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Zerstörtes Krankenhaus in Gaza. Foto: Ärzte der Welt

Palästinensiche Gebiete: Aktuelle Situation im Gazastreifen

Palästinensische Gebiete

18.000

Wohnhäuser wurden durch den letzten Krieg 2014 zerstört

30.000

Menschen leiden in der Region Nablus an mentalen Störungen

50 %

der Bevölkerung im Gazastreifen ist unter 15 Jahre alt

Die Situation

Leben mit Blockaden und Kriegen im Gazastreifen

Der Gazastreifen ist eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt. 1,8 Millionen Menschen leben dort, fast 70 Prozent davon in einem der acht Flüchtlingslager. Die humanitäre Situation hat sich seit 2007 durch die Intensivierung der Blockade zu Land, See und Luft durch Israel verschärft. Auch in den Folgejahren haben sich die Zustände durch die militärischen Operationen Israels von 2008 bis 2009 und 2012 verschlechtert. Es herrscht ein permanenter Mangel an Medikamenten, Nahrungsmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. In Gaza-Stadt fehlen außerdem Sanitätswagen und ausreichend ausgestattete Gesundheits- oder Notfallzentren.

Es herrscht ein permanenter Mangel an Medikamenten, Nahrungsmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs.

Israels militärische Operation im Sommer 2014 kostete 2.131 Palästinenser das Leben, unter ihnen 70 Prozent Zivilisten. Weitere 11.000 wurden verwundet, ungefähr 110.000 sind Vertriebene im eigenen Land. Die medizinische Infrastruktur in Gaza wurde stark beschädigt - teils bis hin zur völligen Zerstörung. 17 Kliniken (von den 32 Kliniken im Gazastreifen) und 58 medizinische Zentren (von 97) sind beschädigt oder zerstört worden. Der Wiederaufbau der medizinischen Strukturen geht nur langsam voran, da Importverbote von Baumaterialien und mangelnde finanzielle Ressourcen den Prozess ausbremsen.

 

Zudem gibt es im Gazastreifen zahlreiche ungewollte und ungeplante Schwangerschaften. Viele Frauen haben oft keinen Zugang oder mangelnde Kenntnisse über moderne Verhütungsmethoden - auch der Mangel an Einrichtungen für Familienplanung trägt dazu bei. Insbesondere durch die Kriegs- und Blockadesituation müssen sich Frauen sehr häufig riskanten Abtreibungen ohne jede medizinische Betreuung unterziehen. Einer Studie zufolge erleben 12 Prozent der palästinensischen Frauen eine ungewollte Schwangerschaft, 26 Prozent der Schwangerschaften treten zu einem ungünstigen Zeitpunkt auf. Zwar gibt es einige sexual- und reproduktionsmedizinische Einrichtungen, viele Frauen wissen jedoch nicht, dass diese überhaupt existieren.

Ein Mann steht in Trümmern in den Palästinensischen Gebieten. Foto: Abbas Momani
Ein Mann steht in Trümmern in den Palästinensischen Gebieten. Foto: Abbas Momani

 

KRISENOPFER

Spannungsreiche nähe zu den Siedlern

Im Westjordanland, vor allem in der Region von Nablus, lebt die Bevölkerung in permanenter Anspannung aufgrund der Nähe zu den israelischen Siedlern. Die Palästinenser werden häufig von israelischen Militärs durchsucht und an Checkpoints  kontrolliert. Politisch rechtsgerichtete Siedler greifen regelmäßig palästinensische Gemeinden und Schulen an. Dorfbewohner sind Schlägen, Steinwürfen, Schüssen, Beschädigungen der Wohnhäuser und Zerstörungen von Olivenhainen ausgesetzt. 

 

Der Stress und andere Störungen der mentalen Gesundheit, die durch diese Belastungen entstehen, werden jedoch nur selten behandelt. Das medizinische Personal ist oft nicht ausreichend ausgebildet, um die Symptome zu erkennen. Einrichtungen, an die die Opfer verwiesen werden könnten, sind selten. Psychische Probleme sind zudem stigmatisiert: Vielen Familien kommt gar nicht der Gedanke, sich wegen dieser Art von Leiden an medizinische Versorgungszentren zu wenden. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche. 

