Gesundheitsversorgung für afghanische Ortskräfte

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Demonstration am Brandenburger Tor. Foto: Renate Chueire

Probleme beim Zugang zu medizinischer Versorgung dringend angehen!

 

Probleme beim Zugang zu medizinischer Versorgung dringend angehen!

Ehemalige afghanische Ortskräfte sind in Deutschland mit erheblichen Barrieren konfrontiert, wenn sie medizinische und psychologische Dienste in Anspruch nehmen wollen. Ärzte der Welt fordert, die lückenlose Gesundheitsversorgung aller Geflüchteten sicherzustellen.

„Es ist empörend, dass gerade Personen, die bereits viel für Deutschland geleistet und Schlimmes durchgemacht haben, sich an ehrenamtlich getragene Projekte wenden müssen, um ihr Grundrecht auf Gesundheitsversorgung in Anspruch zu nehmen", sagt der Direktor der deutschen Sektion von Ärzte der Welt François De Keersmaeker. „Wir sehen in unseren Projekten für Menschen ohne Krankenversicherung in München und Berlin vermehrt Afghan*innen, die für deutsche Institutionen gearbeitet haben und nach der Machtübernahme der Taliban hier Schutz gesucht haben. Sie sind bis zu vier Monate im Land und haben immer noch keine Krankenversicherung."

So erging es auch Ahmad Rahimi (Name geändert), der wegen seiner Tätigkeit für deutsche Organisationen in seiner Heimat massiv bedroht worden ist. Seine Frau war gerade mit dem dritten Kind schwanger, als die Taliban wieder die Macht übernahmen. Nach acht Monaten im Untergrund konnte die Familie endlich nach Deutschland ausreisen. Hier leben die Rahimis in einer Sammelunterkunft, in der problematische hygienische Bedingungen herrschen. Und obwohl Ahmad Rahimi chronisch krank ist und auch die Kinder dringende medizinische Bedarfe hatten, dauerte es über drei Monate, bis die Familie endlich krankenversichert war. In seiner Not wandte sich Rahimi an die Münchner Ärzte der Welt-Anlaufstelle.

„Drei Nächte konnte ich vor Schmerzen nicht schlafen, bevor eine Sozialarbeiterin im Heim mich zu open.med geschickt hat", berichtet er. „Ich weiß nicht, was ich sonst gemacht hätte, ohne Geld und ohne Krankenversicherung. Unser Fall war noch in Bearbeitung, und niemand wusste, wie lange es noch dauern kann, bis wir krankenversichert werden. Zum Glück habe ich bei open.med Medikamente bekommen, auch meine Frau und die Kinder konnten endlich zum Arzt gehen. Jetzt geht es uns besser."

Ähnlich wie der Familie Rahimi geht es vielen Betroffenen, die in Gemeinschaftsunterkünften oder bei Familienangehörigen untergekommen sind. Sie haben zwar bereits ein Visum zur Einreise nach § 22 Aufenthaltsgesetz, aber aufgrund von andauernden Verwaltungsvorgängen noch keine Krankenversicherung. Bei Aufenthaltsgenehmigungen, Anträgen auf Sozialleistungen und Anmeldungen bei der Krankenversicherung gibt es oft Verzögerungen. Besonders für chronisch Kranke und Schwangere kann das dramatische Auswirkungen haben.

Ärzte der Welt fordert deshalb politische Entscheidungsträger*innen auf, in Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen diese unhaltbare Situation umgehend anzugehen.

 

Über Ärzte der Welt:

Ärzte der Welt ist eine humanitäre Organisation, die sich in über 70 Ländern weltweit mit medizinischen Projekten und politischer Arbeit für das Menschenrecht auf Gesundheit einsetzt. In Deutschland behandeln und beraten ehrenamtliche Mediziner*innen sowie hauptamtliche Mitarbeitende in den von Ärzte betrieben Anlaufstellen und Behandlungsbussen Menschen, die keinen Zugang zum regulären Gesundheitssystem haben.