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Patient*innen von open.med Hamburg werden durch das Fenster der Anlaufstelle versorgt. Foto: Bente Stachowske

Hamburg: Sprechstunde durchs Fenster

Hamburg: Sprechstunde durchs Fenster

 

Viele Arztpraxen und Anlaufstellen für Menschen mit keinem oder nur eingeschränktem Zugang zum regulären Gesundheitssystem haben ihr Angebot wegen Corona reduziert oder ganz eingestellt. Um unsere Patient*innen weiterhin versorgen zu können, bietet open.med Hamburg regelmäßig eine Fenstersprechstunde an.

Als Covid-19 Anfang des Jahres Deutschland erreichte, überschlugen sich die Ereignisse. Fast täglich gab es neue Erkenntnisse, ständig veränderten sich Schutz- und Hygienevorgaben, Abstandsregelungen und die Empfehlungen zum Umgang mit dem Corona-Virus. „Wir haben sehr schnell festgestellt, dass jeden Tag etwas Neues kommt und man in einer irrsinnigen Geschwindigkeit sein Konzept anpassen muss. Organisatorisch war das eine sehr große Herausforderung“, sagt Susanne Faby, Projektreferentin von open.med Hamburg. Hinzu kam, dass ein Großteil der ehrenamtlichen Ärzt*innen des Hamburger Projektes selbst zu Risikogruppen gehören. Die Gesundheit der Mitarbeitenden zu schützen, hatte oberste Priorität bei den Überlegungen, in welcher Form das Angebot der Anlaufstelle weitergeführt werden kann. Somit entschloss man sich gemeinsam mit dem Träger hoffnungsorte hamburg Anfang April dazu, die Anlaufstelle vorübergehend zu schließen. Um jedoch weiterhin als Ansprechpartner für Patient*innen da zu sein, wurde eine Fenstersprechstunde eingeführt.

Beratung auch per Telefon und Videosprechstunde

Jeden Dienstag und Mittwoch sind die Mitarbeitenden des open.med-Teams nun am Fenster der Anlaufstelle für die Patient*innen da. Menschen ohne Krankenversicherung oder mit eingeschränktem Zugang zur Gesundheitsversorgung können so mit dem nötigen Sicherheitsabstand ihr Anliegen an das open.med-Team herantragen. Unsere Projektreferentin Susanne Faby nimmt zusammen mit zwei Sprachmittler*innen und der Unterstützung einer Praktikantin die Anliegen der Patient*innen auf. Offensichtlich dringende Fälle werden an eine Klinik oder in die Akutsprechstunden der Poliklinik Veddel überwiesen. Bei allen weiteren Patient*innen beraten wir mit unseren ehrenamtlichen Ärzt*innen per Telefon oder Videokonferenz, ob die Person behandelt werden muss, ob ein Medikament verschrieben werden soll oder ob eine Vermittlung an Fachärzt*innen aus unserem Netzwerk, andere Anlaufstellen oder die Clearingstelle organisiert werden kann.
Susanne Faby freut sich über die gute Zusammenarbeit: „Es hat sich während dieser Zeit herausgestellt, dass dieses Netzwerk in Hamburg sehr gut funktioniert.“  

Die Fotostrecke gibt einen Einblick, wie die Fenstersprechstunde genau abläuft:

Rund 200 Beratungsgespräche durchgeführt

Die Beratung über das Fenster nehmen sowohl uns bekannte Patient*innen wahr, die teilweise seit vielen Jahren von open.med begleitet werden, als auch Menschen, die die Anlaufstelle das erste Mal aufsuchen. Zu den neuen Patient*innen zählen vor allem Menschen aus dem europäischen Ausland, die wegen der vorübergehenden Reisebeschränkungen nicht in ihr Heimatland zurückkehren konnten. Während der seither 28 durchgeführten Fenstersprechstunden wurden 195 Konsultationen durchgeführt (Stand 8. Juli 2020). 129 Patient*innenkontakte wurden bei den allgemeinmedizinischen Sprechstunden gezählt. Im Rahmen der Sprechstunden für Frauen und Kinder fanden 66 Konsultationen statt.

Wiederaufnahme der regulären Sprechstunden geplant

Trotz des organisatorischen Mehraufwandes durch die Fenstersprechstunde ist Susanne Faby mit dem Ergebnis zufrieden: „Es ist kein einzige*r Patient*in ohne eine Adresse, entsprechende Hinweise, Hilfestellung oder sogar eine Begleitung zur jeweiligen Stelle hier weggegangen.“ Auch von den Patient*innen habe es positive Rückmeldungen gegeben. Einer hätte durch die Hilfe von open.med eine Zahnprothese bekommen. Ein weiterer Patient kam mit Röntgenbildern seines Auges zurück, die in einer Augenarztpraxis gemacht worden waren und auf deren Grundlage er nun operiert werden kann. Dennoch wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Präsenzsprechstunden wieder aufzunehmen, um die Patient*innen wieder direkt vor Ort beraten und behandeln zu können.

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