Beratung im Behandlungsbus von Ärzte der Welt in München

München:
Unterwegs mit dem open.med-Bus

Im Rahmen ihres Praktikums in der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit von Ärzte der Welt konnte Nathalie Mysliwczyk einen Einsatz unseres Münchner Behandlungsbusses begleiten. Hier berichtet sie über ihre Erfahrung.

Es ist früher Abend, als die beiden open.med-Behandlungsbusse vor dem Übernachtungsschutz für obdachlose Menschen im Münchner Norden vorfahren. Viele Menschen warten schon, während die Mitarbeitenden von open.med in wenigen Minuten die mobile Praxis inklusive Anmeldetheke und Wartebereich aufbauen. Es wirkt routiniert, und hat einen festen Ablauf: Erst die Anmeldung, dann die sogenannte Sozialanamnese, bei der die besonderen Lebensumstände und Bedarfe einer Person geklärt werden, und zuletzt die medizinische Behandlung.

Man ahnt bei einem einmaligen Besuch nur annähernd, wie hoch die Nachfrage nach dem Angebot hier Woche für Woche ist und unter welchem Stress die Mitarbeiter*innen von open.med stehen. Dennoch bleiben sie freundlich, bestimmt und effizient. Ich stelle mich darauf ein, dass dieser Abend lang wird, und bemühe mich darum, die eingespielten Abläufe nicht zu stören.

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Außergewöhnliche Hilfe nach Diebstahl von Medikament

Dann kommt ein Moment, in dem ich helfen kann. Eine Frau aus Polen kommt zum Anamnesegespräch. Für eine Unterhaltung über medizinische Angelegenheiten fühlt sie sich nicht sicher genug in der deutschen Sprache. Ich frage, ob sie möchte, dass ich für sie dolmetsche und schon sitze ich in einem der Busse und übersetze das Gespräch mit der open.med-Mitarbeiterin.

Die Patientin, eine studierte Historikerin, berichtete, die Agentur für Arbeit habe ihr eine Arbeitsstelle in Deutschland vermittelt. Kaum war sie jedoch in München angekommen, wurde ihr am Bahnhof die Handtasche gestohlen. Alles war weg: Handy, Geldbörse mit Bankkarte und Ausweis, der Arbeitsvertrag, die Unterlagen ihrer Krankenversicherung sowie eine verschreibungspflichtige Creme für ihre Schuppenflechte, ohne die sie starke Schmerzen am ganzen Körper leidet. Zum Glück war die dringend benötigte Creme direkt im Behandlungsbus vorrätig. Für den nächsten Tag konnte die Frau Termine vereinbaren, um Unterstützung bei der Ausstellung neuer Papiere zu bekommen.

Auch wenn nicht alle Anliegen, mit denen Menschen zu open.med kommen, so schnell erfüllt werden können, und es sich sicher nicht um einen typischen Fall handelte, war die Begegnung für mich ein wertvoller Einblick in die facettenreiche Arbeit von Ärzte der Welt.

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