Die russischen Luftangriffe in der Ukraine haben eine neue Qualität angenommen. Anstatt Angriffe auf die kritische Infrastruktur, sind nun vermehrt historische Gebäude das Ziel massiver Drohnen- und Raketenangriffe – darunter ein UNESCO-geschütztes Kloster in Kyiv. Eldar Hasanov, Ärzte der Welt-Mitarbeiter in der Stadt Dnipro, berichtet:
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„Nach einem sehr schwierigen Winter können wir jetzt sehen und spüren, wie sich das Muster verändert hat. Zuvor lag der Schwerpunkt hauptsächlich darauf, die Bevölkerung durch Angriffe auf Elektrizitätswerke zu terrorisieren, indem sie von lebensnotwenigen Ressourcen abgeschnitten wurden. In der warmen Jahreszeit brauchen die Menschen keinen Strom mehr, um zu heizen, und Angriffe auf Elektrizitätswerke sind nicht mehr so effektiv.
Stattdessen beobachten wir eine Zunahme von Angriffen auf zivile und logistische Einrichtungen – vergangene Woche zum Beispiel einen massiven Angriff auf Lagerhäuser eines Postunternehmens, eine alte Kirche, die als Konzertsaal genutzt wurde, und ein zum Weltkulturerbe gehörendes Kloster. Kombinierte Angriffe mit Drohnen und Raketen erfolgen sowohl tagsüber als auch nachts.

Persönlich waren die letzten drei Monate eine der härtesten Zeiten, die ich je erlebt habe. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals so viele Angriffe gab.
Eldar Hasanov, Ärzte der Welt-Mitarbeiter in Dnipro
Kaum ein Tag ist ohne Bombardierungen vergangen. Stellen Sie sich vor, alle 30 Minuten Explosionen zu hören. Ich muss Ihnen nicht erzählen, in welchem mentalen Zustand sich die Ukrainer*innen befinden, in meinem Fall die Menschen in Dnipro. Psychische Gesundheit ist ein großes Thema, und leider gibt es manchmal wenig Zeit oder Möglichkeiten, sich angemessen um sich selbst zu kümmern.
Am 2. Juni gab es mehrere Luftschläge. Bei einem Angriff auf ein Wohngebäude wurden 20 Menschen getötet und weitere verletzt. Ich könnte viele Daten und Opfer aufzählen – Zahlen, hinter denen menschliche Schicksale und schmerzhafte Verluste stecken. Ein Vater, eine Mutter, Kinder, die nur wenige Monate alt sind, Großeltern,18. Mai, 25. April, 26. März und so weiter…
Das eigentliche Problem liegt darin, nicht zu wissen, wann es einen trifft. Wenn man tagsüber arbeitet, ist es wichtig, online zu bleiben. Nach einem Luftangriff muss man die gesamte Familie anrufen, um sicherzustellen, dass es allen gut geht. In der Nacht kann es passieren, dass man den Luftalarm verpasst, nicht in den Schutzraum geht und sich dadurch in Gefahr bringt. Und wenn man aufwacht und fast jede Nacht in den Schutzraum geht, mangelt es einem irgendwann an Schlaf. Denn man muss ja trotzdem früh am Morgen aufstehen, seinem Kind Frühstück machen, zur Arbeit gehen und dabei versuchen, sich auch um sich selbst zu kümmern.“
Trotz der massiven Belastung durch den Krieg, arbeiten die Ärzte der Welt-Mitarbeitenden jeden Tag daran, die körperliche und seelische Gesundheit ihrer Mitbürger*innen zu stärken – mit medizinischer Versorgung aber zum Beispiel auch durch kunsttherapeutische Angebote.



