Bei einer Demonstration anlässlich des feministischen Kampftages 2025 tragen mehrere Personen ein Transparent mit der Aufschrift „Mein Körper, meine Zukunft. Legalisiert die Abtreibung!“ © Ärzte der Welt

Deutschland:
Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland: Rechtlich erlaubt, praktisch verweigert

Am 28. September ist der internationale Safe Abortion Day, der weltweite Aktionstag für sichere Schwangerschaftsabbrüche. Aus unsereren Projekten in Deutschland wissen wir: Der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ist auch hierzulande alles andere als selbstverständlich.

In unserem Projekt reach.out plus  begleiten wir Frauen im Asylverfahren, die verschiedene Formen von geschlechtsbasierter Gewalt erlebt haben. Viele von ihnen sind auf der Flucht ungewollt schwanger geworden. Rechtliche und bürokratische Barrieren sowie begrenzte Beratungsangebote machen es ihnen jedoch schwer, einen Schwangerschaftsabbruch in Anspruch zu nehmen, wenn sie das wünschen

„Die Arbeit im reach.out plus Projekt hat mein Verständnis grundlegend verändert, was Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen bedeut“, sagt die Projektleiterin von reach.out plus, Michelle Kerndl-Özcan. „Mit unserem Projekt unterstützen wir Frauen, die unter anderem Partnerschaftsgewalt, Zwangsverheiratung, weibliche Genitalbeschneidung oder Verfolgung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung erlebt haben. Viele werden auf der Flucht vergewaltigt oder sind von sexueller Ausbeutung oder Menschenhandel betroffen.“

Wenn Frauen bei Vergewaltigungen auf der Flucht schwanger werden, dauert es meistens länger als 14 Wochen bis sie einer reach.out-Mitarbeiterin davon erzählen können. Ein Schwangerschaftsabbruch  ist allerdings nur während des ersten Trimesters und nachdem eine Schwangerschaftskonfliktberatung in Anspruch genommen wurde straffrei.

Systemische Hürden für geflüchtete Frauen

Frauen im Asylverfahren können oft nicht rechtzeitig Schwangerschaftsabbrüche in Anspruch nehmen, auch wenn diese entscheidend für ihre Zukunft und Gesundheit sind. Zusätzlich sind sie als Asylbewerberinnen mit rechtlichen und bürokratischen Einschränkungen sowie Sprachbarrieren konfrontiert. Die Situation für ungewollt Schwangere ist enorm belastend. Dazu kommt, dass viele schon mit Traumata, Unsicherheit und dem Druck des Asylverfahrens zu kämpfen haben. 

Perspektiven schaffen mit reach.out plus

Mit seinen Workshops und Beratungsangebot wirkt Ärzte der Welt dieser Ungerechtigkeit aktiv entgegen – durch Aufklärung über die eigenen Rechte und Handlungsmöglichkeiten und Begleitung während des gesamten Prozesses.

Keine Frau sollte gezwungen sein, eine ungewollte Schwangerschaft auszutragen, nur weil sie keinen Zugang zu der Unterstützung und Versorgung hat, die sie benötigt. Es muss sicherstellt werden, dass alle Frauen in Deutschland zeitnah, gerecht und unter Berücksichtigung traumatischer Erfahrungen Zugang zu einer umfassenden reproduktiven Gesundheitsversorgung erhalten. Aufklärung ist der Schlüssel, dass Frauen selbstbestimmt informierte Entscheidungen treffen können.

Ein sicherer Schwangerschaftsabbruch ist nicht nur eine Frage der Gesundheitsversorgung – es geht um Würde, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit. 

Pressekontakt

Stephanie Kirchner

Pressereferentin

Tel: + 49 (0)160 8557427

E-Mail: presse@aerztederwelt.org

Pressemitteilungen zu diesen Themen:

Sharing is Caring. Teilen Sie diesen Beitrag!