In unseren open.med-Praxen behandeln und beraten wir Menschen, die sonst keine medizinische Versorgung hätten. Seit wichtige Finanzierungen von Partnern weggebrochen sind, stehen unsere Angebote jedoch massiv unter Druck. Gleichzeitig kommen immer mehr Patient*innen zu uns.
Bitte helfen Sie Menschen in Deutschland mit einer Spende!
Es ist eine besorgniserregender Trend: Die Zahl der Menschen in Deutschland ohne Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung steigt kontinuierlich. Konkret heißt das, dass immer mehr Menschen trotz Beschwerden nicht einfach in eine Arztpraxis oder ins Krankenhaus gehen können.
Die Gründe hierfür sind vielfältig: Fehlende Krankenversicherung, prekäre Arbeitsverhältnisse, psychische Belastungen oder fehlendes Wissen, ob einem eine Versorgung zustünde. Somit kommen jedes Jahr mehr Menschen in unsere open.med-Praxen, in denen sie anonym und kostenlos behandelt und psychisch betreut werden.
Versorgungslücken auch durch politische Regelungen
Aber es sind nicht nur individuelle Herausforderungen – sondern auch Lücken im politischen System. Beispielsweise haben Menschen, die in Deutschland Asyl beantragen, in den ersten 18 Monaten keinen rechtlichen Anspruch auf umfassende Versorgung.
„Ob Menschen in Deutschland ihr Recht auf Gesundheit wahrnehmen können, ist zu einem großen Teil eine Frage politischer Entscheidungen.“
Dr. Johanna Offe, Leiterin der Advocacy-Abteilung bei Ärzte der Welt
Was diese Versorgungslücken im regulären Gesundheitssystem für unsere Patient*innen bedeuten, sehen wir in unseren Sprechstunden jeden Tag: Akut Erkrankte, bei denen fehlende ärztliche Hilfe schnell lebensbedrohlich werden kann. Hochschwangere, die ihre erste Vorsorgeuntersuchung erst in unserer Sprechstunde erhalten. Babys und Kinder, die sonst keine medizinische Untersuchung, Impfung oder weitere Behandlung bekommen würden.
Unsere ehrenamtlichen Ärzt*innen und Psycholog*innen bzw. Psychiater*innen behandeln, betreuen und erkennen Notfälle. Gleichzeitig versuchen unsere Teams durch Sozialberatungen, bürokratische Fragen zu klären und die Patient*innen (wieder) in eine reguläre Krankenversicherung einzugliedern.
Um aber die steigende Zahl der Patient*innen gut behandeln zu können, brauchen Initiativen und NGOs wie Ärzte der Welt mehr finanzielle Unterstützung, nicht weniger. Diese besorgniserregende Tendenz der Mittelkürzungen trifft vor allem besonders verletzliche Menschen. Dabei gilt nach wie vor: Gesundheitsversorgung ist ein Menschenrecht.
Der selbstständige Künstler Thilo Weber*, der es wegen hohen Schulden bei der Krankenkasse lange vermieden hatte, ärztliche Hilfe zu suchen, wandte sich schließlich an open.med. Der behandelnde Arzt stellte eine lebensbedrohliche Bluterkrankung fest und überwies den Patienten sofort als Notfall ins Krankenhaus.
Der selbstständige Künstler Thilo Weber*, der es wegen hohen Schulden bei der Krankenkasse lange vermieden hatte, ärztliche Hilfe zu suchen, wandte sich schließlich an open.med. Der behandelnde Arzt stellte eine lebensbedrohliche Bluterkrankung fest und überwies den Patienten sofort als Notfall ins Krankenhaus.
Nach ein paar Wochen kam der Patient mit einem Geschenk vorbei und bedankte sich für die Hilfe: „Ihr habt mein Leben gerettet.“
*Name geändert
Foto: Symbolbild
Deutschland
„Heute ist mein vierjähriger Sohn gesund und mir geht es ganz gut!”
Jelena Jovanovic lebt seit fünf Jahren in München. Sie ist Kinderpflegerin und glückliche Mutter. Doch dafür musste sie viel durchmachen: Mit 21 Jahren floh sie von Serbien nach Deutschland, weil ihre Familie sie aufgrund einer ungeplanten Schwangerschaft bedrohte. Sie war allein, hatte kein Geld, keinen Aufenthaltstitel, keine Unterkunft und keine Krankenversicherung. Bei open.med München erhielt sie nach acht Monaten Schwangerschaft ohne Zugang zu medizinischer Versorgung ihre erste Vorsorgeuntersuchung.
