an die Politik sind.

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Medizinische Notfallversorgung für Menschen ohne Krankenversicherung

Der Beschluss zur Sicherstellung der Refinanzierung von Notfallbehandlungskosten nicht krankenversicherter Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, Praxen und weiteren medizinischen Einrichtungen macht darauf aufmerksam, dass Personen ohne Krankenversicherung zwar im Notfall behandelt werden müssen, dies in der Realität aber oft an bürokratischen und finanziellen Hürden scheitert. Der Deutsche Ärztetag kritisiert, dass die Behandlung von medizinischen Notfällen nicht vom Versicherungsstatus abhängen darf und fordert daher von der Bundesregierung Anpassungen im Rahmen der geplanten Notfallreform.

„Eine Vereinfachung der Nothelferregelungen sowie die Einrichtung eines solidarisch finanzierten Fonds können dazu beitragen, die ärztliche Notfallversorgung rechtssicher, diskriminierungsfrei und wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.“

Auch die Erfahrungen aus unseren Anlaufstellen zeigen, dass eine Behandlung im Notfall für mittellose Menschen ohne Krankenversicherung oder Aufenthaltstitel nicht verlässlich gesichert ist. Die Krankenhäuser haben zwar einen Anspruch auf Kostenerstattung, doch die Verfahren sind aufwendig und bürokratisch. Dadurch bleiben die Krankenhäuser häufig auf den Kosten sitzen. Als Folge werden unversicherte Patient*innen teilweise in den Notaufnahmen abgewiesen oder müssen Vorauszahlungen in dreistelliger Höhe leisten.

Um das Ausmaß dieses Problems zu verstehen, hat Ärzte der Welt eine Online-Meldestelle eingerichtet, wo Betroffene selbst oder Beratungsstellen anonymisiert Fälle von Abweisungen in Notaufnahmen dokumentieren können. 

Auch wir fordern, den Zugang zur medizinischen Notfallversorgung für Menschen ohne Krankenversicherungsschutz zu verbessern. Die geplante Notfallreform wäre ein geeignetes Mittel hierfür. Leider nutzt die Bundesregierung diese Chance nicht und plant derzeit keine Veränderungen für unversicherte Patient*innen.

Clearingstellen bundesweit einrichten und finanzieren

In einem weiteren  Beschluss fordert der Ärztetag eine flächendeckende Einrichtung von Clearingstellen zur Sicherung der Finanzierung und der Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung.

„Der 130. Deutsche Ärztetag 2026 fordert Bundes- und Landesregierungen auf, flächendeckend Clearingstellen zur Krankenversicherung einzurichten und dauerhaft zu finanzieren, um die medizinische Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung oder mit ungeklärtem Versicherungsstatus verlässlich sicherzustellen.“

Die Ärzteschaft weist darauf hin, dass sich Menschen ohne Krankenversicherung durch den eingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung oft erst spät behandeln lassen, was zu mehr Leid und einer aufwändigeren Therapie führt. Die jetzige Situation führt auch zu Unsicherheit bei Ärzt*innen, wie Leistungen abgerechnet werden können. Um Zugangsbarrieren abzubauen, fordert der Deutsche Ärztetag daher strukturelle Veränderungen und flächendeckende, einheitliche Regelungen. Clearingstellen für Menschen ohne Krankenversicherung und das Modell des anonymen Behandlungsscheins können hier Abhilfe schaffen.

Dieser Beschluss steht im Einklang mit den Empfehlungen zur Ausgestaltung von Clearingstellen, die Ärzte der Welt miterarbeitet hat.

Ärzte der Welt setzt sich seit 26 Jahren dafür ein, dass Menschen ihr Recht auf Gesundheit verwirklichen können. Im Gesundheitsreport von Ärzte der Welt weisen wir auf weitere Barrieren im Zugang zu Gesundheitsversorgung hin und nennen konkrete Lösungsansätze. Wir begrüßen, dass neben dem Deutschen Städtetag nun auch der Deutsche Ärztetag die Herausforderungen von Menschen ohne Krankenversicherung in den Blick nimmt und strukturelle Lösungen von der Politik fordert.

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