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Impfsprechstunde in der medizinischen Anlaufstelle. Foto: Ärzte der Welt

open.med München: Impfen in der Anlaufstelle

open.med München: Impfen in der Anlaufstelle

 

Ein Pieks für alle, die möchten – eigentlich sollte dem in Deutschland inzwischen nichts mehr im Weg stehen. Weil aber Menschen, die keinen geregelten Aufenthaltsstatus oder keine Krankenversicherung haben, nur schwer an eine Covid-Impfung kommen, bietet die Münchner Anlaufstelle open.med genau das für sie an.

„Ich bin so froh, dass ich mich hier impfen lassen kann. Ich bin ziemlich aufgeregt. Aber hier sind alle so nett und es ist ein großes Glück, dass es Euch gibt!“ Jakobo Novak, der eigentlich anders heißt, ist zu einer der Sprechstunden von open.med-München gekommen, nachdem er die Anlaufstelle zum ersten Mal wegen einer Ohrenentzündung aufgesucht hatte. Dass beim Vakzin von Johnson & Johnson nur eine Spritze nötig ist, ist für ihn offenbar eine Erleichterung.

„Viele unserer Patient*innen wollen sich impfen lassen, aber die Hürden sind sehr hoch“, sagt open.med-Referentin Katharina Ens. „Beispielsweise haben viele kein Handy und keinen Internetzugang. Es ist also schwierig, Informationen zu erhalten oder sich im Impfzentrum zu registrieren. Dazu ist das Impfzentrum sehr weit draußen, in der Messe München, und einigen unserer Patient*innen fällt es schwer, sich in der Stadt zu orientieren. Weitere Barrieren sind fehlende finanzielle Mittel für die Anfahrt, mangelnde Sprachkenntnisse, Analphabetismus oder die Angst, verhaftet und abgeschoben zu werden.“ Außerdem, fügt Ens hinzu, kämen Menschen ohne Papiere im Impfzentrum meist sowieso nicht weit. Dort würden in der Regel ein Personalausweis und eine Meldeadresse verlangt, und diese besäßen sie ja nicht. An letzterem versucht das Team von open.med München etwas zu ändern: Inzwischen können die Mitarbeitenden Nachweise über den gewöhnlichen Aufenthaltsort ihrer Patient*innen erstellen, und damit ist eine Anmeldung im Impfzentrum möglich.

Gute Resonanz auf Impfangebote

Seit Juni können Patient*innen auch in der open.med-Anlaufstelle selbst ihr Vakzin erhalten. Das Team kontaktiert sie hierfür und viele nehmen das Angebot gerne an. „Unser Vorteil ist, dass unsere Patient*innen uns vertrauen. Sie kennen uns und wissen, wie wir arbeiten“, sagt Ens. Zudem gehören viele einer Risikogruppe an, etwa weil sie schon älter sind, eine Vorerkrankung haben oder in einer Gemeinschaftsunterkunft leben und haben deshalb ein großes Interesse, sich immunisieren zu lassen.

Auch Bela Laszlo (Name geändert) ist froh über das Angebot: „Ich war schon drei oder vier Mal bei open.med. Beim letzten Besuch haben sie mir von der Impfmöglichkeit erzählt. Ich bin da sehr aufgeschlossen. Ich hatte mich auch gegen Grippe impfen lassen und kaum Nebenwirkungen gehabt. Jetzt hoffe ich, dass es mir bei dieser Covid-Impfung auch so geht.“

Die ehrenamtliche Ärztin Dr. Angelika Reitenspieß und die Medizinstudentin Ayꞔa Gerꞔekꞔioğlu haben die Spritzen schon vorbereitet. Zehn Menschen werden heute geimpft. Die Termine sind zeitlich so versetzt, dass sich möglichst wenige Menschen in der Anlaufstelle begegnen.

Der Projektleiter von open.med München, Cevat Kara, klärt gemeinsam mit Gerꞔekꞔioğlu die Patient*innen über die Impfung und mögliche Nebenwirkungen auf. Nach dem Gespräch geht es ins Nachbarzimmer zur Ärztin. Hier gibt es den ersehnten Pieks, der in der Impfdatenbank des bayrischen Impfzentrums dokumentiert wird. Auch einen Code für den digitalen Impfnachweis druckt das Team gleich mit aus. Nach einer Wartezeit von ungefähr 15 Minuten dürfen die frisch Geimpften die Anlaufstelle wieder verlassen. Sollten sie später noch Beschwerden entwickeln, können sie sich jederzeit wieder melden.

„Wir sind sehr froh darüber, dass unsere Patient*innen nun einen Zugang zur Impfung haben“, sagt Katharina Ens. „Ich wünsche mir grundsätzlich einen Zugang zu Covid-Impfungen für alle Menschen, egal, ob diese einen Krankenversicherungsschutz oder Papiere haben oder nicht.“

 

 

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