Zwei Mitarbeiterinnen von Ärzte der Welt im Qoloji-Camp in der äthiopischen Somali-Region

Äthiopien:
Hilfe ausgeweitet: drei Regionen, ein Ziel

Bewaffnete Konflikte, Dürren und Überschwemmungen haben Hunderttausende Menschen in Äthiopien vertrieben. Die Krise im Sudan verschärft eine ohnehin komplexe Flucht- und Versorgungskrise in Äthiopien, auf die Ärzte der Welt in mehreren besonders belasteten Regionen reagiert. Gemeinsam mit HelpAge Ethiopia und der äthiopischen Organisation OWDA sind wir nun in drei der am stärksten belasteten Regionen aktiv.

Ende 2025 lebten über 1,1 Millionen Geflüchtete und fast zwei Millionen Binnenvertriebene in Äthiopien. In den oft provisorischen Camps ist die Situation für die Menschen sehr belastend: Zu wenig Essen, kein sauberes Wasser – und eine medizinische Versorgung, die längst am Limit ist.

Ärzte der Welt hat deshalb – zusammen mit seinen äthiopischen Partnern – neue Projektstandorte in der Stadt Gambela und der Region Benishangul-Gumuz nahe der sudanesischen und südsudanesischen Grenze aufgebaut. In Camps wie Bambasi und Sherkole leben über Zehntausende, die aus Nachbarländern fliehen mussten oder im eigenen Land vertrieben wurden. Unsere Teams statten dort Gesundheitszentren mit Medikamenten und medizinischer Ausrüstung aus, und liefern beispielweise Gehhilfen für Menschen mit Behinderungen.

Bewährt und ausgebaut: das Qoloji-Camp in der Somali-Region

Seit Jahren arbeiten die Teams hier gemeinsam mit OWDA, unterstützt vom Auswärtigen Amt. Der Fokus liegt auf Frauen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und ihren Neugeborenen sowie auf der Behandlung von Mangelernährung bei Kindern. In Qoloji allein leben über 10.700 Kinder unter fünf Jahren und 6.200 schwangere oder stillende Frauen.

Und die Herausforderungen wachsen: Wiederkehrende Dürren und Wassermangel verschärfen die ohnehin prekäre Lage. Weniger als ein Drittel der Haushalte hat funktionierende Latrinen. Deshalb sorgen die Teams nicht nur für Gesundheitsversorgung, sondern auch für sauberes Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene.

Was das Projekt konkret leistet

58 Prozent der über 100.000 erreichten Personen  sind Frauen und Mädchen, etwa 12 Prozent leben mit einer Behinderung. Ärzte der Welt stärkt bestehende Gesundheitseinrichtungen, statt parallele Strukturen aufzubauen. Das heißt: lokales Personal schulen, Notfallüberweisungen verbessern, Hausbesuche durchführen, Physiotherapie und allgemeine medizinische Versorgung anbieten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz älterer Menschen und Menschen mit Behinderungen – mit individueller Beratung, psychosozialer Hilfe, sicheren Anlaufstellen und Maßnahmen gegen Gewalt und Ausbeutung.

Frauen und Mädchen, die in Flucht- und Vertreibungssituationen einem erhöhten Gewaltrisiko ausgesetzt sind, erhalten vertrauliche Beratung, psychosoziale Unterstützung und Zugang zu sicheren Räumen.

Mehr als reine Nothilfe

Ärzte der Welt setzt nicht nur auf kurzfristige Versorgung. Betroffene Menschen werden in Planung, Umsetzung und Bewertung der Maßnahmen einbezogen. Lokale Organisationen wie OWDA übernehmen einen großen Teil der Umsetzung. Es gibt Beschwerde- und Feedbackmöglichkeiten, damit die Angebote angepasst werden können. Denn nachhaltige Hilfe entsteht dort, wo Gesundheit kein Privileg bleibt, sondern ein erreichbares Recht.

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