Gesundheitsstation in Gaza: Ein Arzt behandelt ein Kleinkind, das auf einer Liege sitzt, daneben seine Mutter. Ärzte der Welt leistet medizinische Hilfe in Gaza. © Ärzte der Welt

Gaza:
Kinder und Schwangere in Gefahr

Frauen, Kinder und Neugeborene leiden besonders unter der anhaltenden militärischen Gewalt in Gaza und den massiven Beschränkungen des Grenzverkehrs. Und das, obwohl vor einem Jahr offiziell ein Waffenstillstand verkündet worden ist. Aktuelle Daten von Ärzte der Welt und Physicians for Human Rights machen die katastrophalen Folgen sichtbar.

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Beträge

Frauen in Gaza erleben regelmäßig gefährliche Komplikationen während der Schwangerschaft und Entbindung. Viele haben kaum eine Möglichkeit, reproduktive Gesundheitsversorgung in Anspruch zu nehmen. Dem Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten zufolge traten im ersten Halbjahr 2026 dreimal so viele Fehlgeburten auf, wie in den vorangegangenen sechs Monaten. Schwangere Patient*innen, die spezialisierte Versorgung benötigen, werden nicht für medizinische Evakuierungen priorisiert. Für sie gelten dieselben eingeschränkten Grenzübergänge und langwierigen Genehmigungsverfahren.

„Das Schwierigste ist, dass ich für meine Kinder stark sein muss, obwohl ich erschöpft bin und Angst habe. Ich kann ihnen nicht zeigen, wie viel Angst ich habe, denn sie sind von mir abhängig. Dabei brauche ich selbst finanzielle und seelische Unterstützung, um alles zu verkraften.“

Eine von Ärzte der Welt befragte Patientin

Die Unabhängige Internationale Untersuchungskommission für die besetzten palästinensischen Gebiete der Vereinten Nationen stellte in ihrem Bericht vom Juni 2026 fest, dass Israels Angriffe auf Einrichtungen für Schwangere und Neugeborene nicht nur deren Versorgung verhindert, sondern letztendlich zum Zusammenbruch des neonatalen Gesundheitssystems beigetragen haben. Zudem hat die Militärgewalt viele Mütter traumatisiert. Beides hat zu einem Anstieg von Fehlgeburten, Frühgeburten, niedrigem Geburtsgewicht und Sterblichkeit bei Neugeborenen geführt, sowie zu einer Reihe angeborener Erkrankungen, die ein Kind ein Leben lang beeinträchtigen können.

Menschengemachter Mangel

Daneben leidet die Mehrheit der Palästinenser*innen im Gazastreifen unter akuter Mangelernährung. Krankheiten werden zunehmend chronisch – auch das betrifft schwangere Frauen und Kinder in besonderem Maße. Der aktuelle Bericht von Ärzte der Welt liefert Einblicke und Daten zur unerträglichen Situation der Menschen im Gazastreifen.

„Meine Kinder haben sich verändert. Sie sind ängstlicher, sie machen sich Sorgen um Essen, und sie fühlen sich nicht sicher. Sie zählen jeden Bissen und fangen an zu berechnen, wie viel Brot wir am Tag essen sollten. Sie haben das Gefühl von Normalität verloren.“

Eine von Ärzte der Welt behandelte Patientin

Seit dem Waffenstillstand durfte Ärzte der Welt keinen einzigen Lastwagen mit medizinischen Versorgungsgütern nach Gaza bringen. Die letzte Lieferung erfolgte im März 2025. Stattdessen müssen wir Produkte vor Ort teuer einkaufen oder Spenden anderer humanitärer Organisationen nutzen.

Diese Zugangsprobleme treffen alle, doch sie sind besonders akut für schwangere und stillende Frauen. Die anhaltende Blockade von Hilfsgütern durch israelische Behörden und der ausbleibende Wiederaufbau des Gesundheitssystems schaden zusätzlich die Gesundheit der Palästinenser*innen und verhindern, dass sie frei über ihre Körper und Familienplanung entscheiden. Darunter leidet auch das Wohlbefinden zukünftiger Generationen enorm.

Damit sich Frauen und Kinder in Gaza erholen können und um ihre Gesundheitsversorgung sicherzustellen, müssen die israelischen Behörden und das Militär die andauernde Gewalt sofort beenden und die uneingeschränkte Einfuhr aller nötigen humanitären Hilfsgüter ermöglichen. Zugleich muss die internationale Gemeinschaft den Wiederaufbau von Gesundheitseinrichtungen vorantreiben. Darüber hinaus müssen diejenigen zur Rechenschaft gezogen werden, die Gesundheitsversorgung verhindert und damit das Völkerrecht verletzt haben. Es gilt anzuerkennen, welche langfristigen Auswirkungen die massiven Versorgungslücken und die militärische Gewalt haben.

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