Mit Anfang 50 verlor Erika Brunner* ihre Arbeit. Ihr Antrag auf Arbeitslosengeld wurde abgelehnt, weil sie bei ihrem Lebensgefährten wohnte und die beiden als Bedarfsgemeinschaft galten. Ihre Krankenversicherung musste sie jedoch selbst finanzieren. Ohne eigenes Einkommen konnte sie die Beiträge nicht bezahlen und hatte nach einigen Jahren 12.000 Euro Schulden bei der Versicherung.
Mit Anfang 50 verlor Erika Brunner* ihre Arbeit. Ihr Antrag auf Arbeitslosengeld wurde abgelehnt, weil sie bei ihrem Lebensgefährten wohnte und die beiden als Bedarfsgemeinschaft galten. Ihre Krankenversicherung musste sie jedoch selbst finanzieren. Ohne eigenes Einkommen konnte sie die Beiträge nicht bezahlen und hatte nach einigen Jahren 12.000 Euro Schulden bei der Versicherung.
Da sie unter starkem Husten und häufig auftretender Atemnot litt, suchte sie die Sprechstunde von open.med auf, wo die Atemwegserkrankung COPD diagnostiziert und behandelt wurde. Außerdem kontaktierte das open.med-Team die Krankenkasse. Diese sicherte ihr schließlich vollen Versicherungsschutz zu. Die Beitragsschulden wurden reduziert.
„Als im Briefkasten meine Versichertenkarte lag, war ich so glücklich“, sagt Erika Brunner.
Aliya Safi* war aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. In ihrer Asylunterkunft auf dem Land hatte sie kaum Zugang zu medizinischer Versorgung – und das, obwohl sie schwanger war. Auch wegen ihrer chronischen Hepatitis brauchte sie dringend regelmäßige Arzttermine. Aliya konnte noch kein Deutsch und kannte niemanden. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Eine psychisch enorm belastende Situation….
Aliya Safi* war aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. In ihrer Asylunterkunft auf dem Land hatte sie kaum Zugang zu medizinischer Versorgung – und das, obwohl sie schwanger war. Auch wegen ihrer chronischen Hepatitis brauchte sie dringend regelmäßige Arzttermine. Aliya konnte noch kein Deutsch und kannte niemanden. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Eine psychisch enorm belastende Situation. Doch dank dem Projekt reach.out von Ärzte der Welt fand Aliya Unterstützung. Eine der engagierten Multiplikatorinnen kommt auch aus Afghanistan, konnte für Aliya übersetzen und fand endlich eine Gynäkologin und eine Hausärztin für sie.
Klaus Zott*, 72 Jahre, meldete sich telefonisch in der Münchener open.med-Praxis von Ärzte der Welt. Er klagte über Schmerzen und Blutungen aus dem Verdauungstrakt. Da er keine Krankenversicherung hatte, konnte Herr Zott keine reguläre Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen. Er arbeitete selbständig im IT-Bereich und hatte früher eine private Krankenversicherung.
Klaus Zott*, 72 Jahre, meldete sich telefonisch in der Münchener open.med-Praxis von Ärzte der Welt. Er klagte über Schmerzen und Blutungen aus dem Verdauungstrakt. Da er keine Krankenversicherung hatte, konnte Herr Zott keine reguläre Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen. Er arbeitete selbständig im IT-Bereich und hatte früher eine private Krankenversicherung. Diese hatte er jedoch vor 20 Jahren aufgrund von Beitragsschulden verloren. Das Ärzte der Welt-Team informierte Herrn Zott, dass er bei starken Beschwerden den Notarzt rufen könne, und baten ihn, zeitnah in die Sprechstunde zu kommen.
Eine Woche später kam er in die Praxis und es wurde unter anderem eine Blutprobe genommen. Diese ergab einen bedrohlich niedrigen Hämoglobinwert, woraufhin dem Patienten empfohlen wurde, schnellstmöglich ein Krankenhaus aufzusuchen. Mit Zustimmung von Herrn Zott veranlasste das Team, dass er in die Notaufnahme eingewiesen wurde. Dort wurde eine Darmkrebserkrankung diagnostiziert. Herr Zott verbrachte zehn Wochen im Krankenhaus, wo die Krebserkrankung mit einer Chemo- und einer Strahlentherapie sowie mit einem operativen Eingriff behandelt wurde. Danach wurde er nach Hause entlassen. Eine Betreuerin kümmerte sich darum, dass er in die Krankenversicherung reintegriert wurde.