Psychologische erste Hilfe in den Palästinensischen Gebieten

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Ärzte der Welt Team unterwegs in Qaliqilya. Foto: Ärzte der Welt

Psychologische erste Hilfe in kugelsicheren Westen

Psychologische erste Hilfe in kugelsicheren Westen

 

Die seelischen Leiden von Patient*innen stärker in den Fokus nehmen? Der Direktor der Klinik in der palästinensischen Stadt Qalqiliya war erst skeptisch. „Doch als er sah, wie es den Menschen hilft, war er total begeistert und hat noch mehr Unterstützung angefragt“, berichtet die Leiterin Internationale Programme Bettina Rademacher. Erfahren Sie mehr über die Arbeit von Ärzte der Welt im Westjordanland und unterstützen Sie das Projekt mit einer Spende.

Das Thema mentale Gesundheit ist auch im Westjordanland für viele ein Tabu. Dort bilden Teams von Ärzte der Welt in 23 Kliniken Ärzt*innen und Krankenpfleger*innen darin aus, bei medizinischen Konsultationen psychische Symptome zu erkennen. Sie können die Patient*innen so optimal unterstützen und sie gegebenenfalls an psychologische Fachkräfte überweisen. „Es ist das erste Mal, dass das medizinische Personal mit den Patient*innen über ihre psychischen Probleme spricht. Das hilft dabei, das Stigma zu beseitigen und zu zeigen, dass es okay ist, darüber zu reden“, sagt Antone Kamel, der als Psychologe in Qalqiliya arbeitet, im folgenden Video.

Gefangen in der eigenen Stadt

Die Menschen der palästinensischen Stadt stehen unter einer enormen psychischen Belastung. Qalqiliya ist von einer Betonmauer umgeben. Israelische Behörden entscheiden, wer durch den einzigen Checkpoint in die Stadt hineinkommt, wer sie verlässt und wann der Checkpoint ganz geschlossen bleibt. Es ist Palästinenser*innen kaum möglich, in der Umgebung der Stadt Landwirtschaft zu betreiben. Die in der Region lebenden Beduinen haben sogar Schwierigkeiten, eine Genehmigung zu erhalten, um zum Beispiel ein Krankenhaus in der Stadt aufzusuchen. Das Gefühl, de facto eingesperrt zu sein, und die Erfahrung von Gewalt und Repressalien befeuern Probleme wie den Konsum von synthetischen Drogen oder Übergriffe gegen Frauen.

Bisher tödlichstes Jahr im Westjordanland?

Insgesamt ist die Gewalt im Westjordanland durch militante palästinensische Gruppen und israelische Siedler*innen und Soldat*innen in den vergangenen Monaten extrem gestiegen. Die große Mehrheit der Todesopfer sind palästinensische Männer, Frauen und Kinder. Mehr als 100 Menschen sind allein in diesem Jahr bereits bei israelischen Militäreinsätzen ums Leben gekommen. 2022 wird voraussichtlich das tödlichste Jahr im Westjordanland seit das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten 2005 begonnen hat, die Opfer des Konflikts zu zählen.

Für die Teams von Ärzte der Welt bedeutet dies, dass sie sich weniger frei bewegen können. Um die Sicherheit der Mitarbeitenden zu gewährleisten und den vielen Straßensperren und Staus auszuweichen, ist ein erhöhter logistischer Aufwand nötig. Außerdem müssen sie neuerdings kugelsichere Westen tragen.

Trotzdem setzen die Teams ihre Arbeit fort und leisten Familien psychologische Erste Hilfe, die zum Beispiel von radikalen Siedler*innen angegriffen worden oder deren Häuser auf Anordnung israelischer Behörden abgerissen worden sind. Letzteres dient immer häufiger als kollektive Abschreckungsmaßnahme, wenn Angehörige eines mutmaßlichen oder tatsächlichen Gewalttäters darin wohnen, oder mit der Begründung, das Gebäude sei illegal errichtet worden. In der Regel informieren kommunale Gesundheitshelfer*innen die Ärzte der Welt-Teams über solche Vorfälle. Diese setzen sich umgehend mit den Betroffenen in Verbindung, um herauszufinden, was diese jetzt brauchen und dafür zu sorgen, dass sie eine adäquate psychische Unterstützung bekommen.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit unterstützt.

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