Patient im Panzi-Hospital, D.R. Kongo

DR Kongo:
Ebola: Die Gefahr besteht weiter

Derzeit wird wenig über die Ausbreitung von Ebola in der demokratischen Republik Kongo berichtet – aber das heißt nicht, dass die Krankheit zum Stillstand gekommen ist. Im Gegenteil: Menschen erkranken weiterhin und sterben. Ärzte der Welt-Direktorin Katri Betram berichtet im Interview zur aktuellen Lage und unserer Hilfe.

Bei dem aktuellen Ebola-Ausbruch in der demokratischen Republik Kongo handelt es sich laut der WHO um den größten in Geschichte des Landes. Wie ist die Situation vor Ort?

Jeden Tag infizieren sich derzeit Menschen mit dem Virus. Die Menschen haben Angst in Gesundheitseinrichtungen zu gehen, also in Kliniken, in Krankenhäuser, in Gesundheitszentren, weil die Ansteckungsgefahr auch dort groß ist. Und das bedeutet für unsere Teams, dass Menschen auch chronische Krankheiten nicht behandeln lassen oder sie bei Infektionen keine Hilfe aufsuchen. Noch dazu ist in Süd-Kivu, wo wir tätig sind, derzeit neben Ebola auch die Cholera ausgebrochen. Das ist hochgefährlich.

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Was genau macht Ebola so bedrohlich?

Ebola hat Symptome, die anderen Krankheiten sehr ähneln, etwa einer Grippe, oder der in der Region -verbreiteten Malaria. Erkrankte suchen deshalb häufig sehr spät Hilfe auf. Ebola ist hochansteckend, wenn Menschen mit Erbrochenem, Blut oder einem toten Körper in Kontakt kommen. Und das bedeutet, dass es sehr gefährlich ist, wenn erkrankte Personen Krankenhäuser oder Praxen aufsuchen.

Beim in der Demokratischen Republik Kongo verbreitete Ebola-Virus handelt es sich um die Bundibugyo-Variante, für die es derzeit keine Impfung gibt. Die bisherigen Impfstoffe, die wir zur Verfügung haben, schützen noch nicht wirksam. Neue Impfstoffe werden gerade klinisch erforscht und vor Ort auch getestet. 

Was uns die größten Sorgen macht, sind die Infektionsketten: Infizierte Menschen stecken unbemerkt ihre Familien, Freunde oder Verwandte an und können nicht isoliert werden, um die Infektionskette zu unterbrechen.  

Die Weltgesundheitsorganisation geht inzwischen von deutlich höheren Zahlen als bisher aus: Realistisch sind ihrer Schätzung nach drei- bis viermal so viele Infektionen und Todesfälle wie die bisher bekannten 6.000 bzw. 3.000 Fälle.

Dennoch wird Ebola medial wenig thematisiert.

Ebola war im Mai, als der Ausbruch der Krankheit veröffentlicht wurde, international ganz kurz in den Schlagzeilen. Wir leben aber leider in einer Welt mit vielen Krisen: Kurz danach gab es ein verehrendes Erdbeben in Venezuela und Kolumbien, Sturzfluten in Nepal und Tibet und extreme Hitze in Europa. Das Thema Ebola hat es also schwer in den Schlagzeilen zu bleiben, trotz der gravierenden Bedrohung für die Bevölkerung. Es ist leider wie bei vielen anderen Krisen etwa in der Ukraine, in den palästinensischen Gebieten oder auch im Sudan.

Eine Herausforderung ist zudem, dass Wissenschaftsjournalist*innen von Kürzungen betroffen sind. Schlagzeilen sind immer nur kurz in den Medien sichtbar. Das, was tatsächlich vor Ort passiert, die Analyse und die Informationen, die Politiker*innen und auch wir als Bevölkerung bräuchten, geht dabei verloren.

Ärzte der Welt leistet in der D.R. Kongo humanitäre Hilfe. Was genau machen unsere Teams vor Ort, um den Menschen dort adäquat zu helfen? Und was wird aktuell am dringendsten gebraucht?

Ärzte der Welt ist in der Demokratischen Republik Kongo schon seit 1994 tätig. Wir arbeiten mit den Menschen und lokalen Partnern in einem sehr komplexen Land und bauen dort seit Jahrzehnten Vertrauen auf. Das Land ist riesig, es leben dort über 120 Millionen Menschen, die über 200 Sprachen sprechen. Schon lange herrschen dort mehrere Krisen: Durch gewalttätige und bewaffnete Rebellengruppen gibt es eine humanitäre Krise. 25 Millionen Menschen sind auf Unterstützung angewiesen, 7 Millionen Menschen sind innerhalb ihres Landes vertrieben worden und mussten fliehen. Man braucht also Organisationen wie Ärzte der Welt, die sich auskennen, die nicht nur kurzzeitig rein- und rausfliegen, sondern das Vertrauen der Einheimischen und Partnern haben.

Auf welche Schwerpunkte konzentrieren uns in dieser Krise?

Zum einen arbeiten wir an der Aufklärung. Es ist unglaublich wichtig, die Bevölkerung mitzunehmen, Vertrauen aufzubauen, zu erklären, wie dieses Virus sich ausbreitet. Wir erklären auch, wie Zoonosen entstehen, also Krankheiten, die von Tieren zu Menschen übertragen werden.

Als zweites trainieren wir auch die Gesundheitsfachkräfte, derzeit vor allem zu psychologischen Maßnahmen. Die Menschen haben große Angst und können panisch reagieren. Wir bilden Fachkräfte dazu weiter, wie sie mit solchen Situationen besser umgehen können.

Drittens statten wir Gesundheitsfachkräfte mit Schutzanzügen aus, damit sie sich nicht anstecken und das ohnehin angespannte Gesundheitssystem nicht zusammenbricht.

Zudem bauen wir Isolationsräume für die Ebola-Patient*innen auf, um Infektionen einzudämmen.

Und fünftens arbeiten wir an politischen Ansätzen, die langfristig gebraucht werden. Wir wenden uns an die Bundesregierung, damit sie Gelder zur Verfügung stellt: Für den langfristigen Aufbau von globaler Gesundheit, für genau solche Krisen, für humanitäre Hilfe und für Entwicklungszusammenarbeit. Davon würden wir alle langfristig profitieren.

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