Behandlung von Menschen ohne Krankenversicherung

Deutscher Städtetag benennt Problemlagen von Menschen ohne Krankenversicherung in Deutschland

Ende 2025 hat der Deutsche Städtetag ein Positionspapier zur medizinischen Versorgung von Menschen ohne funktionierenden Krankenversicherungsschutz veröffentlicht. Darin werden strukturelle Problemlagen und notwendige Lösungsansätze benannt, die Ärzte der Welt aus jahrelanger Praxiserfahrung ausdrücklich bestätigt.

An derzeit fünf open.med‑Standorten bieten unsere Teams kostenlose medizinische Behandlung, psychosoziale Unterstützung und soziale Beratung an – mit dem Ziel, Menschen (wieder) in bestehende Krankenversicherungs- und Sozialleistungssysteme zu integrieren. Unsere täglichen Erfahrungen zeigen: Fehlender Zugang zu Gesundheitsversorgung ist selten Ausdruck individueller Entscheidungen, sondern das Ergebnis struktureller Barrieren. Dazu zählen rechtliche Ausschlüsse, hohe bürokratische Anforderungen, ungeklärte Zuständigkeiten und Verantwortungsverschiebungen, lange Bearbeitungszeiten bei Ämtern, Behörden und Krankenkassen sowie prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnisse. Diese Befunde belegen wir jährlich mit dem Ärzte‑der‑Welt‑Gesundheitsreport, der sichtbar macht, wer in Deutschland von Ausschlüssen betroffen ist und unter welchen belastenden, krank machenden Bedingungen viele Patient*innen leben, die unsere Unterstützungsangebote in Anspruch nehmen.

Dass der Deutsche Städtetag diese Versorgungslücken klar benennt und die daraus entstehenden Herausforderungen für Städte und Gemeinden offen adressiert, ist ein wichtiges Signal für die gesundheitspolitische Debatte. Besonders bedeutsam ist die Anerkennung der kommunalen Praxis sowie der Arbeit von Clearingstellen, Gesundheitsfonds und niedrigschwelligen medizinischen Angeboten, die vielerorts mit großem Engagement und begrenzten Ressourcen die Versorgungslücken abfedern.

Wir schließen uns der zentralen Botschaft des Positionspapiers an: Städte und Gemeinden übernehmen Verantwortung für die gesundheitliche Daseinsvorsorge, können strukturelle Versäumnisse auf Bundesebene jedoch nicht dauerhaft kompensieren. Nachhaltige Lösungen erfordern klare Zuständigkeiten, rechtssichere Verfahren und eine tragfähige Finanzierung. Dafür sind strukturelle Reformen auf Bundes- und Landesebene sowie eine solidarische Absicherung, die alle Menschen einbezieht und einen diskriminierungsfreien Zugang zu Gesundheitsversorgung ermöglicht, dringend notwendig.

Lesen Sie hier unsere detaillierten Forderungen an die Bundesregierung.

Kontakt

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren. Wir sind für Sie da.

Janina Gach, Advocacy

Janina Gach

Referentin Advocacy

Tel: +49 (0)157 85 04 03 97

E-Mail: janina.gach@aerztederwelt.org

Publikationen zu diesen Themen:

Sharing is Caring. Teilen Sie diesen Beitrag!