Spielende Kinder inmitten der Zerstörung, Gaza. Foto: Ibraheem Abu Mustaga, Reuters
Spielende Kinder inmitten der Zerstörung, Gaza. Foto: Ibraheem Abu Mustaga, Reuters

Unsere Hilfe

KRISENOPFER

Hilfe für die opfer von krieg und blockade

Ärzte der Welt ist seit Jahren im Gazastreifen aktiv, um die medizinischen Versorgungsstrukturen auf Notfälle vorzubereiten und dabei zu helfen, nötige Maßnahmen besser zu koordinieren. Auch das medizinische Personal wird speziell für die Notfallhilfe ausgebildet. Wenn die Opfer des Konflikts an die richtigen Stellen verwiesen werden können, ermöglicht dies eine Entlastung der Kliniken und eine qualitative Verbesserung der Primärversorgung. 

 

Ärzte der Welt war im Sommer 2014 während der israelischen Militäroperation präsent und konnte sehr schnell reagieren, als die am stärksten betroffene Zone nicht zugänglich war. Unsere Teams versorgten die Bevölkerung mit Medikamenten, Hygieneartikeln und einer medizinischen Notfallausstattung. Sobald es möglich war, wurden mobile Kliniken eingerichtet, welche die Aufgaben der zerstörten Gesundheitszentren übernahmen. Darüber hinaus gab Ärzte der Welt den Opfern psychologische Beratung am Telefon, um akute mentale Not aufzufangen.

Parallel arbeitet Ärzte der Welt mit der palästinensischen NGO "The Culture and Free Thought Association" zusammen, um vor allem Frauen und Kindern psychosoziale Unterstützung  zu bieten. Bei Bedarf kommen die Teams von Ärzte der Welt Familien innerhalb von drei Tagen zu Hilfe. Ärzte der Welt ist in zwei Gesundheitszentren im Gazastreifen aktiv und führt Programme zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit durch. Unsere Teams setzen sich mit ihrer Arbeit dafür ein, dass solche Einrichtungen für Frauen zugänglich werden. 

Haben Sie das gewusst?

Die letzte und bisher verheerendste israelische Militäroperation begann am 8. Juli 2014 und endete am 26. August desselben Jahres. Ärzte der Welt bezeugt unermüdlich, welche Konsequenzen der Konflikt und die acht Jahre andauernde Blockade für die Zivilbevölkerung hat. 

Ein zerstörtes Haus in Gaza. Foto: Alessio Romenzi
Ein zerstörtes Haus in Gaza. Foto: Alessio Romenzi

Mit anderen humanitären Akteuren macht Ärzte der Welt bei politischen Entscheidungsträgern auf die dramatischen Auswirkungen der Expansion israelischer Siedlungen auf die palästinensische Bevölkerung aufmerksam. Bei den palästinensischen Behörden setzte sich die Hilfsorganisation bereits erfolgreich dafür ein, dass die mentale Gesundheit in die öffentliche Gesundheitspolitik einbezogen wird.

 

Im Rahmen des Global Protection Cluster hat Ärzte der Welt Diplomaten in die Dörfer begleitet, die von der Gewalt der Siedler betroffen sind, um ihnen die Lebensbedingungen der palästinensischen Bewohner deutlich aufzuzeigen. 

Mental Health Programm für traumatisierte und misshandelte Kinder. Foto: Bruno Fert
Mental Health Programm für traumatisierte und misshandelte Kinder. Foto: Bruno Fert
Rückblick
1999
Beginn des Programms für mentale Gesundheit und psychosoziale Hilfe im Westjordanland
2002
Etablierung einer Klinik für die Opfer der Zweiten Intifada. Sie wurde 2004 an das Gesundheitsministerium übergeben
2004
Versorgung mentaler Leiden in der Klinik von Rafidia, nahe Nablus
2008
Einrichtung eines kommunalen Zentrums für mentale Gesundheit in Nablus und Jenin
2009
Bau von elf Notfallstationen im Gazastreifen nach der Israelischen Militäroperation 2008/2009
2010
Integration von Einrichtungen für mentale Gesundheit in zehn Gesundheitszentren in der Region von Nablus
2011
Nothilfeausbildung von medizinischem und nicht-medizinischem Personal in der Region von Khan Younis, Gazastreifen
2013
Vorbereitung auf Notsituationen in der Region von Dair-al-Balah. Beginn eines Programms für jugendliche Diabetiker und mentale Gesundheit im Westjordanland
2014
Medizinische Notfallhilfe für die Opfer der israelischen Militäroperation "Schutzlinie"

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